«
1/1
»
In einer Mitteilung bekräftigte das Unternehmen jetzt, den Standort Bochum entwickeln zu wollen. (Foto: Dominik Möller)
Die Verhandlungen über die Zukunft der Opel-Standorte sollen bereits am kommenden Dienstag fortgesetzt werden. Im Anschluss werde man die Bochumer Belegschaft über den Stand der Gespräche informieren, kündigte der Bochumer Opel-Betriebsratsvorsitzende Rainer Einenkel am Mittwoch an. Am Vortag hatte Opel-Aufsichtsratschef Steve Girsky mit der Ankündigung für Empörung gesorgt, die für 2016 geplante Schließung des Bochumer Werks um ein Jahr vorzuziehen, falls in den Gesprächen bis Ende Februar keine Einigung erzielt werden könne. Das Opel-Management fordert massive Einsparungen.
Ungewöhnlich harsch reagierte am Dienstag schon IHK-Hauptgeschäftsführer Helmut Diegel auf die mögliche frühere Schließung. „Hier sollen Arbeitnehmer, die in den letzten Jahren schon an allen Stellen harte Einschnitte hinnehmen mussten, gefügig gemacht werden“, sagte Helmut Diegel. Er fühle sich in graue Vorzeiten zurückversetzt. Zugleich stellte er „ganz laut die Frage“, ob man Opel/GM überhaupt noch irgendetwas glauben könne?
"Wir haben einen Vertrag"
Der Bochumer Werkssprecher Alexander Bazio warb mit Blick auf den schwierigen europäischen Automobilmarkt um Verständnis für das Vorgehen. „Wir haben einen Vertrag, der gilt.“ Er sichert dem Bochumer Werk die Produktion bis Ende 2014 zu. Keine Vereinbarungen gebe es jedoch für die Zeit bis Ende 2016.
In den Verhandlungen geht es deshalb aus seiner Sicht nur um die Jahre 2015 und 2016. Keinesfalls jedoch um die Frage einer neuen Produktion für das Bochumer Werk. Das sieht Betriebsratschef Rainer Einenkel natürlich völlig anders. „Wir sind noch da. Wir bleiben in Bochum. Wir kämpfen weiter.“
GM fordert Verzicht auf alle Sonderzahlungen
Unmissverständlich machte Einenkel auf der Mitarbeiterinformation deutlich, dass der Betriebsrat die Pläne von GM kategorisch ablehnt. Diese sehen nach Informationen des Betriebsrates vor: Den Verzicht auf die bereits ausgehandelte und derzeit gestundete Gehaltserhöhung. Den Verzicht auf künftige Gehaltserhöhungen und weitere Einschnitte beim Urlaubs- und Weihnachtsgeld.
Audio: Ottilie Scholz zur Drohung des Opel-Chefs
Nur unter diesen Voraussetzungen sei das Unternehmen bereit, die Produktion in Bochum bis Ende 2016 fortzuführen. Für den Betriebsrat eine Zumutung. „Wir bezahlen doch nicht unsere eigene Beerdigung“, rief Einenkel unter den gellenden Pfiffen der Beschäftigten in das Mikro.
Das Ende der Stundung
Der Betriebsrat geht deshalb in die Offensive. Er will dem Unternehmen nicht länger die Gehaltserhöhung von 4,3 Prozent stunden. „Wir wollen Weihnachtsgeld haben. Und auch Urlaubsgeld.“
Wie diese Forderungen durchgesetzt werden soll, ließ Einenkel am Dienstag erst einmal offen. Er machte jedoch deutlich, dass der Betriebsrat auf den Verhandlungsweg setzt. Die Beschäftigten sollen jedoch stets auf den neuesten Stand gebracht werden. Das müsse jedoch nicht unbedingt immer in den Pausen erfolgen.
Verspieltes Vertrauen
Die Mittagsschicht jedenfalls hat nach Informationen unserer Zeitung direkt nach der Infoveranstaltung die Arbeit wieder aufgenommen. Ob es etwaige Protestaktionen geben wird, ist noch nicht bekannt. Der Konzern jedenfalls hat mit seinem Vorgehen viel Vertrauen verspielt.
Fotostrecke Infoveranstaltung vor der Mittagsschicht
Stadtdirektor Paul Aschenbrenner sagte: „Diese Mitarbeiterinformation ist eine deutliche Drohgebärde. Es ist auch für uns als Stadt eine bemerkenswerte Ausgangslage mit Blick auf das Projekt Bochum Perspektive 2022. Ich frage mich ernsthaft, was ich mit den Menschen noch reden soll.“
Vorsichtige Formulierung
Opel habe bis heute nicht zugesagt, die freien Flächen auf dem Gelände von Werk II in die gemeinsame Gesellschaft mit der Stadt einzubringen. „Wir waren uns klar darüber, dass die Verhandlungen nicht leicht würden, aber so schwierige Partner gibt es selten – vorsichtig formuliert.“
Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz hielt sich mit der Kritik an Opel ebenfalls nicht zurück: „Es ist empörend, wie Opel mit den Beschäftigten vor Ort und in der Region umgeht. Die unverholen ausgesprochene Drohung, die Automobilproduktion in Bochum bereits Ende 2014 auslaufen zu lassen, konterkariert die Absicht gemeinsamer Verhandlungen über eine Zukunftsperspektive.“