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Dortmunds Sportlerwahl 2015: BVB-Handballerinnen krönen Katastrophenjahr

DORTMUND Auch über ein halbes Jahr nach diesem ganz speziellen Tag Ende April sind die Minuten und Stunden nach dem Sieg in Allensbach, der Borussia Dortmunds Handballfrauen die Rückkehr in die 1. Bundesliga ebnete, noch total präsent. „So einen Abend habe ich zuvor noch nie erlebt“, schwärmt Kapitänin Sally Potocki.

 

Der Abpfiff nach dem 28:26 markierte den Beginn einer großen Aufstiegs-Sause. Mit einem Schlag löste sich die über Monate hinweg aufgestaute Anspannung. Und dann war da nur noch große Erleichterung, pure Freude – und immer mehr auch Stolz. Die BVB-Frauen waren ihrer Favoritenrolle gerecht geworden, doch so simpel war das Fazit nach einer langen, beschwerlichen Saison nicht.

Nie dagewesenes Verletzungspech

Nie zuvor in ihrer Trainerkarriere, gab Ildiko Barna zu, sei ein von ihr betreutes Team so vom Verletzungspech gebeutelt gewesen – umso höher war am Ende das Erreichen des zu Saisonbeginn ausgegebenen Ziels zu bewerten.

In der Hinrunde nämlich jagte eine Hiobsbotschaft die nächste. Beinahe im Wochenrhythmus brachen dem BVB Spielerinnen verletzt weg – und nahezu alle mit Blessuren, die gleich das Saisonaus bedeuteten. Die Neuzugänge Virag Vaszari, Nelly Kovacikova und Dora Friedrich, Frederike Lütz, später auch noch Carolin Schmele – sie alle standen mit langwierigen Knieverletzungen nicht mehr zur Verfügung.

"Alles hat sich gegen uns verschworen"

Am nachhaltigsten war der Schock dann bei der Kreuzbandverletzung von Penda Maria Bönighausen – die ob der großen Personalprobleme nachverpflichtete Rückraumspielerin verletzte sich in ihrem ersten Spiel für die Borussia – gleich in ihrer ersten Aktion. „Da“, erinnert sich Sportleiter Jochen Busch, „hatten wir tatsächlich das Gefühl, alles hätte sich gegen uns verschworen.“

Dem BVB gelang es, nahezu jeden Ausfall adäquat zu ersetzen. Damit war aber nicht das Problem gelöst, dass da Spielerinnen zusammen auf dem Parkett standen, die nicht eingespielt waren, die erst zusammenwachsen mussten. Und die dennoch jedes Spiel gewinnen mussten.

Jetzt-erst-recht-Mentalität

In dieser speziellen Konstellation entstand ein ganz besonderes Miteinander, es erwuchs eine Jetzt-erst-recht-Mentalität, die diese Gruppe zu einer besonderen machte. Auch deshalb erlebten alle den Aufstieg als ganz besonderes Erlebnis.

Und als endlich Klarheit herrschte, konnte die sportliche Führung die konkreten Planungen für die Rückkehr in die Bundesliga angehen – dabei war von vornherein klar, dass der BVB ein Team stellen wollte, das Qualität genug haben sollte, um nicht „nur“ um den reinen Klassenerhalt zu spielen. In Clara Woltering, Nadja Nadgornaja und Anne Müller wurden dann auch drei Spielerinnen mit Nationalmannschafts-Erfahrung verpflichtet.

Erwartungen in Liga eins voll erfüllt

Bis zur WM-Pause Ende November hat die neue Mannschaft die Erwartungen voll erfüllt. In der Liga verkaufte man sich auch gegen etablierte Größen wie Leipzig, den Thüringer HC und Oldenburg ordentlich, im Pokal gelangen gegen die Favoriten Buxtehude und Bietigheim mitreißende Siege. Auch das neue Team präsentiert sich als große Einheit, frei von Neidereien.

Abseits des Sports versucht die Abteilung, auch strukturell zu wachsen. Eine neue Halle steht ganz oben auf der Prioritäten-Liste, sie ist eine Grundbedingung für die behutsame Weiterentwicklung. Die Realisierung gestaltet sich aber schwierig.