Dortmunds Sportlerwahl 2015: Bornemann ist Deutschlands schnellster Surfer

DORTMUND Schneller sein als andere ist sein Ziel. Christian Bornemann sucht den Rausch der Geschwindigkeit. Früher im, heute auf dem Wasser – beim Windsurfen. In diesem Jahr hat er fast alles einem Ziel untergeordnet: Den deutschen Rekord über die 500 Meter zu knacken. Jetzt stellt er sich der Wahl zu Dortmunds Sportler des Jahres.

 

Fast vier Wochen ist Christian Bornemann in Namibia, um sich seinen Traum zu erfüllen – die 500 Meter mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 50 Knoten zu fahren. Es läuft zunächst nicht so, wie er sich das vorstellt. Am 31. Oktober geht er nochmal ins Wasser, es ist der vorletzte Tag seiner Reise zur Lüderitz Speed Challenge, dem jährlichen Geschwindigkeits-Wettbewerb für Kite- und Windsurfer im Südwesten Afrikas.

Vor dem Start im Wasser...

...ist Bornemann angespannt: „Man hat schon Zweifel, ob sich der ganze Einsatz gelohnt hat.“ Der Zahnarzt , der seine Praxis für sein Hobby gelegentlich früher verlässt, um nach Holland ans Meer zu fahren und zu üben, denkt an die Entbehrungen, an die unzähligen Stunden im Kraftraum, joggend und auf dem Wackelbrett für die richtige Balance. Dann wuchtet er seine 1,89 Meter aufs Brett, richtet sein Segel aus und spürt den ersten Windstoß.

Schon in der Kurve...

...merkt Bornemann, dass er bis zum Start der Messung auf der langen Geraden gut Tempo aufnehmen kann. Als er an den Messgeräten vorbeifährt, weiß Bornemann: „Das ist der perfekte Moment.“ Aber auf den folgenden 500 Metern kann immer noch viel schief gehen.

Nach 200 Metern...

...ist die erste gute Böe weg. Jetzt ist ein entscheidender Moment. „Wann kommt die nächste Böe? Schaffe ich es, das Segel richtig auszurichten und die Geschwindigkeit beizuhalten?“, denkt Bornemann. Und er hat Glück. Die nächste Böe kommt sofort, er macht keinen Fehler. In einer Sekunde fliegt Bornemann 25 Meter übers Wasser.

Er muss das Surfboard möglichst flach auf dem Wasser halten. Jede Neigung bedeutet Geschwindigkeitsverlust. Er fährt nah am Ufer, wo das Wasser weniger Wellen schlägt. Die Gefahr eines Sturzes ist dort größer, Bornemann geht aber nicht zum Äußersten. Er lehnt sich quer über das Wasser, hält das Segel perfekt in den Wind und rast mit hohem Tempo durch den Kanal.

Kurz vor dem Ziel...

...muss Bornemann eine wichtige Entscheidung treffen. „Wie viel Risiko will ich gehen“, fragt sich der 50-Jährige. Denn er weiß, dass er mit sehr hohem Tempo unterwegs ist. Aber er weiß auch, dass der Kanal nach der Ziellinie nicht mehr viel weiter geht und er Gefahr läuft, vor dem Ufer nicht mehr halten zu können und zu stürzen.

Es ist nicht so, als wenn das noch nie passiert wäre. „Ich habe mir bei einigen Stürzen schon Knochen gebrochen. Aber man trägt auch eine Schutzweste, die Rippen und Schlüsselbein vor Schlimmerem bewahren soll.“ Er will es jetzt schaffen. Hängt seine 93 Kilogramm und die 15 Kilo schwere Bleiweste, die er trägt, um das Segel ruhiger zu halten, in den Wind.

Nach dem Rennen...

...erfährt Bornemann das Ergebnis noch im Wasser: Er hat die 50-Knoten-Schallmauer durchbrochen, 50,2 Knoten Durchschnittsgeschwindigkeit sind neuer Deutscher Rekord. Die Freude platzt aus ihm heraus. Der sonst so ruhige Dortmunder schlägt aufs Wasser, lacht. „Ein überwältigendes Gefühl! Ein Traum ist in Erfüllung gegangen“. Was jetzt noch kommen kann? „Nicht mehr viel. Der Weltrekord ist nicht erreichbar für mich. Jetzt fahre ich nur noch zum Spaß“.

Er hat seinen perfekten Moment gehabt in diesem Jahr. Und er war zur Stelle. Denn: „Beim Windsurfen gibt es viele perfekte Momente an einem Tag. Wo der Wind passt und aus der richtigen Richtung mit der richtigen Stärke kommt und das Wasser ruhig ist. Aber man steht dann meistens nicht auf dem Brett – oder man macht einen Fehler.“