Interview mit Wolfgang Kleff: Gladbachs Torhüter-Ikone über Dortmund, ein 12:0 und seine Gesundheit
DORTMUND Als Borussia Mönchengladbach in den 70er-Jahren seine größten Erfolge feierte, stand er im Tor: Wolfgang Kleff (63). Als Aktiver gewann Kleff vier Meisterschaften (1970, 1971, 1975, 1976), den DFB-Pokal (1973) und den UEFA-Pokal (1975). RN-Redakteur Constantin Blaß sprach mit dem gebürtigen Schwerter vor dem Duell Borussia gegen Borussia.
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Wolfgang Kleff geht es gesundheitlich wieder besser. (Foto: imago)
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Herr Kleff, das wichtigste vorweg: Wie geht es Ihnen?
Wolfgang Kleff: Vor einem Jahr hätte ich gesagt: richtig schlecht. Ich hatte große gesundheitliche Probleme. Meine Herztätigkeit betrug nur noch schlappe 21 Prozent des Normalwertes. Es schlug quasi gar nicht, es flackerte nur noch. Erst ein Schlaganfall, dann hatte auch noch ein Virus das Herz in Mitleidenschaft gezogen.
Und jetzt?
Kleff: Man hat mich wieder hergestellt. Allen voran Professor Maisch in Marburg. Er hat mit dafür gesorgt, dass ich noch lebe. Meine Herztätigkeit liegt jetzt immerhin wieder bei über 40 Prozent. Ein implantierter Defibrillator gibt ab und zu Impulse, falls es kritisch wird. Aber ich will nicht jammern. Ich muss damit leben, bin aber jeden Tag froh, dass mich der liebe Gott damals noch nicht wollte.
Stehen Sie noch ab und zu im Tor?
Kleff: Nicht mehr so regelmäßig wie ich mir das wünschen würde. Dazu bin ich im Alltag schon zu sehr eingeschränkt. Aber ich spiele nach wie vor Fußball, bei so genannten Prominentenspielen. Das ist mir wichtig.
Sie blicken auf eine außergewöhnliche Karriere als Fußballprofi zurück. Vor allem Ihre Zeit in Gladbach ist vielen in Erinnerung...
Kleff: Mönchengladbach war für mich ein Glücksfall. Mit den „Fohlen“ habe ich so viele Titel gewinnen dürfen. Das macht mich stolz! Wobei: beinahe wäre ich sogar mal bei Borussia Dortmund gelandet.
Das müssen Sie uns jetzt genauer erzählen!
Kleff: Wissen Sie, als gebürtiger Schwerter war ich als Jugendlicher schon regelmäßig im Stadion Rote Erde. Ich war zwar nie ein richtiger BVB-Fan, war, um Fußballspiele zu sehen, ehrlich gesagt auch oft im Schalker Parkstadion, aber eine Grundsympathie für Dortmund kann ich nicht verschweigen. Und Ende der 60er-Jahre hätte mich Wolfgang Paul beinahe zum BVB gelotst. Ich sollte als einer von zwölf Keepern in einem Probetraining vorspielen. Da ich nur die Nummer zwölf gewesen bin, war mir die Warterei zu blöd. Das Angebot aus Mönchengladbach kam dann gerade recht.
Eine Entscheidung, die sie nicht bereuen sollten. Waren Spiele zwischen Gladbach und Dortmund etwas Besonderes für Sie?
Kleff: In gewisser Weise schon. Ich wollte gegen den BVB immer zeigen, dass es ein Fehler war, mich damals nicht zu nehmen. Außerdem waren gerade in Dortmund immer viele Freunde und Verwandte vor Ort.
Sie hatten das große Glück, 1977/78 beim legendären 12:0-Sieg der Gladbacher gegen Dortmund im Tor zu stehen. Haben Sie noch Erinnerungen an die Partie im Düsseldorfer Rheinstadion?
Kleff: So ein Spiel vergisst man nie. 12:0... man muss sich das mal vorstellen. Der BVB war weit entfernt von Gut und Böse. Das war nicht normal. Die Dortmunder waren gedanklich schon längst im Urlaub. Denn ein 12:0 schafft man ja in der Regel nicht mal gegen einen Landesligisten.
Wurde das Spiel „verschoben“, damit Gladbach den 1. FC Köln noch von Platz eins verdrängen konnte?
Kleff: Nein. Ich gebe zu, der Gedanke kann einem kommen. Aber es war nicht so. Ich bin allerdings froh, dass wir damals nicht Meister geworden sind. Die Diskussionen über die Art und Weise würden wahrscheinlich immer noch andauern.
Jetzt wollen wir aber nicht verschweigen, dass der VfL Bochum mit Ihnen im Tor mal 0:6 im Westfalenstadion untergegangen ist...
Kleff: Wirklich? Aber das muss ja eher gegen Ende meiner Karriere gewesen sein. Da war vielleicht ein bisschen Guter Wille dabei... Aber im Ernst: Ich war immer extrem ehrgeizig, wollte immer gewinnen, war Profi durch und durch. Freiwillig abgeschenkt habe ich nie etwas. Ich wollte den Schwertern schließlich keine Schande machen.
Am heutigen Samstagabend trifft Borussia Dortmund im offiziellen Topspiel auf „Ihre Borussia“. Welches Resultat erwarten Sie?
Kleff: Der BVB ist in einer guten Verfassung, aber auch Gladbach muss sich in dieser Saison endlich einmal wieder nicht verstecken. Es wird schwierig. Ich tippe 1:1.
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