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Medienhaus Lensing
10.09.2011 02:00 Uhr
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Termin bei Facharzt: Systemfehler Wartezeit: Kassenpatienten müssen warten

NRW Im Streit um lange Wartezeiten für gesetzlich Versicherte zeigen sich AOK und Kassenärztliche Bundesvereinigung unversöhnlich. Fakt ist: Gesetzlich Versicherte warten weiter deutlich länger auf einen Facharzttermin als Privatpatienten.Von Henning Brinkmann

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Kasse oder Privat? Die Frage bestimmt nach einer Untersuchung, wie lange man auf einen Termin beim Facharzt wartet. (Foto: Archiv, dpa)

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Laut unveröffentlichter Zahlen der Krankenkasse BKK, die unserer Zeitung vorliegen, warten gesetzlich Versicherte aktuell im Schnitt 25,3 Tage, Privatversicherte hingegen nur 15,6 Tage auf einen Facharztermin.

Der designierte Vorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Jürgen Graalmann, hatte den Fachärzten vorgeworfen, sie kämen ihren Pflichten gegenüber gesetzlich Versicherten nicht nach. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) wies daraufhin diese Behauptung als „Unverschämtheit“ zurück.

Experten sehen die Schuld nicht bei den Ärzten, sondern im ungleichen Vergütungssystem: „Gesetzlich Krankenversicherte sind nun einmal nach wie vor deutlich unattraktiver als Privatpatienten“, sagt etwa der Gesundheitsökonom Stefan Greß von der Universität Fulda unserer Zeitung. Grund seien niedrige Fallpauschalen und Deckelungen für gesetzlich Versicherte.

Um Wartezeiten zu verkürzen, helfen immer mehr Krankenkassen ihren Kunden bei der Facharztsuche. Das sei sinnvoll, aber letztlich nur eine „Symptombehandlung“, sagt Greß. Das Grundproblem ließe sich nur mit einer Reform der Vergütungssätze beseitigen. 

Fragen & Antworten: Wie komme ich an einen Termin

Wie komme ich schneller an einen Termin?
Was viele Versicherte nicht wissen: Die meisten Kassen bieten inzwischen einen Terminservice an – der hilft oft auch dann, wenn ein Patient beim Facharzt abgewiesen wird oder zu lange warten muss. Die Techniker Krankenkasse (TKK), DAK, AOK sowie die Barmer GEK bestätigten einen solchen Service auf Nachfrage. Ein Anruf bei der Kasse kann sich also lohnen.

Wie sind die Erfolgsaussichten?
Laut TKK-Sprecher Christian Elspas kann in 90 Prozent der Fälle ein Termin vereinbart oder beschleunigt werden. „Es sollte nicht so sein, aber es ist etwas anderes, wenn die Krankenkasse als Vertragspartner bei den Ärzten anruft und Druck macht“, so Elspas.

Die AOK fordert, Ärzte müssten 51 Stunden pro Woche für Kassenpatienten arbeiten, die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) spricht von 20 Stunden. Welche Zahl stimmt?
Beide. Die KBV bezieht sich auf 20 Sprechstunden pro Woche, die niedergelassene Ärzte gegenüber den Kassen vertraglich für gesetzlich Versicherte zusichern. Die Kassen kalkulieren hierfür aber 51 Stunden Arbeitsaufwand inklusive Verwaltungsarbeit, Abrechnungen und dem Schreiben von Arztbriefen. Fachärzte leisten laut AOK aber tatsächlich nur 39 Stunden. Grundlage für diese Einschätzung ist allerdings eine Onlineumfrage unter lediglich 172 Fachärzten.

Sind die Ärzte denn nun faul oder nicht?
„Niemand behauptet, dass Ärzte faul sind“, sagt selbst AOK-Sprecher Udo Barske. Klar sei aber, dass Fachärzte nicht genug ihrer Arbeitszeit den Kassenpatienten widmeten. Trotz gestiegener Vergütung sei bei den Wartezeiten für gesetzlich Versicherte „spürbar nichts rumgekommen – es ist sogar schlechter geworden“. Der Patientenverband DGVP nimmt dagegen die Ärzte in Schutz: Tatsächlich seien „längere Wartezeiten vor allem auf den steigenden Versorgungsbedarf einer alternden Gesellschaft zurückzuführen“.

Was könnte die Situation verbessern?
Der Gesundheitsökonom Professor Stefan Greß aus Fulda spricht von „Himmel und Hölle“ bei den Vergütungen für Privat- und Kassenpatienten. Nur eine Angleichung der Sätze könnte grundlegend etwas ändern. Für die Ärzte müsste das keinen Verlust bedeuten – wohl aber für die privaten Kassen. Sie verlören ihr entscheidendes Verkaufsargument.

Kommen Strafmaßnahmen gegen Ärzte?
Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) ist inzwischen zurückgerudert: Der Vorschlag, Ärzte für zu lange Wartezeiten zu bestrafen, stamme nicht von ihm. Allerdings stammt er aus seinem Haus. Ein Gesetzentwurf aus dem Gesundheitsministerium sieht vor, Patienten bei unzumutbaren Wartezeiten auch in Krankenhäusern zu behandeln. Die Kosten dafür sollen den kassenärztlichen Vereinigungen in Rechnung gestellt werden. Indirekt würde das Geld dann den niedergelassenen Fachärzten fehlen.

Würde das funktionieren?
Wohl kaum: Zwar könnte eine ambulante Krankenhausbehandlung die Wartezeit verringern, doch auch Ambulanzen sind oft überlastet, zudem arbeiten dort überwiegend Assistenzärzte, die noch in der fachärztlichen Weiterbildung sind. Facharztverbände warnen vor einer sinkenden Versorgungsqualität.

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