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| Heiko Herrlich, heute Trainer des VfL Bochum, schoss im Weltpokalfinale 1997 das entscheidene 2:0 für Borussia Dortmund. |
Sportlich blickten die Dortmunder Vereinsverantwortlichen an diesem Abend des 2. Dezember 1997 versöhnlich drein.
Gut sechs Monate nach dem Triumph von München, dem Sieg in der Champions League über Juventus Turin, sorgte der Prestige-Erfolg im interkontinentalen Vergleich mit dem Südamerika-Meister für ein wenig Licht in einer bis dahin trübe verlaufenen Saison.
Der mittlerweile verstorbene BVB-Vize Ernst Breer frohlockte gar: „Demnächst spielen wir um den intergalaktischen Titel.“
Auf dem Rasen war Borussia Dortmund von galaktischem Fußball allerdings zu oft weit entfernt. Der BVB hatte den Trainerwechsel von Meister-Coach Ottmar Hitzfeld zum grummeligen Italiener Nevio Scala hinter sich.
Jener Scala, der nicht ins Ruhrgebiet zu passen schien und in der Bundesliga bis zu diesem Tag schon sechs Niederlagen zu verdauen hatte, der zwischenzeitlich mit dem BVB auf Rang 16 abgesackt war und die Hinrunde gerade auf Rang elf beendet hatte – was angesichts des hohen Anspruchsdenkens im Vorstand und Vereinsumfeld nicht annähernd in der Nähe der Zielvorgaben lag.
Da passte eine Reise nach Japan, die den Charakter einer Vergnügungstour angesichts des geringen sportlichen Werts nicht leugnen konnte, den wenigsten Spielern, und auch nicht dem schon in der Kritik stehenden Trainer in den Kram. Und auch Michael Meier, der allmächtige Manager, wetterte: „Es kann doch nicht sein, dass wir für so eine Begegnung lediglich 500.000 DM erhalten.“
Der Werbewert dieses Spiels war ohnehin begrenzt, aufgrund der Zeitverschiebung fand die Partie dazu um die Mittagszeit statt – an einem Dienstag, an dem die meisten arbeiten mussten. Dementsprechend klagte das geschäftsführende Vorstandsmitglied: „Sollten wir inklusive der TV-Übertragung auf eine Million Mark kommen, schlagen wir uns doch schon auf die Schenkel.“
Abends an der Bar, im Tokioter Hotel, aber war die Stimmung entspannt und locker. Es wurde gefeiert. Auch Scala wirkte nach dem 2:0 gelöst und hatte die Stimme seines Bruders im Ohr, der ihm vor dem Spiel telefonisch versichert hatte: „Wenn Du dieses Spiel gewinnst, ist die ganze Saison gerettet.“ Was dann auch zutreffen sollte, ehe der Italiener nach nur einer Saison nicht ganz freiwillig doch den Hut nehmen musste.
Auch die Mannschaft hatte Gefallen gefunden an der Reise. „Unser Präsident“, erzählte Stürmer Heiko Herrlich von einer Rede Dr. Gerd Niebaums, „hat uns erklärt, dass wir praktisch Weltmeister der Vereinsmannschaften werden können.“
Ein Satz nur, der als Motivationsspritze offenbar reichte. Herrlich war es auch, der mit seinem Tor zum 2:0 die Entscheidung herbeiführte in einer Partie, in der sich der Kulturschock des Eintritts in eine fremde Welt für den BVB fortsetzte.
Kulturschock bei der Anreise
Angekommen in Tokio, stöhnte Borussia Dortmund ob des unglaublichen Lärms in der Stadt, der völlig chaotischen Verkehrsbedingungen, die dazu führten, dass die Anreise zur ersten Trainingseinheit zwei Stunden betrug und der die zweite Einheit dann zum Opfer fiel.
Auf dem Spielfeld staunte der BVB, wie still 55.000 Zuschauer sein können. „Man hatte den Eindruck“, erzählte Verteidiger Martin Kree später, „man wäre bei einem Klavierkonzert.“ Die gebotene Zurückhaltung auf den Rängen war in der 34. Minute erstmals ernsthaft gefährdet, als Michael Zorc per Abstauber den BVB in Führung brachte.
Ein Tor, das den Dortmunder Gegner zu wütenden Angriffen herausforderte, die aber allesamt spätestens bei Torhüter Stefan Klos endeten. „Stoffel“ wurde regelrecht warm geschossen und Abwehrmann Steffen Freund merkte nach dem Spiel süffisant an: „Der Fußball ist gerecht.“
Eine Anspielung darauf, dass Belo Horizonte extra für dieses Spiel den Brasilianer Bebeto verpflichtet hatte, einen einstigen Dortmunder Wunschspieler, der dann aber in den 90 Minuten deutlich im Schatten der Dortmunder Mittelfeld- Strategen Andreas Möller und Paulo Sousa stand.
Einen Tag und einen weiteren Langstreckenflug später hatte die Realität den BVB wieder. Es war eine triste Rückkehr. Bei der Landung in Frankfurt war die Ankunftshalle menschenleer, auch in Dortmund in einer kalten und verschneiten Nacht wartete vor dem heutigen Signal Iduna Park kaum ein Fan, als die Mannschaft müde und geschlaucht aus dem Bus stieg.
Das Gefühl, Großes geleistet zu haben, wollte da nicht so recht aufkommen. Dabei war der BVB endgültig in einen elitären Kreis aufgestiegen, stand auf einer Stufe mit Real Madrid oder dem AC Mailand, der bis zum Ende dieses Wettbewerbs im Jahr 2004 die erfolgreichste Mannschaft mit drei Siegen bei sieben Teilnahmen bleiben sollte.
