BVB überrollt Bayer: Leverkusen verliert Duell mit Roman Weidenfeller
DORTMUND Nach jeder entschärften Leverkusener Chance fuhr die Kamera am Samstag ganz nah ans Gesicht von Roman Weidenfeller (29) heran. Er schaute angestrengt, geradezu bissig, sagte nicht viel, aber sein Minenspiel verriet die Gemütslage des Dortmunder Torhüters.
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Nicht zu stoppen: Mohamed Zidan (2.v.l.) gegen das Leverkusener Trio Vidal, Hyypiä und Castro. (Foto: dpa)
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Da war vor allem Unverständnis, massives Unverständnis sogar. Weidenfeller war im Duell zwischen dem Vierten BVB und dem Dritten Leverkusen (3:0) vor 80 100 Zuschauern 45 Minuten lang der Hauptdarsteller.
Man könnte sogar behaupten, alleine er wäre es gewesen, der den Borussen die Verlegung auf die Fußball-Intensivstation an diesem Tag gerade noch ersparte – mit Reflexen und Paraden gegen Kießling (11./35.) sowie Derdiyok (20.)
Überragender Torhüter
„Du brauchst gegen Bayer einen überragenden Torhüter – den hatten wir – und du musst im entscheidenden Moment zuschlagen“, sagte Dortmunds Trainer Jürgen Klopp über ein Spiel, das aus zwei völlig unterschiedlichen Teilen bestand. In der ersten Hälfte hatte Leverkusen dominiert und traumhaft flach kombiniert, während der tief stehende Hausherr defensiv schwamm und in der Vorwärtsbewegung hilflos lange Bälle ins Nirvana spielte.
Nur 43 Prozent Ballbesitz für Dortmund und 9:1-Torschüsse für Bayer zählten die Statistiker bis zur Pause. „Wer hätte denn in der Halbzeit noch auf uns gewettet?“, fragte BVB-Kapitän Sebastian Kehl später in eine große Journalisten-Runde. Es war eine rhetorische Frage. Die Antwort: wohl niemand! Was nach 45 Minuten in der Dortmunder Kabine geschehen ist, blieb bis heute im Verborgenen.
Saisontore 14 und 15
„Es war eigentlich ruhig“, sagte Klopp, der seinen Profis lediglich bedeutet haben will, „effektiver auf die zweiten Bälle zu gehen“ und „mehr Vertrauen in die eigene Klasse zu haben“. Wie ein Schwamm müssen Klopps Zuhörer die ihnen soufflierten Sätze aufgesogen haben, denn: Nach der Pause spielte der BVB um die Antreiber Mohamed Zidan, Tamas Hajnal und Lucas Barrios wie entfesselt und nutzte schwere individuelle Fehler der Werkself (Renato Augusto/Barnetta) konsequent aus.
Mit seinen Saisontreffern Nummer 14 und 15 (50./60.) besiegelte Barrios, der sich laut BVB-Sportdirektor Michael Zorc „zu 99,3 Prozent über seine Tore definiert“, Bayers zweite Saison-Niederlage. Der eingewechselte Dimitar Rangelow traf zum 3:0 (87.).
„Ihr werdet nie Deutscher Meister“, skandierten die Borussen-Fans voller Häme in Richtung Leverkusen. Und Bayer-Profi Tranquillo Barnetta haderte lautstark: „Wir waren in der zweiten Halbzeit kollektiv schlecht!“
Trio kämpfrt um Europa League-Plätze
Roman Weidenfeller, der im Spitzenspiel genauso wenig von Bundestorwarttrainer Andreas Köpke beobachtet worden war wie die deutsche Nummer 1 René Adler, wollte seine herausragende Leistung nicht mit klebrigem Pathos aufladen. „Ich muss nach einem guten Spiel ja nicht direkt vor jede Kamera rennen“, sagte er. Und: „Wer auf die Tabelle schaut, wird sehen, dass man nach ein, zwei verlorenen Partien schon wieder aus den europäischen Rängen herausfallen kann.“
Der BVB (48 Punkte) duelliert sich weiter mit Bremen (45) und Hamburg (44) um die Europa League-Plätze. Werders Torsten Frings, der mit seinem späten Sonntagsschuss am Wochenende den 3:2-Siegtreffer gegen Bochum erzielt hatte, erhielt gestern Mittag übrigens eine SMS von seinem BVB-Kumpel Weidenfeller. Der Text: „Hi Torsten, musste das denn noch sein...?“
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