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Medienhaus Lensing
14.03.2010 15:19 Uhr
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Für Verbraucher unterwegs: Chef-Warentester übers Fettabsaugen, Fertighäuser und Prüfsiegel

DORTMUND Millionen Kunden vertrauen auf das Urteil der Stiftung Warentest. Anlässlich des „Weltverbrauchertags“ am Montag sprach Torsten Storks mit Dr. Holger Brackemann, Leiter des Bereichs Untersuchungen.Von Torsten Storks

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Dr. Holger Brackemann, Bereichsleiter Untersuchungen der Stiftung Warentest (Pressestelle)

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Dr. Brackemann, wie fühlen Sie sich als der Obertester von Waren- und Dienstleistungen in Deutschland?
Brackemann: Erstmal ganz wohl, weil ich einen wirklich interessanten Job habe. Auf der anderen Seite trägt man natürlich eine ganz große Verantwortung. Wir wissen schon, welche Auswirkungen unserer Testergebnisse und deren Veröffentlichung auf die Märkte haben können.

Darauf kommen wir noch zu sprechen. Müssen Verkäufer zittern, wenn Sie selbst einkaufen gehen?
Brackemann: Zittern? Nein. Aber natürlich habe ich beim Einkauf immer auch die berufliche Brille auf. Ich achte schon darauf, wie der Handel mit dem Kunden umgeht.

Kaufen Sie bevorzugt Waren ein, die bei Ihren Tests gut abgeschnitten haben?
Brackemann: Definitiv ja. Und zwar aus zweierlei Gründen: Erstens, weil ich davon überzeugt bin, so die besseren Produkte zu bekommen. Zweitens denke ich, dass man jeden Test immer noch besser machen kann.

Das heißt?
Brackemann: Wenn ich das Produkt zu Hause nutze und mit unserem Testergebnis vergleiche, fällt mir vielleicht noch etwas ein, wie sich das Testverfahren weiter verbessern lässt.

Ihre Testsiegel sind von der Wirtschaft heiß begehrt. Gibt es Versuche der Einflussnahme?
Brackemann: Die gibt es. Glücklicherweise nicht die ganz plumpen Versuche wie die Bestechung.

Sondern?
Brackemann: Firmen haben Produkte verändert, wenn Sie von unseren Tests erfahren hatten. Das hat dazu geführt, dass wir in den vergangenen Jahren Tests von Lebensmitteln, Wasch- und Reinigungsmitteln nicht mehr ankündigen, sondern ganz unvermittelt auf dem Markt einkaufen.

Kommt es vor, dass sich Firmen als Testsieger für ein Produkt ausgeben, ohne dass es von Ihnen geprüft wurde?

Brackemann: Das kommt vor. Da arbeiten wir eng mit den Verbraucherzentralen zusammen, um dies zu unterbinden.

Hin und wieder tauchen Stimmen auf, welche die Unabhängigkeit der Stiftung Warentest in Frage stellen.
Brackemann: Das ist absoluter Quatsch. Wir haben keinerlei Geschäftsbeziehungen mit Anbietern. Bei uns können keine Tests in Auftrag gegeben werden, keine Anzeigen geschaltet werden etc. Auch die Politik, die Bundesregierung, pfuscht uns nicht ins Handwerk.

Wie oft landen Ihre Testergebnisse vor Gericht? Stichwort Uschi Glas und ihre Gesichtscremes.
Brackemann: Wir haben pro Jahr vielleicht bis zu sechs Gerichtsverfahren zu bestehen.

Mit welchem Ausgang?
Brackemann: Ganz überwiegend gewinnen wir die Verfahren. Es gab aber auch schon Fälle, wo wir uns verglichen haben. Wir sind jedoch noch nie rechtskräftig zu Schadensersatzzahlungen verurteilt worden.

Wie Sie eingangs bereits andeuteten, kann sich die Veröffentlichung der Testergebnisse auf die Umsatz- und Gewinnentwicklung eines Unternehmens niederschlagen.
Brackemann: In der Tat. Die Auswirkungen auf den Absatz sowohl nach unten als nach oben können schon erheblich sein.

Ist eine Firma deshalb schon Pleite gegangen?
Brackemann: Das es so existenziell wurde, ist mir nicht bekannt. Kritisch wird es sicherlich, wenn der Handel teilweise die Produkte nicht mehr listet.

Nach welchen Kriterien suchen Sie die Produkte aus, die von Ihnen unter die Lupe genommen werden?
Brackemann: Bei den Themen in unseren diversen Publikationen orientieren wir uns sehr stark an unseren Lesern, die wir regelmäßig befragen. Daneben besuchen die Kollegen Messen und lesen Fachliteratur um zu schauen, was gibt es an Neuheiten?

Und wenn es um einzelne Fernseher, Waschmaschinen, Schlüpfer, Bikinis, oder Kinderwagen geht?
Brackemann: Das hängt von deren Marktbedeutung ab.

Gibt es Waren oder Dienstleistungen, die Sie noch nicht geprüft haben?
Brackemann: Da haben wir einige, die wir wahrscheinlich so bald auch nicht testen werden können.

Zum Beispiel?
Brackemann: Ein schönes Thema wären Fertighäuser. Das Problem ist jedoch, dass wir unsere Testmuster selber kaufen.

Problem gelöst. Ikea bietet seit kurzem Fertighäuser für schlappe 179.500 Euro an.
Brackemann: (lacht) Trotzdem müssen wir ja einen vergleichenden Warentest mit zehn oder elf Häusern machen. Und da kommen wir dann schon an unsere finanziellen Grenzen. Interessant wären sicherlich auch Tests im medizinischen Bereich beziehungsweise verwandte Dienstleistungen.

Was meinen Sie damit?
Brackemann: In den medizinischen Bereichen können wir nur die Beratung, nicht aber die volle Leistung testen. Denken Sie nur an die Schönheitschirugie.

Volle Leistung?
Brackemann: Wir können ja keine Probanden zum Fettabsaugen schicken und anschließend die Ergebnisse miteinander vergleichen. Das verbietet sich aus ethischen Gründen.

Beim Kauf welcher Produkte muss der Verbraucher besonders wachsam sein?
Brackemann: Hier eine generelle Linie zu ziehen ist schwierig: Fest steht, dass teurere Produkte grundsätzlich nicht besser sind als günstige. Ein klassisches Beispiel hierfür sind Sonnencremes. Vorsicht ist immer dann angebracht, wenn Produkte außerhalb des regulären Handels vertrieben und dann auch noch besonders billig sind. Da kommen wir in Regionen, wo der Anbieter nichts mehr in die Qualitätssicherung investieren kann. Oder nehmen Sie das Internet. Da gibt es dubiose Schlankheits- oder Nahrungsergänzungsmittel, welche die Gesundheit gefährden können.

Können Sie vielleicht noch ein Negativ-Testergebnis nennen, mit dem Sie überhaupt nicht gerechnet hatten?
Brackemann: Was mich wirklich überrascht hat, das ist noch gar nicht veröffentlicht ...

Jetzt schon.

Brackemann: Wir haben gerade einen Test von Energiesparlampen abgeschlossen. Bislang waren wir mit den Lampen eher zufrieden. Jetzt mussten wir feststellen, dass einige Hersteller in ihren Qualitätsbemühungen nachgelassen haben.

Was bedeutet das?

Brackemann: Der Zeitraum, in dem die Lampen brennen ohne an Helligkeit zu verlieren ist kürzer geworden. Gleiches gilt für die Schaltfestigkeit der Lampen, also das häufige An- und Auschalte 


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