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Die Früh- und Mittagschicht des Bochumer Opelwerks hören sich an, wie die Verhandlungen verlaufen sind. (Foto: privat)
„Auszahlen, auszahlen“, skandieren die mehr als 900 Opelaner der Früh- und Mittagsschicht. Sie wollen nicht länger einem Unternehmen eine Tariferhöhung stunden, das keine echte Perspektive für das Bochumer Werk formuliert. Doch damit scheinen sie allein.
Menschlich enttäuscht
Ein „einmaliger Vorgang“ wettert Betriebsratschef Rainer Einenkel. Sowohl die IG Metall in Hessen als auch Betriebsräte anderer Opel-Standorte hätten sich mit dem Ende der Automobilproduktion in Bochum abgefunden. „Nur ein Kollege aus Eisenach hat dagegen gestimmt“, beklagt ein auch menschlich enttäuschter Einenkel.
Fotostrecke Opelaner zeigen sich kampfbereit
Der Bochumer Betriebsrat und die Belegschaft seien immer solidarisch mit allen anderen Standorten und Werken gewesen. Solidarität als offensichtlich eine Einbahnstraße. Weit und breit findet sich außerhalb Bochum niemand, der sich öffentlich für eine Automobilproduktion über 2016 oder gar nur 2014 „tief im Westen“ stark macht.
Vertragliche Verpflichtung
Hessens IG-Metall-Chef Armin Schild formuliert es in einem Interview so: Es bleibe ein Ziel, die Fahrzeugfertigung in Bochum zu erhalten. Daran glauben mag er nicht mehr. Schild sprach von einem „möglichst schmerzlosen Übergang“ der Beschäftigten in andere Industriearbeitsplätze. Dazu soll sich die GM-Tochter vertraglich verpflichten.
Auf konkrete Vorschläge wartet der Bochumer Betriebsrat bislang vergeblich. „Auf die Frage, welche Komponenten künftig in Bochum gefertigt werden sollen, haben wir vom Vorstand die Antwort bekommen, dass man das noch nicht wisse.“ Auch deshalb bleibt der Betriebsrat zumindest öffentlich bei seiner Maximalforderung – also den Erhalt der Automobilproduktion in Bochum.
Fehlende Unterstützung
Dieses Ziel scheint aber angesichts fehlender Unterstützung anderer Betriebsräte und der IG Metall unrealistisch.
Auch das Land NRW hat sich im Gegensatz zum Land Thüringen nicht öffentlich erklärt, mit Steuergeldern die Automobilproduktion in Bochum stützen zu wollen. Das nüchterne Fazit von Rainer Einenkel lautet: „Andere Standorte bieten Kompromisse an zu Lasten anderer Werke.“ Und ein wenig trotzig ergänzt er: Helfen werde es den anderen Werken auf Sicht nicht, dass sie dem Unternehmen weiter die Gehaltserhöhung stunden.
Provokationen einkalkuliert
Im Mittelpunkt bleibt die Frage, wie es mit Bochum weitergeht. Bereits am Dienstag findet die nächste Verhandlungsrunde statt. Ausnahmsweise sogar in Bochum. Rainer Einenkel treibt die Sorge um, dass der Vorstand irgendwelche Provokationen einkalkuliert, um so die Verhandlungen abbrechen zu können. „Wir haben jedoch Vertrauen in die Beschäftigten“, sagt der Betriebsratsvorsitzende.
Bereits am Montag wird es das nächste Gespräch zur Vorbereitung des Solidaritätsfestes geben. Es soll keine Abschlussveranstaltung sein, sondern der Auftakt weiterer Aktionen zum Erhalt des Bochumer Werkes.