Sead Kolasinac: Scheu vor Kameras, forsch auf dem Platz
ISTANBUL Der Blick war zum Boden gerichtet, der Schritt wurde immer schneller. Sehe ich sie nicht, sehen sie mich auch nicht, schien sich Sead Kolasinac gedacht zu haben, als er nach dem 1:1 im Achtelfinal-Hinspiel in der Champions League bei Galatasaray Istanbul durch den Pulk der Journalisten hindurch zum Mannschaftsbus gehen musste.
Galatasarays Superstar Didier Drogba im Duell mit dem Schalker Sead Kolasinac. (Foto: Tolga Bozoglu)
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BVB-Fieber in Wembley und Dortmund: Wie ist die Stimmung bei den Fans in London? Was passiert in der Heimat? Mit uns verpassen Sie nichts: Unsere Reporter tickern rund um die Uhr und live vor Ort.Er hatte die Galatasaray-Stars Wesley Sneijder und Didier Drogba genauso unbarmherzig auf dem Feld bearbeitet wie alle anderen weniger namhaften türkischen Spieler, die in seine Nähe kamen. Auch ein Zusammenprall mit Drogba mit dem Kopf in der ersten Hälfte, der bei Kolasinac Schwindelgefühle auslöste und seine Sehfähigkeit beeinträchtigte, konnten ihn nicht stoppen. Er wollte seine Chance nutzen, die er aufgrund der Formschwäche des linken Verteidigers Christian Fuchs bekam. Kolasinac versuchte seine Gegenspieler aus dem Spiel zu nehmen, aber auch die Fehler seiner Kollegen auszubügeln. Es gelang ihm sehr viel, wenn auch nicht alles. „Sead hat ein überragendes Spiel gemacht. Nach dem Zusammenprall hat er sich zwei-, dreimal geschüttelt und dann einfach weitergespielt“, lobte Trainer Jens Keller das Talent geradezu überschwänglich.
Der 42-Jährige hatte sich getraut, Kolasinac in diesem von 50.278 Zuschauern emotional aufgeheizten Stadion zu vertrauen. Dieser Mut wurde belohnt. Die Mannschaft hatte sich an diesem Abend, anders als in so vielen Spielen zuvor und bei den immer noch großen Problemen in der Defensive, immerhin als Team präsentiert. Auch weil ein Team-Spieler wie Kolasinac daran mitwirkte. „Das sind die Spiele, für die man als Fußballer lebt“, sagte Marco Höger. „Aber wir müssen auch in der Bundesliga so weitermachen.“ Weshalb es diese Diskrepanz zwischen der europäischen Königsklasse, in der die Schalker bisher ungeschlagen sind, und dem Alltag Bundesliga gibt, ist für die Spieler nicht erklärbar. „Das spielt sich in der Hinterköpfen ab. Das ist kurios. Man gerät einfach in eine Negativspirale. Man weiß nicht so recht wie, und man weiß auch nicht, wieso man da dann plötzlich wieder herauskommt“, sagte Höger. Die Schalker Spieler und Verantwortlichen haben nach diesem vielversprechenden Auftritt die Hoffnung, dass die Mannschaft den Tiefpunkt ihrer Krise endlich durchschritten hat und es jetzt dauerhaft wieder aufwärts geht. „Das wird sich zeigen. Es war auch nur ein Unentschieden. Wir müssen auch mal wieder gewinnen“, sagte Manager Horst Heldt, der zwar einen positiven Trend erkennen konnte aber noch lange keine endgültige Genesung des Patienten aus dem Ruhrgebiet ausrufen wollte. „Die Champions League ist eine ganz andere Geschichte“, räumte Jermaine Jones ein, der im Rückspiel gegen Istanbul gesperrt sein wird, weil er seine dritte gelbe Karte gezeigt bekam. Allerdings nicht für ein Foulspiel, sondern, weil er eine Strafe für seinen Gegenspieler forderte. „Aber dann kann ich in der nächsten Runde wieder dabei sein“, sagte der Mittelfeldspieler. Jones schien überzeugt davon zu sein, dass seine Kollegen die Aufgabe am 12. März in Gelsenkirchen lösen werden und die Schalker Europa-Reise mindestens bis ins Viertelfinale weitergeht.








