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Fast-Blamage im Achtelfinale: Joker Schürrle rettet DFB-Team gegen Algerien

PORTO ALEGRE Die deutsche Nationalelf ist nur knapp an einer Blamage vorbeigeschrammt: Im WM-Achtelfinale setzte sich die DFB-Elf nach einer äußerst schwachen Leistung mit 2:1 (0:0, 0:0) gegen Außenseiter Algerien durch. Joker André Schürrle gelang in der Verlängerung mit der Hacke der vorentscheidende Lucky Punch.



Schon beim Frühstück dürfte Joachim Löw geahnt haben, dass es ein harter Tag werden würde. Da nämlich meldete sich Mats Hummels mit einem grippalen Infekt ab. Für den maladen Dortmunder spielte Shkodran Mustafi rechts hinten, Jerome Boateng wanderte in die Mitte. Löw hielt also an seiner umstrittenen Vierer-Innenverteidiger-Kette fest – obwohl Algerien auf den Außen über schnelle, spielstarke Spieler verfügte.
  • Bilder der Achtelfinal-Partie zwischen Deutschland und Algerien.
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Achtelfinale: Deutschland - Algerien 2:1 n.V. (0:0, 0:0)

Die Auswirkungen dieser Fehlentscheidung waren früh zu spüren. Die enorm engagierten Nordafrikaner stellten die deutsche Elf geschickt zu und schalteten bei Ballgewinn rasant um. Die Fünferkette, die Algeriens Coach Vahid Halilhodzic seinem Team verordnet hatte, erwies sich als genialer Einfall. Die Deutschen konnten stellenweise gar nicht so schnell gucken, wie sie von ihren Gegner ausgekontert wurden.

Neuer überragend

Deutschland durfte sich allein bei Manuel Neuer bedanken, dass der DFB-Flieger nicht bereits frühzeitig für die Heimreise volltanken musste. Der Keeper lieferte eine sensationelle Vorstellung ab. Es war nicht nur der Torwart, sondern zugleich bester deutscher Feldspieler, weil er auch noch den Libero gab. Zweimal klärte er in allerhöchster Not (9., 28.).

Es war wahrlich kein Zufall, dass sich die deutschen Ersatzspieler bereits nach 20 Minuten warmliefen. Löw hätte zehn seiner elf Spieler auswechseln können. Die Abwehr stand neben sich, das Mittelfeld reihte Fehlpass und Fehlpass und vorne fehlte es vor allem Mario Götze an allem, was man von einem WM-Spieler erwarten darf.  Es war eine regelrechte Frechheit, was die DFB-Elf bot.

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Erst in der 41. Minute kam Deutschland erstmals gefährlich vor den algerischen Kasten. Doch nachdem Keeper Rais M’Bohli einen Schuss von Kroos nach vorne abklatschen ließ, setzte Götze viel zu unentschlossen nach. Es war eine logische Entscheidung, dass der auf ganzer Linie enttäuschende Münchener zur Pause aus dem Spiel ging und durch André Schürrle ersetzt wurde.

Geschlossen schlecht

Löw hätte aber ebenso gut Benedikt  Höwedes, Mustafi, Boateng, Philipp Lahm oder Mesut Özil auswechseln können. Die Mannschaftsleistung der Deutschen war mit Ausnahme von Neuer geschlossen – geschlossen schlecht.
Immerhin: Die Fehler im deutschen Spiel minimierten sich nach dem Seitenwechsel etwas – das war allerdings auch nicht schwer nach der indiskutablen ersten Hälfte. Der fehlende Esprit aber kehrte noch immer nicht zurück. Die beste Chance resultierte aus einem Fernschuss von Philipp Lahm. M’Bholi fischte den Ball allerdings mit einer sensationellen Parade aus dem Winkel (55.). 

Mehr Glück als Verstand

Und hinten? Dort regierte weiterhin mehr Glück als Verstand. Algerien spielte nicht gegen Deutschland, sondern einzig gegen Neuer, der mehrmals für seine geschlagene Mannschaft ausbügeln musste (72., 75.). Je näher das Ende rückte, desto wilder wurde das Geschehen. Jetzt kam auch Deutschland endlich zu Chancen. Nach Thomas Müllers Kraftakt köpfte Bastian Schweinsteiger knapp vorbei (79.). Anschließend war es Müller selbst, der zweimal in aussichtsreicher Position vergab (80., 82.). 
Dann wurde es peinlich: Anstatt einen aussichtsreichen Freistoß direkt aufs Tor zu schießen, führte die DFB-Elf ein peinliches Laientheater auf. Müller rutscht aus, die Chance verpuffte (88.). Es war ein Sinnbild für das deutsche Spiel. 

Freitag gegen Frankreich

Dass es trotz aller Mängel dennoch zum Sieg reichte, hatte die DFB-Elf ihrem Joker Schürrle zu verdanken. Per Hacke erzielte er in der Verlängerung nach einer Flanke von Müller das umjubelte Siegtor (92.). Der völlig abgetauchte Mesut Özil erhöhte in der Schlussminute der Verlängerung auf 2:0, im Gegenzug verkürzte der eingewechselte Djabou noch auf 2:1.
Deutschland hatte das drohende WM-Aus um Haaresbreite abgewendet. Oder sollte man besser sagen: vertagt? Denn die Vorstellung im kühlen Porto Alegre war alles, nur ganz sicher nicht weltmeisterlich. Nun geht es am Freitag (18 Uhr) in Rio gegen Frankreich.
TEAMS UND TORE
Deutschland:
Neuer - Mustafi (69. Khedira), Mertesacker, Boateng, Höwedes - Lahm - Schweinsteiger (109. Kramer), Kroos - Özil, Götze (46. Schürrle) - Müller
Algerien: M'Bohli - Mandi, Belkalem, Halliche (97. Bougherra), Ghoulam - Mostefa, Lacen - Feghouli, Taider (78. Brahimi), Slimani - Soudani (100. Djabou)
Tore: 1:0 Schürrle (92.), 2:0 Özil (120.), 2:1 Djabou (120.+1)
Schiedsrichter: Sandro Ricci (Brasilien)
Zuschauer: 43.063
Gelbe Karten: Lahm / Halliche
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    30. Juni 2014, 00:32 Uhr
    Aktualisiert:
    1. Juli 2014, 11:46 Uhr
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