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Medienhaus Lensing
25.08.2010 14:44 Uhr
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Sportpolitik: Dagmar Freitag über Dopingkampf und Olympia 2018

DORTMUND Die 100-Tage-Grenze im Amt hat Dagmar Freitag, Vorsitzende des Sportausschusses im Deutschen Bundestag, längst überschritten. Im Interview berichtet die Politikerin aus Letmathe auch über ihre jüngste Reise zu den Jugendspielen in Singapur.Von Gerd Strohmann

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Macht sich um die Personalpolitik der NADA Sorgen: Dagmar Freitag. (Foto: dpa)

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Sie sind gerade aus Singapur zurückgekehrt. Welche Eindrücke konnten Sie sammeln?
Dagmar Freitag: Die Stimmung sowohl im deutschen Team als auch bei den Athleten untereinander habe ich als großartig empfunden. Kein Wunder, wann bekommt man in dem Alter schon mal solch eine Chance? Auch die neuen Wettkampfformen wie Kontinentalteams im Fechten beispielsweise sorgten für echte Begeisterung, übrigens auch bei Trainern und Betreuern.

Also eine rundum gelungene Sache?
Freitag: Einen Wermutstropfen lieferte mein Blick auf das „Cultural and Education Programme“, das den Jugendlichen nach dem erklärten Willen des IOC den Blick für die Olympischen Werte schärfen sollte. Hier suchte man einen eigenständigen Baustein zum Anti-Doping-Kampf vergeblich – aus meiner Sicht ein absolutes Versäumnis, denn welche Zielgruppe wäre für Anti-Doping-Präventionsprogramme besser geeignet als 14- bis 18jährige?

Vor den Tagen in Singapur gab es auch grundsätzliche Bedenken gegen die Spiele...
Freitag: Auch ich habe nach wie vor Zweifel, ob 14jährige schon an solchen Wettkämpfen, die natürlich nichts anderes sind als Hochleistungssport, teilnehmen sollen. Die heute 10jährigen können Teilnehmer der nächsten Olympischen Jugendspiele 2014 sein. Wer schließt aus, dass überehrgeizige Eltern oder verantwortungslose Trainer jetzt beginnen, diese Kinder auf dieses Event vorzubereiten – mit welchen Methoden auch immer?

Sie sind seit acht Monaten in Ihrem neuen Amt, welche Erfahrungen haben Sie bisher gemacht?

Freitag: Manchmal muss man schon in sehr dicke Bretter bohren. So ist schon häufig ein beharrliches Nachfragen nötig, wenn man etwa Auskünfte vom Deutschen Olympischen Sportbund benötigt. Ich denke da nur an das leidige Thema der Ausschüttung der Trainerprämien.

"Tolle Werbung für die Frauen-WM 2011"

Verraten Sie uns den schönsten Moment Ihrer Amtszeit?
Freitag: Da reicht ein Blick auf die letzten Wochen: die U20-WM, dieses Ereignis mit dieser Begeisterung war nicht nur für die Region wichtig, es war eine tolle Werbung für die FIFA Frauenfußball-WM 2011 hier in Deutschland, auf die sich nun sicher noch mehr Menschen freuen.

Solche Ereignisse werden inzwischen aber längst auch zu Groß-Events, zu dem die Massen strömen. Macht Ihnen diese Entwicklung manchmal Angst?

Freitag: Natürlich muss die Sicherheit immer Priorität haben. Aber der Sport bietet hier – mit vernünftig organisierten Public-Viewing-Events beispielsweise – ein fröhliches Gemeinschaftsgefühl, und die Menschen suchen dieses Gefühl eben zunehmend. Das ist ausgesprochen positiv, und gemeinsam freut es sich einfach schöner! Das sollten wir betonen, denn negative Begleiterscheinungen im Sport gibt es bekanntlich auch reichlich. Und da muss natürlich die Politik, aber auch die Gesellschaft sehr genau hinschauen.

Wohin sehen Sie?

