Montag, 22. März 2010
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Tamas Hajnal im Interview
Meine Heimat, meine Ziele, mein Spiel
Von Sascha Fligge
DORTMUND Borussias Fans betrachten ihn als arbeitenden Künstler - er selbst ist ein Suchender. Immer auf der Jagd nach der perfekten Symbiose aus defensiver Inbrunst und offensiver Genialität: Tamas Hajnal (28), Borussia Dortmunds Regisseur.

1. Bundesliga 26.08.09: Tamas Hajnal (BVB)
Tamas Hajnal beim Fotoshooting im Stadion.
Foto: DeFodi.de
Herr Hajnal, wie viele Spieler aus der Startelf der ungarischen 54er-WM-Finalmannschaft bekommen Sie zusammen?
Tamas Hajnal: Grosics, Buzanszki, Lantos, Bozsik, Lorant, Zakarias, Puskas, Hidegkuti, Czibor, Toth. Fehlt einer?

Nur Kocsis, Wahnsinn.
Hajnal: Ach, so ein Mist.

Warum hat Ungarn irgendwann den Anschluss an die Weltspitze verloren?
Hajnal: Bis zur Mitte der 80er-Jahre gehörten wir als kleines Land eigentlich dazu. 1986 waren wir zum letzten Mal bei der WM dabei, auch im UEFACup waren unsere Klubs gut vertreten. Danach ist die Entwicklung des modernen Fußballs aber ehrlich gesagt an uns vorbei gegangen. Die Mentalität änderte sich. Alles wurde athletischer, aber wir Ungarn waren es gewohnt, eher über den Faktor Technik zu kommen. Vielleicht hatten wir nicht die geeigneten Trainer, und es wurde versäumt, Leistungszentren für die Jugend zu bauen.

Angesichts dieser Versäumnisse muss es ja ein Wunder sein, dass Sie den Sprung in eine europäische Top-Liga geschafft haben.
Hajnal: Nein, ich habe mit 16 Jahren schon in der ersten Liga gespielt und bin dann direkt weg nach Deutschland. Der Reiz war so unendlich groß. Dortmund hatte gerade die Champions League gewonnen, Schalke den UEFA-Cup, ein Jahr zuvor hatten die Deutschen in England den Europameister-Titel geholt. Mich hat die Mentalität der Deutschen fasziniert. Ich habe die Entscheidung getroffen, mir diese auch anzueignen.

Wir hatten diese Mentalitäts-Geschichte bisher immer für eine Phrase gehalten.
Hajnal: Es ist aber keine. Ihr Deutschen glaubt an Euch selbst. Bis zur letzten Minute. Ihr gebt Spiel für Spiel alles. Wie viele Partien habt ihr kurz vor dem Schlusspfi ff entschieden, nur weil dieses Selbstbewusstsein da war? Wissen Sie, ich war immer schon ein sehr fleißiger Mensch, habe viel von mir verlangt. Das war von Anfang an in mir. Aber in Deutschland ist das alles vielleicht noch ein bisschen stärker zum Vorschein gekommen.

Die Ungarn sind womöglich das einzige Volk, das Lothar Matthäus als Trainer etwas Gutes abgewinnen kann. Wie denken Sie über ihn?
Hajnal: Ich finde es sehr unfair, wie er in Deutschland behandelt wird. Ich habe Matthäus als ungarischen Coach kennen lernen dürfen. Er ist ein Mann, der für den Fußball lebt, er sagt immer seine Meinung. Vielleicht passt das vielen Leuten nicht. Als Spieler haben die Deutschen ihn vergöttert, als Trainer genießt er bei uns aber eine viel höhere Wertschätzung als hier. Dabei steht eines doch fest: Alleine schon wegen seiner Erfolge und seiner wahnsinnigen Persönlichkeit wirst du als Profi immer in Ehrfurcht vor Matthäus stehen und ihm zuhören. Das kann ja nicht nur für die Ungarn gelten.

Was hat er bewirkt?
Hajnal: Matthäus war ein Türöffner. Früher hat unser Nationalteam ständig gegen Slowenien oder Weißrussland gespielt, plötzlich durften wir gegen Brasilien und Italien ran. Er hat für Professionalität gesorgt. Spieler wie Szabolcs Huszti (Zenit St. Petersburg, d. Red.) oder ich wurden unter seiner Leitung erstmals nominiert. Matthäus hat den Mut gehabt, jungen Spielern eine Chance zu geben.
 
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