VfL-Pilotprojekt: Angebot statt Verbot
BOCHUM Das Aussprechen von Stadionverboten unabhängiger, transparenter und gerechter machen möchte der VfL Bochum mit einem Pilotprojekt, das im deutschen Profifußball und seinen Dachverbänden DFB und DFL angesichts zunehmender Ausschreitungen auf großes Interesse stoßen dürfte.
Schlimme Ausschreitungen - wie hier beim Spiel des VfL gegen Hannover im Mai 2010 - ziehen oft Stadionverbote nach sich. Eine neu eingesetzte Kommission soll nun die Abläufe der Verbotsverfahren transparenter machen. (Foto: dpa)
Der Zweitligist stellte am Mittwoch eine sogenannte Stadionverbotskommission vor, die in enger Kooperation mit dem Fanprojekt Bochum installiert wurde und - was bislang einmalig im Bundesligafußball ist - aus unabhängigen Experten besteht. Die Kommission unter Vorsitz von RUB-Professor Dr. Thomas Feltes soll Verbotsanträge beraten, bewerten und damit ein faires Verfahren in die Wege leiten.
Ein wesentlicher Punkt des neuen Verfahrens ist u.a., dass beschuldigte Fans persönlich vor der Kommission vorsprechen können. Außerdem kann die Kommission beim Strafmaß differenzieren und je nach Tat und Umständen auch die Möglichkeit der Bewährung in Betracht ziehen. Am Ende steht jeweils eine Empfehlung an den Verein, der, so Vorstand Ansgar Schwenken, dieser Empfehlung dann auch folgen wird.
"In den Niederlanden, wo auch in dieser Weise verfahren wird, sagt man: Wir reichen den Fans die Hand", erklärte Professor Feltes. "Es ist ein Angebot an die Fans. Wir hoffen, dass sie Vertrauen in diese Maßnahme bekommen." Diese Hoffnung teilt auch Fanprojekt-Leiter Ralf Zänger: "Wir versuchen mit diesem Modell die Situation für Betroffene in alle Richtungen zu verbessern."
VfL zahlt Strafen
Dass man in der Bundesliga zukünftig ohne Stadionverbote auskommen wird, hält auch Prof. Dr. Feltes für illusorisch. Das Prinzip lautet: Ihr wollt zu den Spielen - wir haben gewisse Erwartungen an Euch. "Es wird allerdings immer eine Kerngruppe geben, mit der das nicht funktioniert", so Feltes.
Der VfL Bochum war erst am Dienstag vom DFB wieder zu einer Geldstrafe in Höhe von 5000 Euro verurteilt worden (RN berichteten), weil beim Pokalspiel in Unterhaching im Bochumer Fanblock Feuerwerkskörper und Bengalos gezündet wurden. In der vergangenen Saison bewegte sich der Gesamtschaden für den VfL sogar im sechsstelligen Bereich, bestätigte Ansgar Schwenken.
3500 Stadionverbote
Seit der Saison 2008/09 sind bundesweit 3500 Stadionverbote ausgesprochen worden. 45 Verbote davon wurden vom VfL ausgesprochen: 30 gegen Gäste-Fans, 15 gegen VfL-Fans.
Zu ihrer ersten Sitzung wird sich die Kommission am 1. Dezember treffen und dabei mindestens über zwei Verfahren beraten. Betroffen sind Gäste-Fans.










