Interview mit Jürgen Klopp: "Wir gehen auf dem Zahnfleisch. Aber das machen wir sehr ordentlich"
DORTMUND Der Stolz über den momentanen Erfolg seiner Mannschaft stand BVB-Trainer Jürgen Klopp ins Gesicht geschrieben. Sich zu höheren Zielen zu bekennen, dagegen wehrt sich Klopp beharrlich.
Für Jürgen Klopp geht das Feiern weiter: Der BVB siegte zum sechsten Mal in Serie. (Foto: dpa)
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Jürgen Klopp: Wir waren ein sehr unangenehmer Gegner und haben ein richtig gutes Fußball-Spiel gemacht. Die Bedingungen waren nicht einfach, sowohl, was den Zustand des Rasens betraf als auch unsere Trainingswoche, die wieder geprägt war von vielen Problemen. Aus unseren gewonnenen Bällen haben wir gut kombiniert, wir haben aufopferungsvoll gekämpft und fast nichts zugelassen. Da haben wir uns richtig toll verhalten, auch das ist Teil des Fußballs.
Glauben Sie, dass es nun noch schwieriger wird, dass das Dortmunder Umfeld besonnen bleibt?
Klopp: Wir bleiben dabei, dass wir uns damit möglichst wenig beschäftigen. Wir haben noch 15 Spiele vor uns, das ist eine lange Strecke. Und wir wollen Spiel nach Spiel angehen.
Die Mannschaft zeigt nun schon über längere Zeit eine gewisse Stabilität. Gibt das nicht Anlass zu Hoffnung, dass der BVB auf die internationale Bühne zurückkehren kann?
Klopp: Wir können natürlich die Tabelle lesen, aber momentan löst das nichts aus in mir. Uns allen war klar, dass wir diese Serie nur mit außergewöhnlicher Bereitschaft erreichen können. Wir können eine sehr gute Bundesliga-Mannschaft sein, die aber ansonsten auch sehr unerfahren ist. Das hat die Mannschaft unheimlich gut verinnerlicht.
Sie haben Sven Bender bei seiner Auswechslung Beifall geklatscht, das ist nicht alltäglich…
Klopp: Sven wollte schon zur Halbzeit raus, er konnte nur wenig trainieren, bekam dann wieder große Schmerzen und hat trotzdem auf die Zähne gebissen. Dann hat er gespielt, als wäre nichts gewesen und noch mal 30 Zweikämpfe gewonnen. Dafür gebührt ihm ein Riesenkompliment.
Der BVB steht auf Platz vier und hat acht Punkte Vorsprung auf Platz sechs. Ist es vermessen zu sagen, sie spielen jetzt sogar um einen Champions-League-Platz?
Klopp: Ja. Wir müssen Woche für Woche richtig viel investieren, um dahin zu kommen, am Ende ein Spiel als Sieger zu beenden. Diese Truppe braucht keine übergeordneten Ziele. Das wäre bei uns nur hinderlich. Wir gucken nur aufs nächste Spiel. Unsere Jungen sind nicht bei der A-Nationalmannschaft, sondern bei einem Lehrgang der U 19. Das sagt alles, wir brauchen nicht über mehr zu diskutieren.
Hamburg hatte durch Berg die große Ausgleichschance. Ärgert es Sie als Trainer, wie frei er war?
Klopp: Wir werden uns tatsächlich noch mal anschauen, warum er so frei war. Aber wenn ein Klub mit den Qualitäten Hamburgs nur zwei große Chancen in 90 Minuten herausspielt, zeugt das auch von der Qualität unserer Mannschaft.
Woher nimmt Ihre Mannschaft diese Kraft, diesen Willen?
Klopp: Es ist so, dass wir auf dem Zahnfleisch gehen. Aber das machen wir sehr ordentlich.




