Freispruch aufgehoben: Neuer Prozess gegen Amanda Knox

ROM Knapp fünfeinhalb Jahre nach dem Mord an einer Britin in Italien muss der spektakuläre Prozess gegen die US-Studentin Amanda Knox neu aufgerollt werden. Das höchste italienische Gericht hob am Dienstag den Freispruch für die 25-Jährige - die auch "Engel mit den Eisaugen" genannt wird - und ihren Ex-Freund Raffaele Sollecito auf.

  • Amanda Knox: Wegen ihres Aussehens wird sie auch «Engel mit den Eisaugen» genannt. Foto: Pietro Crocchioni/ Archiv

    Amanda Knox: Wegen ihres Aussehens wird sie auch «Engel mit den Eisaugen» genannt. Foto: Pietro Crocchioni/ Archiv

Knox ist seit ihrem Freispruch im Herbst 2011 wieder in den USA. Offen ist, ob sie zu einem neuen Prozess in Italien erscheint.

Knox und dem Italiener Sollecito wird vorgeworfen, die britische Austauschstudentin Meredith Kercher 2007 im umbrischen Perugia bei ausufernden Sexspielen getötet zu haben. Nach einer ersten Verurteilung waren sie im Oktober 2011 in zweiter Instanz in einem Indizienprozess freigesprochen worden. Dagegen hatten die Familie des Opfers und die Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt.

    

"Ich bin enttäuscht", sagte Knox nach Angaben ihres Anwalts Carlo Dalla Vedova zu dem Urteil. Sie habe in den USA eine schlaflose Nacht in Erwartung des Urteils verbracht. Auch der in Verona studierende Sollecito hatte gehofft, "man könnte einen Schlussstrich unter diese Sache ziehen". Das sagte der 29-Jährige seinem Verteidiger Luca Mauri, wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtete.

Opfer-Familie begrüßt Aufhebung

Als die Entscheidung des Kassationsgerichts am Dienstag in Rom verlesen wurde, begrüßte es der Anwalt der Familie Kercher, Francesco Maresca, mit einer geballten Faust als Siegeszeichen. "Ich bin glücklich", sagte die Schwester der Getöteten, Stephanie, dem Anwalt. Der neue Prozess soll nicht wieder in Perugia, sondern in Florenz stattfinden, entschied das Kassationsgericht.

Das Gericht hatte am Montag ungewöhnlich lange beraten und nicht, wie zunächst angenommen, bis zum Abend das Urteil gefällt. Die Staatsanwaltschaft hatte argumentiert, die Richter hätten in dem Berufungsverfahren mit dem Freispruch "den Kompass verloren". Eine Urteilsbegründung lag am Dienstag noch nicht vor.

Knox und Sollecito nicht anwesend

Die 21 Jahre alte Austauschstudentin Kercher war am 2. November 2007 mit durchschnittener Kehle, vergewaltigt, halbnackt und von Messerstichen übersät in ihrer und Knox' gemeinsamer Wohnung in Perugia gefunden worden.

Zwei Jahre später waren Knox und Sollecito in einem reinen Indizienverfahren schuldig gesprochen und zu 26 und 25 Jahren Haft verurteilt worden. Im Oktober 2011 sprach sie ein Berufungsgericht aus Mangel an Beweisen frei, nachdem erhebliche Zweifel an DNA-Tests laut geworden waren. Die beiden Prozesse riefen weltweit ein großes Medieninteresse hervor.

Knox kehrte nach insgesamt vier Jahren in italienischer Haft in ihre Heimatstadt Seattle zurück, Sollecito nahm sein Studium wieder auf. Beide waren am Dienstag nicht dabei, als die Entscheidung verlesen wurde. Sie hatten stets ihre Unschuld beteuert.

Geklärt werden muss nach dem Urteil des höchsten italienischen Gerichts also immer noch, wer die junge Studentin umgebracht hat. In Haft sitzt der Ivorer Rudy Guede - jedoch wegen Mittäterschaft und nicht wegen Mordes. Er wurde zu 16 Jahren Haft verurteilt, die vom Kassationsgericht bestätigt worden waren.

Bestätigt hat das oberste Gericht die Verurteilung von Knox zu einer dreijährigen Haftstrafe wegen Verleumdung des Barmannes Patrick Lumumba. Sie hatte ihn zunächst der Tat bezichtigt. Diese Strafe ist definitiv, Knox hat sie aber bereits in U-Haft abgesessen. 

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Autor
dpa
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    26. März 2013, 11:39 Uhr
    Aktualisiert:
    26. März 2013, 16:14 Uhr