„Ich liebe es, vor solchen Kulissen zu spielen, gerade auswärts, wenn alle gegen dich sind. Das motiviert mich zusätzlich“, sagte der 33-jährige, der seinen Ausführungen am Mittwochabend Taten folgen ließ. Aufmerksam, vorausdenkend, mit starken Reflexen und zahlreichen tollen Paraden festigte Hildebrand seine Position im Gehäuse.
Klare Nummer eins
„Das ist immer gut für einen Torhüter, wenn eine klare Nummer eins benannt wird“, sagte er und betonte, wie wichtig es sei, dass die endlosen Debatten der Hinrunde um die beste Lösung unter Trainer Jens Keller beendet sind.
Dabei war der ehemalige Nationalkeeper auch von Huub Stevens zu Saisonbeginn favorisiert worden. Doch schon nach dem ersten Spieltag verlor Hildebrand seinen Platz nach einer Verletzung an Lars Unnerstall.
Keine leichte Zeit
Erst am 1. Dezember gegen Borussia Mönchengladbach kehrte der Routinier nach harter Geduldsprobe ins Tor zurück. Nun scheint das seit dem Weggang von Manuel Neuer zu den Bayern praktizierte Wechselspiel vorbei. „Es war nicht einfach für mich, besonders in der Zeit ohne Verein“, sagte Hildebrand.
Gute Ausgangsposition für S04
Mit dem Remis gegen Galatasaray Istanbul bleibt Schalke im laufenden Wettbewerb der europäischen Königsklasse ungeschlagen und hat sich eine gute Ausgangsposition für das Rückspiel am 12. März geschaffen.
Zumindest die Zuschauer ließen nichts unversucht, den Schalkern Respekt einzuflößen. Auf ihren Schals, die so ziemlich jeder der Galatasaray-Anhänger umgebunden hatte, war „Willkommen in der Hölle“ zu lesen. Doch diese Botschaft sollte sich für die Schalker keineswegs als unangenehme Wahrheit entpuppen. Die 50 734 enthusiastischen Zuschauer produzierten zwar einen Höllenlärm. Aber sie hinterließen nur in der Anfangsphase Eindruck, und dies allein bei den Verteidigern der Schalker.
Die Mannschaft von Jens Keller war anfangs gut organisiert und versuchte, die Türken gar nicht erst ins Tempo kommen zu lassen. Aber dann war es wieder einmal die in den vergangenen Wochen so fehlerhafte Defensive, die Galatasaray leichtes Spiel bescherte. Am Ende einer längeren Fehlerkette ließ sich Benedikt Höwedes von Burak Yilmaz viel zu einfach ausspielen, der Angreifer brauchte die Kugel nach zwölf Minuten nur noch zur Führung zu verwandeln.
Aufmerksame Offensive
Doch so schwach sich die Abwehr in dieser Szene wieder einmal präsentierte, in der Sead Kolasinac für den formschwachen Christian Fuchs auf der rechten Seite verteidigte und eine gute Leistung bot, umso aufmerksamer war dagegen die Offensive. Der nach einer Augenverletzung genesene Angreifer Klaas-Jan Huntelaar war sehr bemüht und hatte schnell die große Möglichkeit zum Ausgleich, verpasste diese aber nahezu auf der Torlinie.
Vielleicht aus alter Verbundenheit zu seinem Ex-Klub verschonte Hamit Altintop die Königsblauen im Gegenzug nach einem Fehlpass der Schalker im Aufbauspiel vor einem höheren Rückstand, als er nach 18 Minuten lediglich die Torlatte traf. Im Anschluss hatten die Schalker sich aber endlich gefunden und waren intensiv darum bemüht, das Spielgeschehen zu bestimmen und solche schlimmen Fehler zu vermeiden. Sie waren sehr engagiert bei der Sache und fanden auch die richtige kämpferische Haltung zu diesem Spiel. Und dieser Eifer wurde am Ende belohnt.
Jones trifft
Jermaine Jones erzielte nach 45 Minuten, nach einem Konter und einem schönen Zuspiel von Jefferson Farfan, den verdienten Ausgleich. Pech für Jones: Er sah erneut die Gelbe Karte und ist damit für das Rückspiel gesperrt.
Das Bild sollte sich auch in der zweiten Hälfte kaum ändern. Die Schalker hatten das Spiel im Griff und erarbeiteten sich gute Möglichkeiten. Aber sie gingen sehr verschwenderisch damit um. Jefferson Farfan hätte die Schalker nach 55 Minuten eigentlich aus kurzer Entfernung in Führung schießen müssen, doch er zögerte etwas zu lang und traf einen Verteidiger. Die Türken zeigten sich beeindruckt vom Willen ihres Gegners und schienen kaum noch einen gefährlichen Angriff zustande zu bringen. Doch erneut Burak und Sabri Sanoglu rafften sich doch noch einmal auf und scheiterten mit ihren Distanzschüssen knapp.
Offener Schlagabtausch
Es entwickelte sich in den letzten zehn Minuten ein offener Schlagabtausch, bei dem auch Julian Draxler die Möglichkeit zum Siegtreffer auf dem Fuß hatte. Doch am Ende eines langen Sprints verließen ihn die Kräfte beim Torschuss. So blieb es bei diesem für die Schalker verdienten Unentschieden. Vielleicht müssen sich die Königsblauen sogar ein wenig darüber ärgern, dass sie diese Partie nicht sogar gewonnen haben. Doch eines haben sie mit dieser Partie zumindest geschafft. Sie haben sich wieder als Mannschaft präsentiert. Der wohl größte Erfolg des Abends. Schlusswort Draxler: „Wir haben uns mit dem 1:1 eine gute Ausgangsposition verschafft.“