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Medienhaus Lensing
01.07.2008 16:02 Uhr
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Spanien feiert scheidenden Nationaltrainer

Madrid (dpa) «Luis, bleibe noch!» Mit diesem Ruf forderten Hunderttausende von Spaniern den scheidenden Fußball-Nationaltrainer Luis Aragonés auf, nach dem Gewinn der Europameisterschaft weiterzumachen.Vom spanischen Fußball-Verband (RFEF) verlangten die Fans: «Luis

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renovación!» Mit anderen Worten: Der Verband solle dem frischgebackenen Europameister-Macher einen neuen Vertrag geben. Allerdings gilt als sicher, dass bereits in der kommenden Woche Vicente del Bosque als neuer Nationalcoach vorgestellt werden wird.

Rund eine Million Madrilenen bereiteten in der Nacht zum Dienstag ihrer Selección einen begeisterten Empfang, die 24 Stunden zuvor in Wien das EM-Finale gegen Deutschland 1:0 gewonnen hatte. Der am meisten gefeierte Held war aber weder Torschütze Fernando Torres noch Regisseur Xavi, sondern der 69-jährige Trainer. Vor zwei Jahren noch, als Spanien bei der WM in Deutschland vorzeitig scheiterte, hatte so mancher Spanier den Coach am liebsten zum Teufel gewünscht. Nun aber, da der Aragonés Abschied besiegelt ist, wollen alle, dass er bleibt.

Auch König Juan Carlos und Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero stimmten in das Loblied auf den Trainer ein. Der Monarch empfing die frischgebackenen Europameister zu einer Audienz im Zarzuela-Palast. Dabei scherzte er mit Aragonés: «Wir haben hier keine Decke, um Dich darin zu wiegen.» Zapatero hob die Rolle des Trainers mit den Worten hervor: «Mit Zuversicht, Einsatz, Teamgeist und einem großen Dirigenten wie Luis Aragonés gehen die Dinge leichter von der Hand.» Das Sportblatt «Marca» regte an, das Madrider Stadion «La Peineta», das einmal zu einer Olympia-Arena ausgebaut werden soll, in «Estadio Luis Aragonés» umzubenennen.

Aber es gibt kein Zurück mehr. Der RFEF wird voraussichtlich in der kommenden Woche den einstigen Erfolgstrainer von Real Madrid, Del Bosque, als neuen Nationalcoach vorstellen. Aragonés wird seinerseits einen Zweijahresvertrag bei Fenerbahce Istanbul unterschreiben.

Dabei hatten die Nationalspieler noch einen letzten Versuch unternommen, die Verbandsführung umzustimmen und zu einer Vertragsverlängerung für Luis zu bewegen. «Wir kommen nicht zurück, wenn der Mister nicht mehr da ist», sangen sie auf dem Heimflug von Wien nach Madrid. Aber Torwart Iker Casillas musste bald einsehen: «Ich glaube, da ist nichts mehr zu machen», sagte der Kapitän.

Die Würfel waren nämlich längst gefallen. Aragonés hätte zwar, so vermutet die Zeitung »El Mundo», weitergemacht, wenn RFEF-Chef Angel María Villar ihn darum gebeten hätte. Aber dem Verbandschef waren die Hände gebunden. Bei einer Vertragsverlängerung für Aragonés hätte der RFEF seine Planungen über den Haufen werfen müssen. Vor allem hätte er sich von dem erst kürzlich verpflichteten Sportdirektor Fernando Hierro trennen müssen, schreibt das Blatt. Aragonés hatte die Rolle des Ex-Profis von Real Madrid nämlich immer skeptisch gesehen, weil er in ihm einen Fürsprecher von Real-Kapitän Raúl sah, den der Trainer in der Nationalelf nicht mehr haben wollte.

Der weißhaarige Coach kann neben dem EM-Titelgewinn eine stolze Bilanz vorweisen: Die Nationalelf ist seit 22 Spielen unbesiegt. Die letzte Niederlage war ein 0:1 im November 2006 gegen Rumänien. In 54 Länderspielen kam Aragonés auf 38 Siege, 12 Unentschieden und nur 4 Niederlagen. Nachfolger Del Bosque steht vor einer schweren Aufgabe. Das Sportblatt «As» traut dem künftigen Nationalcoach allerdings genügend Fingerspitzengefühl zu, das Werk von Aragonés fortzusetzen: «Del Bosque weiß, dass die Mannschaft funktioniert. Er ist nicht jemand, der einer Elf unbedingt seinen Stempel aufdrücken muss.»



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