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Mai 2011: Dr. Reinhard Rauball überreicht seinem BVB (hier Mittelfeldstar Mario Götze) die Meisterschale. (Foto: imago)
Einer seiner sehnlichsten Wünsche, der nach einem Tag im engsten Familienkreis ganz ohne Telefon am Ohr, wird sich wohl nicht erfüllen lassen. Rauball macht nicht viel Aufhebens um seine Person, aber das ist inzwischen ein Alleinstellungsmerkmal. Der Rechtsanwalt, ein zutiefst eloquenter Mann des Ausgleichs, ist deutschlandweit seit Jahren einer der wichtigsten Ansprechpartner in Sachen Fußball. Sein Telefon wird auch am Sonntag nicht still stehen. Ihm bleibt nur die eine Chance: abschalten!
Der Jüngste von allen
„Ich fühle mich wie 42 oder 44 Jahre alt“, sagt der in Northeim geborene Rechtsanwalt: „Dieser Geburtstag ist für mich nichts Besonderes, er ist die Wiederholung eines Tages, den ich schon 65 Mal hinter mir habe.“
Im Sommer des Jahres 1979 wurde Reinhard Rauball zum jüngsten Präsidenten, den ein Fußball-Bundesligist je hatte. 32 Jahre alt war er damals, und die Dortmunder Fußball-Szene nannte ihn wegen seiner 166 Zentimeter Körperlänge „Der kleine Doktor“. Rauball trat damals noch regelmäßig für seinen Stammverein Eintracht Dortmund gegen den Ball und stimmte zu, den stolzen BVB wieder in die Erfolgsspur zu führen. In Udo Lattek verpflichtete er den damals renommiertesten Trainer der Szene. Ein Coup.
Glattes Terrain
Inzwischen ist Rauball zum dritten Mal Präsident des Klubs. Seine erste Amtszeit endete 1982, von 1984 bis 1986 hatte er in kniffliger Lage erneut die Regentschaft beim BVB inne, auf besonders glattes Terrain begab er sich allerdings 2004. Borussia Dortmund, Champions-League-Sieger von 1997 und durch anhaltenden Größenwahn in den Vorraum der Pathologie gewirtschaftet, hatte einen Schuldenberg in dreistelliger Millionenhöhe angehäuft und stand wirtschaftlich vor dem Kollaps.
Die Gläubiger drängten, die Insolvenz drohte, und wieder fragte sich Rauball, warum er dem Ruf der Hoffenden gefolgt war: „Die Entscheidungsfreiheit ist in einer solchen Situation stark eingeschränkt. Man will nicht irgendwann einmal hören: ‚Du hast uns im Stich gelassen.‘ Schließlich bin ich ja Borusse“, sagte er und meint rückblickend: „Damals wäre womöglich alles zusammengebrochen, wenn nur ein einziger wichtiger Schritt der falsche gewesen wäre.“
Großer Anteil am Meistermarsch
Gemeinsam mit Hans-Joachim Watzke ließ sich der Jurist auf die riskante Sanierung ein und hat schon dadurch – wie wir heute wissen – großen Anteil an Dortmunds Marsch vom Totenbett auf den Meisterthron. Als Präsident des Ligaverbandes überreichte er „seiner Borussia“ im Mai 2011 die Meisterschale. Und als Hunderttausende in den Straßen der Westfalenmetropole die Fußballhelden feierten, jubelte Rauball auf dem Meistertruck mit – ein Triumphzug in Schwarz und Gelb. „Reinhard Rauball ist ein Glücksfall für den BVB. Er hat sich nie gescheut, in schwierigsten Zeiten auf die Kapitänsbrücke zu kommen. Ich glaube, wir haben ihm mit unseren Erfolgen im Jahr 2011 das schönste Geburtstagsgeschenk gemacht“, betont Watzke.
In nicht so guter Erinnerung wie die Zeit beim BVB dürfte dem SPD-Mitglied sein Intermezzo als Justizminister-Kandidat von Nordrhein-Westfalen im Jahr 1999 haben. Neun Tage, nachdem der damalige Ministerpräsident Wolfgang Clement ihn öffentlich bestellt hatte, trat Rauball zurück. Vorgeworfen wurden ihm angeblich zweifelhafte Börsengeschäfte. „Diese neun Tage waren viel zu lang“, meint Rauball: „Über Strafanzeigen wurde berichtet. Dass diese eingestellt worden sind, war dagegen nirgendwo zu lesen.“
Gewalt auf der Agenda
Die Spitzen der Politik wird Rauball auch im Jahr 2012 häufig treffen. Spätestens während der Europameisterschaft in Polen und der Ukraine – vielleicht ja sogar im Finale, das dem aufstrebenden deutschen Fußball (Rauball: „Wir könnten theoretisch zwei Mannschaften zur EM schicken, die beide gut mitspielen würden“) zu neuem Glanz verhelfen soll.
Bis dahin wartet allerdings noch viel Arbeit auf den Jubilar. „Das Thema Gewalt steht ganz oben auf der Agenda“, sagt Rauball.
„Die Gewalt hat im Fußball einmal eine minimale Rolle gespielt, da müssen wir wieder hinkommen.“ Von großer Bedeutung für die 36 Klubs der Deutschen Fußball Liga (DFL) wird auch der Poker um TV-Gelder für die Spielzeiten 2013/14 bis 2016/17 sein. Rauball unterstreicht: „Das ist die finanzielle Basis der Liga-Vereine“.
Keine halben Sachen
Der doppelte Präsident, in beiden Ämtern jeweils bis 2013 gewählt, wird sich in alle Zukunftsthemen einbringen. Sicher mit 100 Prozent Tatkraft. Halbe Sachen macht dieser Dr. Reinhard Rauball nämlich nicht.