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Stellt Opel die Produktion früher ein als gedacht? Foto: F. Gambarini/Archiv
Jochen Marquardt, DGB: "Anstatt endlich zukunftsorientierte und zukunftsfeste Vorschläge vorzulegen, wie die Arbeit bei Opel weitergehen kann und dies im breiten Konsens mit allen Beteiligten und Betroffenen zu erörtern, versucht Herr Girsky Druck aufzubauen und die Verantwortung den Beschäftigten zu übertragen. Wir bleiben an der Seite der Opelaner und freuen uns über die klare und unmissverständliche Absage der Kollegen und ihrer Gewerkschaft."
Bastian Gläser, FDP Bochum: "Bereits mit der Ankündigung kurz vor Weihnachten, die Automobilproduktion am Standort Bochum bis Ende 2016 einstellen zu wollen, hat GM ein Beispiel dafür geliefert, wie internationale Konzerne mit Mitarbeitern in Deutschland nicht umgehen sollten. Dass man dieser Stillosigkeit noch einen drauf setzen kann, konnte ich mir nicht vorstellen. Damit ist die Hängepartie erneut eröffnet worden. Opel betreibt ein falsches Spiel mit den Mitarbeitern, wenn man jetzt wieder Ungewissheit eintreten lässt. Vor allem darf man der Belegschaft nicht die Pistole auf die Brust drücken, um sie zu weiteren Zugeständnissen zu zwingen. Denn damit verabschiedet man sich aus dem Prozess, um die Perspektive Bochum 2022 zu erarbeiten. Das wäre dann wirklich ein schwerer Rückschlag für Bochum."
Dirk W. Erlhöfer, Arbeitgeberverbände Ruhr/Westfalen: "Die aktuellen Ankündigungen des Aufsichtsratsvorsitzenden Steven Girsky werfen all das über den Haufen, was nur einen Monat vorher verkündet wurde. Opel ist gerade dabei, massiv an Glaubwürdigkeit zu verlieren. Die Mitarbeiter in Bochum wollen ernst genommen werden. Die Strategie der Opel-Führung, zu Beginn von Tarifverhandlungen zu drohen und zu provozieren, zerstört Vertrauen. Das kann nicht der richtige Weg sein. In der jetzigen, schwierigen Situation ist vor allem eines wichtig: Fingerspitzengefühl. Das vermisse ich im Umgang mit den Opel-Beschäftigten, die jahrelang gute Arbeit geleistet haben. Ich setze weiterhin darauf, dass am Verhandlungstisch kreative und ausgewogene Lösungen gefunden werden."
Ernst Lange, Linksfraktion Bochum: "Friss oder stirb! – das ist die Devise der Opel-Manager. Die Belegschaft soll auf tarifliche Lohnerhöhungen verzichten, damit die ursprüngliche Zusage auf Schließung erst Ende 2016 eingehalten wird. Das sind frühkapitalistische Methoden und glatte Erpressung! So kann und darf Opel nicht mit der Belegschaft umspringen. Wir fordern das Management auf, wie ursprünglich geplant und zugesagt, die Zafira-Produktion bis Ende 2016 in Bochum fortzuführen und darüber hinaus Perspektiven für eine weitere Produktion zu entwickeln. Außerdem muss Opel die Blockadehaltung bei den Verhandlungen über die Nutzung der bereits jetzt nicht mehr benötigten Flächen auf Werk II aufgeben und sich konstruktiv einbringen."
Herbert Schulte, Bundesverband mittelständische Wirtschaft: "Die größtenteils mittelständischen Opel-Lieferanten werden durch die Management-Strategie von GM auf dem Altar der Konzernpolitik geopfert und hunderte unternehmerischer Existenzen gefährdet. Angesichts der erheblichen negativen Auswirkungen auf die gesamte Wirtschaftsregion muss auch ein Konzern wie GM erkennen, dass in Europa die Regeln der Sozialen Marktwirtschaft und ein fairer Umgang aller Beteiligten zum guten Ton gehören. Der rüde Umgang, den GM mit Opel Bochum pflegt, ist völlig unakzeptabel und gefährdet zukunftsweisende Diskussionen über die Weiterentwicklung des Standortes. Opel benötigt einen längerfristigen Planungsrahmen und ein klares Bekenntnis des Mutterkonzerns zum Standort."
Klaus Hemmerling und Michael Sievers, SPD-Ortsverein Bochum Laer: "Das ist ganz üble Erpressung! Das Management hat über Jahre hinweg Mist gebaut und die Marke Opel beschädigt. Das Ergebnis sollen jetzt die Mitarbeiter ausbaden und bezahlen. Während die vier deutschen Opel-Standorte bereits 176 Millionen Euro an Einsparungen geleistet haben, blieben die Zusagen des Managements im Exportbereich aus. [...] So geht man nicht mit Menschen um. Das ist Raubtierkapitalismus in Reinkultur! Die ganzen letzten Jahre wurde bereits versucht die Opelaner zu zermürben, diese unwürdige Behandlung muss endlich ein Ende haben!"
Jens Lücking, Freie Bürger Bochum: "Diese Entscheidung aus der GM-Zentrale bildet keine konstruktive Basis für die angestrebte sachliche Auseinandersetzung im Rahmen der 'Bochum Perspektive 2022. Die Stadt Bochum hat nun deutlich weniger Zeit, um auf diesen Strukturwandel zu reagieren. Verlässlichkeit und unternehmerische Verantwortung sehen anders aus. Die Mitarbeiter verzichten schon lange auf Tariferhöhungen und Sonderzulagen, um ihr Werk zu stützen, ihren Arbeitsplatz zu sichern. Die Opelaner haben ihre Leistungen erbracht. Die neuerlichen Drohungen sind würdelos, zermürbend und für die Zukunft der Bochumer Autobauer in keiner Weise zielführend. Die Folgen der strukturellen Änderung mit der Opel-Schließung werden im gesamten Ruhrgebiet spürbar sein."
Ruhrbischof Dr. Franz-Josef Overbeck: "Die Opelmitarbeiter können dies nicht anders als einen Erpressungsversuch verstehen. Unterschiedliche Sach- und Interessenslagen wie die Rentabilität von Opel als Ganzes, die Lohnentwicklung der Mitarbeiter und die Standortsicherheit des Produktionsortes Bochum werden auf unzulässige Weise miteinander vermengt. Statt getroffene Aussagen wieder in Frage zu stellen, sind angesichts notwendiger Umstrukturierungen vielmehr Planungs- und Vertragssicherheit gefordert. Es muss ein Ende haben, die Opel-Mitarbeiter weiterhin durch eine unerträgliche Salamitaktik zu zermürben. GM hat jetzt nicht nur eine verbindliche Perspektive für die Marke Opel und ihre Produktionsstandorte zu formulieren, GM muss sich auch an Abmachungen halten."