Jürgen Klopp-Interview: "Wir machen jedes Spiel zu einem Endspiel“
DORTMUND "Wir wurden leider nicht belohnt für den immensen Aufwand, den wir in der ersten Halbzeit betrieben haben“, sagte Leverkusens Stefan Kießling nach der 0:3-Niederlage in Dortmund und machte ein Gesicht, als wäre er gerade abgestiegen. BVB-Trainer Jürgen Klopp bildete den Gegenpol zum deutschen Nationalstürmer. Er strahlte – und stellte sich den Fragen der Journalisten.
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BVB-Trainer Jürgen Klopp (Foto: dpa)
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Herr Klopp, das Spiel gegen Leverkusen bestand eigentlich aus zwei Partien. Was haben Sie Ihrer Elf in der Halbzeit mit auf den Weg gegeben?
Jürgen Klopp: Ich habe den Jungs gesagt, dass wir viel Glück brauchen, einen überragenden Torhüter, aber vor allem mehr Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten, um Leverkusen zu schlagen. Letzteres hat uns während der ersten Hälfte gefehlt. Wir haben die Spieler nicht am Flanken gehindert, nicht gedoppelt, waren schwach bei den so genannten zweiten Bällen. Nach der Pause hat sich das total geändert. Ich ziehe den Hut vor Roman Weidenfeller und Lucas Barrios, aber vor allem auch vor Tamas Hajnal, der ebenfalls einen Löwenanteil an diesem Sieg hat.
Sie hatten diversen Journalisten in der vergangenen Woche ausdrücklich gesagt, Hajnal auf der Doppel-Sechs wäre eine sehr unrealistische Variante. Bewusste Irreführung?
Klopp: Sagen wir’s mal so: Die taktischen Planspiele beginnen ja weit vor dem Anstoß am Samstagabend um 18.30 Uhr. Ich hätte mich nicht wohl gefühlt, wenn mein Kollege Jupp Heynckes genau gewusst hätte, was wir vorhaben. Auf der anderen Seite war Hajnal im Testspiel beim SV Wilhelmshaven nun wirklich alles andere als gut. Wir haben also in der Tat alle Gedankenmodelle durchgespielt.
Was hat für Hajnal gesprochen?
Klopp: Mit ihm als Teil der Doppel-Sechs mussten wir nicht von unserem Spielsystem abweichen – das war entscheidend. Wir haben Tamas vor dem Spiel aber zur Seite genommen und ihm als von Hause aus offensiverem Akteur erklärt, wann er in die Breite schieben muss und in welchen entscheidenden Situationen in die Tiefe. Er besaß ja kaum Erfahrungswerte, was das angeht. Mein Fazit: Tamas hat gegen Leverkusen eine Ballsicherheit gehabt, die beeindruckend war und die Anweisungen effektiv befolgt.
Und Weidenfeller hat sein bestes Spiel unter Ihrer Leitung gemacht.
Klopp: Überragend. Er war richtig, richtig gut! Es freut mich für Roman, dass er so viel Sicherheit ausstrahlen konnte. Es gibt Spiele, in denen musst du als Torhüter in zwei, drei Situationen einfach brutal sein. Das war er heute und hat uns die Option auf einen Sieg erhalten.
Der Argentinier Lucas Barrios hat gegen Leverkusen seine Saisontore Nummer 14 und 15 erzielt. Paraguay bemüht sich um seine Einbürgerung – was halten Sie von dem Vorhaben?
Klopp: Ich fänd’s ja grundsätzlich gut, wenn Barrios bei der WM spielen würde. Aber wenn ich mir vorstelle, dass neben Nelson Valdez auch Lucas demnächst diese extrem langen Flüge zum Nationalteam Paraguays und zurück absolvieren muss, dann wird mir ehrlich gesagt schon ein bisschen anders...
Am kommenden Wochenende spielt der BVB in Berlin - gefährlich?
Klopp: Mal schauen, das ist ja Spiel Nummer 1 nach den Fan-Ausschreitungen! Im Ernst: Das wird eine Super-Partie! Wir werden sicher zehn- bis zwölftausend Leute mitnehmen und machen jetzt jedes Spiel zu einem Endspiel. Wie viele Punkte am Ende herausspringen, ist mir zurzeit eigentlich scheißegal! Dede kommt zurück, Sahin ist entsperrt, Kehl wieder dabei, Valdez und Bender möglicherweise spielfähig – wir haben bald eine Drucksituation im Kader wie in der gesamten Saison noch nicht. Das ist gut, weil wir in der entscheidenden Phase die Möglichkeit bekommen, auf jede Situation personell reagieren zu können.
Wenn Bremen am Dienstag im DFB-Pokal Augsburg schlägt, steigen die BVB-Chancen auf eine Teilnahme am internationalen Geschäft noch mehr. Sind Sie ab sofort Bremen-Fan?
Klopp (lacht): Ich war ja immer Bremen-Fan! Obwohl mein ehemaliger Schützling Michael Thurk für Augsburg spielt (er ist zurzeit der Top-Torjäger der 2. Bundesliga), werde ich Werder die Daumen drücken.
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