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21.02.2013 07:45 Uhr
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Unterschiedliche Verhältnisse: Vergleich: Berichterstattung bei Chelsea und dem BVB

DORTMUND Simon Johnson ist Chefreporter des Evening Standard in London und berichtet seit 13 Jahren über den FC Chelsea. Jetzt war er in Dortmund, sprach mit Trainer, Manager und anderen Verantwortlichen. Für uns vergleicht er beide Vereine. Teil 2: Die Medien.Von Simon Johnson

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Sebastian Kehl läuft (nicht nur) für die Kamera ... und hat offenbar Spaß dabei. (DeFodi)

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Es war ein seltenes Glück für mich, als ich bei meinem Besuch in Dortmund die Gelegenheit bekam, Einzelgespräche mit führenden Verantwortlichen der Borussia zu führen. Natürlich muss man als Journalist immer im Hinterkopf behalten, dass einem eine Freundlichkeits-Offensive nicht einfach so entgegenschlägt. Das Gegenüber hofft auf einen positiven Bericht – und will deshalb den bestmöglichen Eindruck hinterlassen. Dennoch fühlte es sich in Dortmund besonders an, wie man mich behandelte. In all den Jahren, in denen ich über Chelsea berichte, ist mir eine vergleichbare Behandlung noch nie widerfahren, und das liegt nicht an mir persönlich. Nur ganz selten haben Medienvertreter beim FC Chelsea die Möglichkeit, mit jemandem aus der Geschäftsführung zu sprechen. Der Zugang zu dieser Ebene ist extrem eingeschränkt und macht einem Journalisten das Leben schwer.

Kaum Spieler-Interviews

Doch auch der Trainer ist nicht beliebig erreichbar. In Chelsea gibt es am Tag vor einem Spiel eine Pressekonferenz, außerdem besteht nach dem Abpfiff die Möglichkeit, ein paar Fragen in großer Runde zu stellen. Jedes Gespräch außerhalb dieses Rahmens ist nicht etwa die Regel, sondern eine absolute Ausnahme – die im Arbeitsalltag praktisch nie vorkommt.

Um mit einem Spieler zu sprechen, muss man ebenfalls einen Glückstag erwischen. Es gibt keine Mixed-Zone wie in Deutschland, stattdessen werden einige Pressevertreter aus dem großen Pulk ausgewählt. Sie dürfen einem Spieler ihre Fragen stellen – und müssen die Zitate anschließend mit ihren wartenden Kollegen teilen. Das ist der Idealfall, der nur bei Siegen eintritt. Bei Unentschieden oder Niederlagen möchte fast nie jemand reden – und muss es auch nicht, weil die Presse ohnehin nicht an sie herankommt. Maximal zweimal im Jahr bekomme ich ein EinzelInterview. Auch das ist nicht wirklich befriedigend.

Wenn Sie meine Schilderung so lesen, können Sie vielleicht nachvollziehen, warum ich auf meine deutschen Kollegen ein klitzekleines bisschen eifersüchtig bin. Als ich in Dortmund weilte, durfte ich beim Training zusehen, mit Spielern sprechen, den Trainer interviewen und nach dem Spiel die Vorzüge einer funktionierenden Mixed-Zone genießen. In Dortmund ist das die Regel – ganz anders als bei mir in London.

Kooperationsbereite Spieler in Deutschland

Als ich Neven Subotic zu einem Gespräch traf, wurde mir sofort klar, dass die Spieler die Medienarbeit als Teil ihres Jobs betrachten, nicht als notwendiges Übel. Ein grundsätzliches Misstrauen, wie es in England auf beiden Seiten vorherrscht, konnte ich beim BVB nicht feststellen.

Subotic erklärte mir die Gründe. „Medien und Spieler arbeiten Hand in Hand“, sagte der Verteidiger, „es ist schlimm, wenn in den Nachrichten Dinge über das Team berichtet werden, die nicht stimmen. Wir können unsere Fans über die Medien wissen lassen, was bei uns so los ist.“ Subotic kann das Interesse der Menschen nachvollziehen. Mir sagte er, ihm gehe es beispielsweise bei Musikern, die er gerne hört, ähnlich. „Wenn man in der Öffentlichkeit steht, wollen die Leute wissen, was los ist. Das kann ich gut verstehen.“
 
Die Spieler in England sehen das Ganze ein wenig anders. Die Vereine – Chelsea ist damit nicht allein – wollen genau kontrollieren, was wann von wem wo gesagt wird. Die Fans sollen sich auf das verlassen, was die Klubs auf ihren eigenen Medienkanälen verkünden – alles Weitere ist unwichtig. Mit Interesse habe ich deshalb verfolgt, wie bereitwillig Rafael van der Vaart nach dem Sieg in Dortmund Interviews gab. Das erinnerte kaum an den van der Vaart, den ich bei Tottenham gesehen habe. Damals war es fast unmöglich, einen Ton aus ihm herauszubekommen – egal, wie das Spiel vorher gelaufen war.

20 Minuten mit Arnesen
 
In Dortmund traf ich auch mit BVB-Boss Hans-Joachim Watzke zusammen. Ähnliches wäre in Chelsea nur vorstellbar, wenn der Klub etwas verkünden möchte, was ihn gut dastehen lässt. Und selbst dann gibt es kein Einzel-Interview, sondern eine große Gesprächsgruppe. Chelseas Vorstandschef Ron Gourlay sprach etwa erst Tage nach dem Gewinn der Champions League im letzten Mai mit uns, können Sie sich das vorstellen? In schweren Zeiten sieht man ihn übrigens gar nicht …
 
Es sagt eine Menge aus, dass ich in Dortmund zum ersten Mal überhaupt mit Frank Arnesen gesprochen habe. Er war lange Technischer Direktor in Chelsea, bevor er zum HSV wechselte. Wir standen im Signal Iduna Park 20 Minuten zusammen und unterhielten uns. Das Beste war: Es stand kein Pressesprecher hinter ihm, der ihn von mir wegzerren oder mich am Fragenstellen hindern wollte. 
 
Aus dem Englischen übersetzt von Ralf Weihrauch
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