Dortmunds Sportlerwahl 2015: Aufgeben ist für Christina Hammer kein Thema

DORTMUND Aufgeben ist für Christina Hammer kein Thema - weder im Ring noch außerhalb des Seilgevierts. Deswegen ist sie auch bereit, einen neuen Anlauf zu nehmen bei der Wahl zu Dortmunds Sportlerin des Jahres. Kaum eine ist so erfolgreich wie die 25-Jährige, die die Frauen-Boxszene im Mittelgewicht seit fünf Jahren dominiert.

 

Damals holte sie sich gegen Teresa Perozzi von den Bermudas ihren ersten von inzwischen vier Weltmeistergürteln, die die schlanke Taille der schlagkräftigen Kämpferin zieren. Neunmal hat sie die bisherigen Versuche ihrer Konkurrentinnen, ihr die „Schmuckstücke“ zu entreißen, erfolgreich abgewehrt.

"Hammer" - der Name ist Programm

Zuletzt im Mai gegen die starke US-Amerikanerin Kali Reis, die sie in zehn Runden einstimmig nach Punkten besiegte und damit auch im 18. Kampf ungeschlagen blieb. Fast die Hälfte davon, nämlich acht, gewann Christina Hammer, deren Name bei ihrer Schlagstärke sozusagen Programm ist, vorzeitig.

Allerdings hätte sie die Erfahrungen ihrer Gegnerinnen gegen Kali Reis fast teilen müssen, denn nach einer Unaufmerksamkeit ging die Dortmunderin erstmals in ihrer Karriere nach einem Wirkungstreffer in der zehnten und letzten Runde zu Boden.

"Habe die Lehren gezogen"

„Das war mein Fehler, ich habe eine Sekunde nicht aufgepasst. Aber dann habe ich gewusst, aufstehen und weiter geht’s“, erinnert sie sich an diese Szene. „Auch wenn man deutlich überlegen ist, muss man bis zur letzten Sekunde konzentriert sein. Das sind die Lehren, die ich daraus gezogen habe“, sagt Christina Hammer.

Momentan ist die Vierfach-Championesse allerdings mehr Trainings-Weltmeisterin, denn der Kampf gegen Reis blieb leider ihr einziger in diesem Jahr. Grund dafür sind unterschiedliche Auffassungen zwischen ihr und ihrem Management über die Gewichtsklasse, in der sie antreten soll.

Promoter fordert andere Gewichtsklasse

„Mein Promoter würde mich gerne in der 69-Kg-Klasse gegen Cecilia Breakhus sehen“, erzählt sie. Die Norwegerin kolumbianischer Abstammung ist momentan Weltmeisterin im Weltergewicht. „Sie ist auch eine sehr gute Kämpferin, die aus der 66-Kg-Klasse kommt. Wir würden uns dann sozusagen in der Mitte treffen“, erläutert Christina Hammer die Situation. 

„Aber das kommt für mich nicht infrage, weil das für mich absolut zu niedrig ist.“ Sie habe sowieso kaum Körperfettanteile. „Wenn ich dann noch drei oder vier Kilogramm weiter runtergehe, zerstört mich das absolut.“
Dass sie mit dieser Einschätzung vollkommen richtig liegt, zeigte auch ihr „Ausflug“ ins Halbmittelgewicht gegen Anne Sophie Mathis 2014. Der Fight um den vakanten WBO-Gürtel endete nach einer Disqualifikation der Französin ohne Wertung, zeigte aber deutlich, dass sich Christina Hammer in dieser Gewichtsklasse nicht wohlfühlt.

Bis Mai Bei SES unter Vertrag

„Wenn du kein Fett am Körper hast und abnehmen musst, kann das nur auf Kosten der Muskelmasse gehen“, hatte ihr Dortmunder Trainer Dimitri Kirnos schon damals erkannt. Doch da Aufgeben für sie kein Thema ist, liegt sie ihrem Management beim SES-Boxstall, bei dem sie noch bis Mai unter Vertrag steht, weiter in den Ohren, um einen nächsten WM-Kampf zu bekommen.

Und wenn man sie zur Jahreswende nach ihren boxerischen Wünschen für die Zukunft fragt, erfährt man, dass sie von den USA träumt. „Amerika bietet mir boxerisch gute Perspektiven“, sagt sie. Erst kürzlich war sie drüben und hat die Lage schon einmal sondiert. Und wenn sich Christina Hammer einmal etwas in den Kopf gesetzt hat, weiß man: Aufgeben ist für sie absolut kein Thema.