Vor dem Revierderby: Maulkorb für Großkreutz – Klopp giftet gegen die Presse
DORTMUND Eigentlich ist alles gut. Der BVB grüßt in der Tabelle als Fünfter, spielt mit vergleichsweise wenig Geld vergleichsweise dynamisch Fußball – und am Samstag kommt in Hannover 96 der sportliche Trümmerhaufen der Gegenwart ins Ruhrgebiet.
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Kevin Großkreutz. (Foto: Archiv)
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Doch was zählt schon Hannover, wenn eine Woche später das Derby aller Derbys beim FC Schalke 04 ansteht? Diese Frage möchte man sich nach der Pressekonferenz am Donnerstag stellen, denn in besagter gab Medienprofi Jürgen Klopp den Deckel, der wild auf einem Topf voller Zorn tanzte.
Was den BVB-Trainer zum Kochen brachte? Ein Fragebogen der Boulevard-Zeitschrift Sport Bild. Gerichtet an die Adresse des Dortmunder Ureinwohners und bekennenden Schalke-Hassers Kevin Großkreutz (21). Den vorgegebenen Halbsatz „Wenn mein Sohn Schalke-Fan wird, dann...“ sollte der Offensivakteur des BVB vollenden. Er entschied sich gegen die wählbaren Antworten „stimme ich ihn um“ und „gibt es keinen Fußballgott“. Stattdessen kreuzte Großkreutz unmissverständlich „kommt er ins Heim“ an.
"Schallendes Gelächter in der Kabine"
Nun wissen wir also, dass Großkreutz, so er sich fortpflanzt, womöglich den eigenen Nachwuchs abschieben wird. „Ein Scherz“, sagt Klopp, „der in der Kabine für schallendes Gelächter gesorgt hat. Ich weiß nicht, wie man daraus irgendetwas Ernstes rausziehen kann.“ Kurz darauf richtete sich Klopp direkt an das Boulevard: „Die Freunde hier“, so der Coach, „schaffen es tatsächlich, da so ein Ding raus zu machen, um uns alle gleichzeitig aufzufordern, Ruhe zu bewahren, damit sich Zuschauer vor dem Spiel nicht gegenseitig auf den Kopf hauen.“
Klopp („Ich hätte wahrscheinlich dieselbe Antwort gegeben, weil’s die witzigste war“) zieht Konsequenzen – Großkreutz kassiert einen Maulkorb: „Sollten Interviews mit ihm zum Thema Schalke verabredet sein, sind die in diesem Moment abgesagt!“
Der Trainer überlegt sogar, seine eigenen Pressegespräche vor dem Derby zu streichen: „Zu gefährlich“, meint er: „Man kann ja gar nicht oft genug drüberlesen.“
Schalke-Antipathie
Im Fall Großkreutz sollte sich Klopp allerdings fragen, ob der Täter durch ihn nicht zum Opfer gemacht wird. Der Profi war schließlich schon in der Vergangenheit wiederholt dadurch aufgefallen, dass er seine Schalke-Antipathie offen zur Schau stellte. Vor Saisonbeginn soll er gelästert haben: „Die sind mein Feindbild Nummer eins. Für kein Geld der Welt würde ich dort spielen. Schalke hasse ich wie die Pest!“
Die Geister, die er rief, wird der Spieler nun nicht mehr los. Und es überrascht doch sehr, dass dies medienerfahrene Fußballer und Offizielle angesichts der Vorgeschichte überraschen kann. Kinder lernen ja gewöhnlich schnell, dass zu groß aufgeblasene Luftballone leicht platzen. Man muss für Kevin Großkreutz hoffen, dass es sich mit jungen Fußballern ähnlich verhält.
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