Freitag: Wir haben den Wettbetrug, der von Mannschafts- bis hin zu Individualsportarten reicht, wir haben Missbrauchsfälle, die mich sehr betroffen machen, Ausschreitungen mit teilweise rechtsradikalem Hintergrund bei Fußballspielen und wir haben natürlich das ewige Thema Doping, um nur einige Beispiele zu nennen.

Bei Ihrem letzten Redaktionsbesuch kündigten Sie an: Wir müssen die sauberen Sportler besser vor den Betrügern schützen...
Freitag: Und das will ich immer noch. Das Ziel ist es, Sportler, die durch Doping betrogen haben, effektiver aufspüren zu können. Und das können staatliche Instanzen nun mal besser als der organisierte Sport, der beispielsweise keine Hausdurchsuchungen anordnen oder gar durchführen kann. Nicht nachvollziehbare Entscheidungen wie im Fall des spanischen Schwimmers Munoz bestärken mich zudem in der Einschätzung, dass der Sport selbst nicht ausreichend in der Lage, vielleicht auch manchmal nicht willens ist, so konsequent wie nötig gegen Doping vorzugehen. Der Weltverband FINA verzichtete bekanntlich nach drei verpassten Trainings-Kontrollen darauf, den WM-Dritten über 50 und 100 Meter Schmetterling aus dem Verkehr zu ziehen. So konnte Munoz bei der Schwimm-EM in Budapest als strahlender Europameister über 50 m Schmetterling aus dem Wasser steigen und sich feiern lassen. Ein glaubwürdiger Kampf gegen Doping sieht aus meiner Sicht jedenfalls anders aus.

In Deutschland haben wir die Nationale Antidoping-Agentur (NADA), da ist alles besser?
Freitag: Auch in Deutschland haben wir die Aufgabe, unseren Anti-Doping-Kampf einer ständigen Evaluierung zu unterziehen und zu hinterfragen, ob und wo es Verbesserungsbedarf gibt. Der Sportausschuss wird Ende September eine auswärtige Sitzung bei der NADA in Bonn durchführen. Darüber hinaus werde ich einen entsprechenden Tagesordnungspunkt im Sportausschuss anberaumen.

"Ich werde weiter für ein Anti-Doping-Gesetz kämpfen"

Sie gelten als eine der energischen Verfechterinnen eines Anti-Doping-Gesetzes...
Freitag: Daran hat sich nichts geändert, ich werde weiter dafür kämpfen. Ich bin überzeugt, dass zusätzliche Strafen zu einer Sperre abschreckende Wirkung haben. Allerdings ist das im Moment nicht in Sicht: Die jetzige Regierung hat nach meiner Wahrnehmung das Thema Doping nicht ernsthaft auf ihrer Agenda. Zumindest sind mir keine Aktivitäten bekannt, die über die geltende Rechtslage hinausgehen würden.

Wieviel Sorgen machen Ihnen die Wirren um die Olympia-Bewerbung von München für die Winterspiele 2018?
Freitag: Noch ist die Bundesebene nicht direkt involviert. Es gibt jedoch bereits einen Beschluss des Sportausschusses, die Bewerbung Münchens zu unterstützen. Ich kann aber nicht verhehlen, dass ich mit einer gewissen Sorge auf die aktuelle Entwicklung sehe. Daran ändern auch die beschwichtigenden Meldungen der letzten Tage nichts. Ein erneutes Scheitern einer deutschen Bewerbung nach Berlin und Leipzig wäre kein gutes Signal für den Sportstandort Deutschland. Der Sportausschuss wird sich im November an Ort und Stelle ein Bild von der Situation machen. Wir werden uns mit Befürwortern und Kritikern zusammensetzen und ich bin sicher, die Treffen werden kein Smalltalk werden.

Wenn nun eine gute Fee käme und Sie hätten zum Abschluss noch einen Wunsch frei...
Freitag: Dann würde ich mir wünschen, dass der saubere Sportler eine echte Zukunft hat: als Athlet und als Vorbild. Das liegt der Schlüssel: für die Nachwuchsförderung und auch für die Begeisterung für den Sport schlechthin.



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