Lade Login-Box.

Dortmunds Sportlerwahl 2015: Wheelchair-Skater Lebuser ist Träumer und Realist

DORTMUND International erfolgreicher Sportler, Pionier der Skater-Szene, Berater im Kinder-Sanitätshaus, ehrenamtlicher Funktionär, Workshopleiter und Liebhaber von Punkmusik – dieser Ausnahmesportler ist so facettenreich wie engagiert und doch absolut bodenständig: Wheelchair-Skater David Lebuser.

 

Der 29-jährige Dortmunder, geboren in Frankfurt an der Oder, lebt und liebt seinen Sport WCMX-Chairskaten – und er bewegt damit mehr, als man vermutet. Dabei gibt er sich sehr bescheiden, vor allem auf die Frage der Vorreiterfunktion als „WCMX-Pionier“ in Deutschland (WCMX oder WheelchairMX ist die Bezeichnung für den Sport, bei dem sich Rollstuhlfahrer im Skatepark, ähnlich wie BMXer oder Skateboarder, bewegen).

Vorreiter-Rolle

„Nun ja, ich war halt der Erste, der bundesweit diese Sportart gemacht und sie gefördert hat“, so Lebuser. Er hat seine Vorbilder aus den USA zum Anlass genommen, eigene Workshops und Trainingseinheiten anzubieten, er hat mit dem Deutschen Rollstuhl-Sportverband eine bundesweite Actionsportgruppe ins Leben gerufen. Bis dato waren es nur wenige, die ihrer Leidenschaft zum Extremen nachgegangen sind. Aber seit Aaron „Wheelz“ Fotheringham oder Blake Simp-son durch ihre Rollstuhl-Backflips via Internet weltweit bekannt geworden sind, wird der Extremsport auch bei jungen Rollstuhlnutzern beliebter.

Lebusers Sportjahr 2015 ist durch Wettbewerbe, Reisen und die zahlreichen Workshops zeitintensiver gewesen, als er sich das vorgestellt hatte. „Nach meinem Erfolg als Weltmeister 2014 und dem 3. Platz 2015 möchte ich mich wieder mehr auf das Skaten konzentrieren, vor allem um die Nachwuchsförderung“, erklärt Lebuser. Das nahm er zum Anlass, über seine WCMX-Skate-Workshops die besten deutschen Sportler dieser Sparte zu vereinen und bundesweit neue WCMX-Formate zu entwickeln.

Schnittstellen zwischen Hobby und Beruf

„Es wäre wünschenswert, wenn das Bild eines Rollstuhlfahrers im Skatepark Normalität wird“, unterstreicht er. Das Herz schlägt allerdings für Dortmund, wo er seinen beruflichen Mittelpunkt gefunden hat. Der gelernte Informatikkaufmann hielt genau diesen Job für langweilig und ist über seine Sportart letztendlich beim Kinder-Sanitätshaus „4ma3ma“ in der Nordstadt gelandet. Anfänglich konnte er sich nicht vorstellen, dass Hobby und Beruf so viele Schnittstellen aufweisen, doch mittlerweile sind beide für ihn nicht mehr wegzudenken und einige sieht er sowohl im Job als auch im Skatepark. 

Dennoch bleibt der Traum, seinen Sport als Profi auszuüben und sogar davon leben zu können. Bei diesem Gedanken hält er kurz inne und lacht: „Ich träume gerne, weil einige der Träume seit meinem Unfall schon wahr geworden sind und es unvorstellbar ist, was in den letzten fünf Jahren alles passiert ist.“ Damit meint er neben dem Sport und seinen Erfolgen auch die Reisen in die USA, Dänemark, Spanien oder Frankreich – und vor allem den Aufbau der WCMX-Szene im Bundesgebiet.

Junge Leute begeistern

Doch der Träumer ist auch Realist. Lebuser will mehr Leute, vor allem junge, für den Sport begeistern. „Konkurrenz motiviert ungemein!“, hält er fest und will 2016 vermehrt für sich trainieren, das ist zuletzt zu kurz gekommen. Die Kombination aus Wettkampf und Workshops (ab Februar jeden zweiten Samstag, 13 bis 15 Uhr, Skatehalle am DKH) gehört genauso zu den Zielen 2016 wie Ideen zu einer Deutschen- oder Europameisterschaft.

Der Sport soll 2016 im Vordergrund stehen – vor allem die WM Ende April in den USA. Angemeldet und gesetzt ist er, zusammen mit seiner Freundin Lisa Schmidt, die bei den Frauen antritt. „Allerdings ist hier ohne Sponsoren die Finanzierung unsicher“, hält er fest. Doch er bleibt optimistisch und ist hochmotiviert, dass 2016 ein gutes für seinen heißgeliebten WCMX-Sport und alle Mitstreiter wird.