DORTMUND Dem BVB droht ein stürmischer Herbst. Vor 80.552 Zuschauern im ausverkauften Signal Iduna Park verlor Dortmund das Revierderby gegen den FC Schalke 04 mit 0:1 (0:1) und hat nun direkten Kontakt zur Abstiegszone der Bundesliga. Von Dirk Krampe
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Ins Straucheln geraten: Der Dortmunder Lucas Barrios und Rafinha vom FC Schalke 04 im Kampf um den Ball. (dpa)
Schalkes Fans skandierten „Die Nummer eins im Pott sind wir“ und feierten ihre Derbyhelden, die Dortmunder schlichen wie geprügelte Hunde vom Feld.
Für unschöne Szenen sorgten nach dem Schlusspfiff S04-Keeper Manuel Neuer, der zunächst Richtung Mittellinie und zu den Teamkollegen spurtete und sich dann jubelnd vor der Dortmunder Kurve aufbaute. Anschließend soll Neuer, er bestritt das vehement, BVB-Neuzugang Kevin Großkreutz einen Schlag mit dem Ellenbogen verpasst haben. Im Kabinengang spielten sich daraufhin tumultartige Szenen ab. Außerdem stahlen offenbar einige unverbesserliche königsblaue Anhänger aus einem Lagerraum im Signal Iduna Park eine Dortmund-Fahne und präsentierten diese nach Schlusspfiff. Die Polizei musste einschreiten.
Dortmund, mit der Pokal-Aufstellung von Karlsruhe, wirkte zu Beginn nervöser als der Gast. Felipe Santana leistete sich zwei leichtsinnige Abspiele, im Aufbau fehlte die Präzision, gegen die dicht und gut gestaffelte Schalker Defensive war zunächst kein Durchkommen. Das Derby lebte von der Spannung und intensiven Zweikämpfen – konstruktive Angriffe gab es in der Anfangsviertelstunde auf beiden Seiten nicht.
Barrios verpasst Führung
Lucas Barrios fiel die große Chance zum 1:0 aus dem Nichts vor die Füße: Stellungsfehler Höwedes, der Südamerikaner plötzlich im Fünf-Meter-Raum frei vor Schalke-Keeper Manuel Neuer – doch der rettete mit einem tollen Reflex (16.). Die Mega-Chance war der Auftakt zu deutlich mehr Zielstrebigkeit auf Seiten der Schwarz-Gelben, die sich Stück für Stück eine Feldüberlegenheit erspielten, angetrieben vom emsigen Tinga und einem sehr beweglichen Mohamed Zidan im Sturm.
Die Gäste, die Felix Magath mutig mit einer ganz jungen Mittelfeld-Achse (Schmitz – Kenia – Moritz) ins Derby geschickt hatte, gerieten zunehmend unter Druck. Und beinahe in Rückstand, als Höwedes schlampig per Kopf vor die Füße von Barrios klärte. Dessen Schuss klatschte abgefälscht an die Unterkante der Latte, von der Linie wieder an die Latte und in die Arme von Neuer (26.) – die x-te Wiederholung im Fernsehen belegte dann, dass der Ball die Linie wohl nicht in vollem Umfang überschritten hatte.
Die Großchance beflügelte Dortmund – Zidans Schuss ging über Neuers Tor, die Feldvorteile aber lagen nun eindeutig bei Schwarz-Gelb. Das Tor erzielte dennoch der Gast: Schneller Konter über Kenia, Pass auf Altintop, schnelle Flanke, Farfan schneller als Schmelzer – vergeblich reklamierte Dortmunds Linksverteidiger ein Foul des Peruaners (31.). Schmelzer: "Er hat klar gehalten."
Der Gegentreffer beschäftigte die Hausherren – und beeindruckte sie nachhaltig. Das Aufbauspiel nahm an Fehlerhaftigkeit wieder zu, die linke Seite mit Sahin und Schmelzer lag total brach. Wolfgang Starks Halbzeit-Pfiff gab den Dortmundern die Chance, sich neu zu sortieren.
Mit Elan aus der Pause
Mit viel Elan und frenetisch anfeuernden Fans drängte der BVB nach der Pause sofort auf den Ausgleich. Als Hajnal per Kopf im dritten Versuch (zuvor scheiterten Zidan und Tinga an Neuer) die Kugel ins Netz beförderte, stand Dortmunds Brasilianer aber klar im Abseits (48.). Stark sah auch dies richtig. Schalke, nach der Pause mit dem jungen Pliatsikas für Rafinha, sah sich nun erhöhtem Dortmunder Druck ausgesetzt. Und setzte seinerseits auf Konter über den im Vergleich zur Vorsaison nicht wiederzuerkennenden Farfan. Magath setzte dann früh, aber konsequent ein weiteres Zeichen und brachte den schnellen Vicente Sanchez (58.) als weiteren Konterstürmer.
BVB-Trainer Jürgen Klopp reagierte mit einem Doppelwechsel und setzte früh auf totale Offensive: Valdez und Großkreutz ersetzten Hummels und Barrios, der zwar an zwei entscheidenden Szenen beteiligt war, nicht aber die große Gefahr ausstrahlte wie noch in Karlsruhe. Während den Dortmunder Bemühungen im Powerplay weiter die Präzision und den Spielern (Barrios, Hajnal) unerklärlicherweise oft auch die Standfestigkeit fehlte, konterte Schalke über Farfan und Altintop immer gefährlich. Altintops Linksschuss (68.) nach Lupfer im Strafraum über Santana ging aber über das Tor.
Beide Trainer zogen ihre letzte Option. Klopp brachte mit Dimitar Rangelov einen weiteren Stürmer, das gellende Pfeifkonzert galt aber der Einwechslung von Gerald Asamoah, den bei Dortmunds Fans unbeliebtesten Schalker.
14 Minuten vor dem Ende hätte Schalke den Sack zumachen müssen: Der bärenstarke Christoph Moritz düpierte Außen Owomoyela, kluger Rückpass auf Sanchez, dessen Volleyschuss Roman Weidenfeller glänzend parierte. Im Nachschuss scheiterte auch noch Asamoah.
Der BVB versuchte es hingegen mit untauglichen Mitteln: die langen Bälle ins Sturmzentrum wurden zur sicheren Beute von S04-Abwehrchef Marcelo Bordon oder gerieten zu lang, die Flanken flogen ewig lang durch die Luft. Aufregung dann nur noch, als Asamoah gegen Schmelzer eine Tätlichkeit provozieren wollte – Stark behielt auch hier die Ruhe. Und die Gäste nahmen durch diese Aktion wieder wertvolle Minuten von der Uhr.
Die erste Gelbe Karte musste Stark erst eine Minute später gegen Zambrano nach Foul an Zidan zücken (82.) – eine Torchance resultierte für den BVB aber auch daraus nicht. Bei Dortmund dauerte alles schlichtweg ein wenig zu lange. Dass Neuer im Schalker Tor bis zum Ende der regulären Spielzeit keine Parade mehr zeigen musste, sprach für sich.
Auch die zwei Minuten Nachspielzeit, etwas zu gering bemessen, verstrichen. Am Ende verlor der BVB nicht nur das prestigeträchtige Derby – er befindet sich nach dem 0:1 ín unmittelbarer Nähe zu den Abstiegsplätzen. Trainer Jürgen Klopp gab zu: "Es ist keine angenehme Situation. Aber wir werden uns ihr stellen."