In Deutschland wurde Borussia Dortmund in einem Atemzug mit den großen Bayern genannt, die diesen Pokal 1976 gewonnen hatten und 2001 einen weiteren Triumph folgen lassen sollten.
Zurück in die Realität
Doch die Rückrunde der Bundesliga und die ernüchternde Realität ließen den Glanz des Weltpokal-Siegs schnell verblassen. Der BVB beendete die Saison auf Rang zehn weit hinter den Erwartungen, Scala wurde zur Demission gedrängt. Michael Skibbe
übernahm.
Den Dortmunder Briefkopf aber wird dieser Sieg auf ewig zieren. Und Jörg Heinrich, ohnehin einer der Spieler, die in ihrer Karriere
auch hinter die Kulissen blickten, schätzte die Bedeutung des 2:0 von Tokio richtig ein:
„Ein Klub wie Manchester United“, meinte er, „würde ein Vermögen ausgeben, um diesen Erfolg zu erringen.“ ManU gelang dieses Kunststück erst zwei Jahre nach dem BVB.
Zahlen und Fakten:
Weltpokalfinale 1997
2. Dezember 1997,
Olympiastadion Tokio
Borussia Dortmund – Cruzeiro Belo
Horizonte 2:0 (1:0)
BVB: Klos – Feiersinger, Reuter,
Cesar, Heinrich – Lambert, Sousa,
Möller, Zorc (80. Kirovski) – Herrlich,
Chapuisat (75. Decheiver)
Trainer: Nevio Scala
Tore: 1:0 Zorc (34.), 2:0 Herrlich
(85.)
Zuschauer: 55000
Ein Tor, das den Dortmunder Gegner zu wütenden Angriffen herausforderte, die aber allesamt spätestens bei Torhüter Stefan Klos endeten. „Stoffel“ wurde regelrecht warm geschossen und Abwehrmann Steffen Freund merkte nach dem Spiel süffisant an: „Der Fußball ist gerecht.“
Eine Anspielung darauf, dass Belo Horizonte extra für dieses Spiel den Brasilianer Bebeto verpflichtet hatte, einen einstigen Dortmunder Wunschspieler, der dann aber in den 90 Minuten deutlich im Schatten der Dortmunder Mittelfeld- Strategen Andreas Möller und Paulo Sousa stand.
Einen Tag und einen weiteren Langstreckenflug später hatte die Realität den BVB wieder. Es war eine triste Rückkehr. Bei der Landung in Frankfurt war die Ankunftshalle menschenleer, auch in Dortmund in einer kalten und verschneiten Nacht wartete vor dem heutigen Signal Iduna Park kaum ein Fan, als die Mannschaft müde und geschlaucht aus dem Bus stieg.
Das Gefühl, Großes geleistet zu haben, wollte da nicht so recht aufkommen. Dabei war der BVB endgültig in einen elitären Kreis aufgestiegen, stand auf einer Stufe mit Real Madrid oder dem AC Mailand, der bis zum Ende dieses Wettbewerbs im Jahr 2004 die erfolgreichste Mannschaft mit drei Siegen bei sieben Teilnahmen bleiben sollte.
In Deutschland wurde Borussia Dortmund in einem Atemzug mit den großen Bayern genannt, die diesen Pokal 1976 gewonnen hatten und 2001 einen weiteren Triumph folgen lassen sollten.
Zurück in die Realität
Doch die Rückrunde der Bundesliga und die ernüchternde Realität ließen den Glanz des Weltpokal-Siegs schnell verblassen. Der BVB beendete die Saison auf Rang zehn weit hinter den Erwartungen, Scala wurde zur Demission gedrängt. Michael Skibbe
übernahm.
Den Dortmunder Briefkopf aber wird dieser Sieg auf ewig zieren. Und Jörg Heinrich, ohnehin einer der Spieler, die in ihrer Karriere
auch hinter die Kulissen blickten, schätzte die Bedeutung des 2:0 von Tokio richtig ein:
„Ein Klub wie Manchester United“, meinte er, „würde ein Vermögen ausgeben, um diesen Erfolg zu erringen.“ ManU gelang dieses Kunststück erst zwei Jahre nach dem BVB.
Zahlen und Fakten:
Weltpokalfinale 1997
2. Dezember 1997,
Olympiastadion Tokio
Borussia Dortmund – Cruzeiro Belo
Horizonte 2:0 (1:0)
BVB: Klos – Feiersinger, Reuter,
Cesar, Heinrich – Lambert, Sousa,
Möller, Zorc (80. Kirovski) – Herrlich,
Chapuisat (75. Decheiver)
Trainer: Nevio Scala
Tore: 1:0 Zorc (34.), 2:0 Herrlich
(85.)
Zuschauer: 55000
- Der Weltpokalsieger wurde zwischen 1960 und 2004 in insgesamt 43 Endspielen ermittelt.
- Qualifiziert waren der Champions League-Sieger (früher Sieger im Europapokal der Landesmeister) und der Sieger der Copa Libertadores, der Südamerika-Meisterschaft.
- Von den 43 Endspielen gewannen die europäischen Vertreter 21
- Nur drei Mal siegten deutsche Mannschaften: Bayern München (1976 und 2001) sowie Borussia Dortmund (1997).
- Der AC Mailand ist mit drei Siegen und sieben Teilnahmen die erfolgreichste Vereinsmannschaft in diesem Wettbewerb.
- Das letzte Finale gewann am 12. Dezember 2004 der FC Porto gegen den kolumbianischen Klub Once Caldas (8:7 n. Elfmeterschießen).









