BOCHUM Sechs Jahre lang hat er das Trikot des VfL Bochum getragen, später gewann er mit Borussia Dortmund fast alles, was es zu gewinnen gab - Martin Kree. Heute betreibt der 45-Jährige ein IT-Schulungsunternehmen in Holzwickede, hat gute Kontakte zu beiden Vereinen und verfolgt interessiert deren Entwicklung.Von Dietmar Nolte
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Martin Kree, früher Fußballprofi, heute Unternehmer. (Foto: firo)
Im Interview mit den Ruhr-Nachrichten erinnert sich Martin Kree an seine Derby-Zeit, wenn die Blau-Weißen auf die Schwarz-Gelben trafen - und der Verteidiger dabei auch ganz persönlich so manches Erfolgserlebnis feiern konnte.
Martin Kree, erinnern Sie sich an den 30. April 1988?
Martin Kree: Da habe ich bestimmt mit dem VfL gegen Borussia gespielt. War das die Partie, als Bochum kurz vor Ende noch den Ausgleich zum 2:2 geschossen hat? Da habe ich ein Tor beigesteuert.
Fast richtig, aber das 2:2 samt Kree-Treffer gab's im November 1988. Im April lief es noch besser für Sie...
Kree: Stimmt, da habe ich gegen den BVB sogar zwei Tore gemacht - und wir haben das Derby 2:0 gewonnen. Erst ein Elfmeter, dann noch ein Tor kurz vor Spielende. Zwei Dinger habe ich dem Teddy de Beer damals reingehauen. (lacht) Ja, was halt ein guter Stürmer war früher...!
Täuscht der Eindruck, oder zählte der BVB zu Ihrer Bochumer Zeit zu den Lieblingsgegnern?
Kree: Im friedlichen Sinne fand' ich es immer super, wenn man ein Derby gespielt hat. Für einen VfL-Spieler war es auch damals nicht alltäglich, dass das Stadion voll ist. Aber gegen diese anderen beiden Vereine aus dem Ruhrgebiet hatte man das regelmäßig. Das war immer eine tolle Kulisse und hat viel Spaß gemacht. Dass ich zufällig auch noch in einem Jahr gegen Dortmund drei Tore geschossen habe, passt ins Bild. Für mich als Verteidiger waren Tore auch immer eine gute Möglichkeit, mehr auf mich aufmerksam zu machen.
Sie hatten zu Ihrer Bochumer Zeit immer eine beachtliche Torquote.
Kree: In einem Jahr habe ich mich sogar mit Uwe Leifeld um die interne Torjägerkrone gestritten. Er hatte am Ende 13 Treffer, ich selbst zwölf. Heute würde so eine Mischung wahrscheinlich blind für einige Länderspiele reichen. Aber damals war es nicht üblich, einen Spieler des VfL zur Nationalmannschaft einzuladen. Tore sind auch für einen Verteidiger das Salz in der Suppe.
Beim BVB wurde es später etwas salzarm - ein Tor steht in vier Jahren für Sie zu Buche...
Kree: ...und das war noch eher Zufall. Ein Spieler von Uerdingen wollte den Ball aus dem Strafraum schießen, ich habe das Bein davor gehalten und der Ball flog als Bogenlampe über den Torhüter hinweg ins Tor. Aber die geringere Torausbeute ist wirklich der Tatsache geschuldet, dass sich bei Borussia Dortmund zwei, drei Spieler um die gesamte Defensive kümmern mussten, während der Rest vorne zu finden war. Da konnte man sich als Abwehrspieler nur ganz schwer mit in die Offensive einschalten.
Sind die Derbys für Sie auch etwas Besonderes geblieben, als Sie im Trikot des BVB gegen den VfL gespielt haben?
Kree: Der VfL hatte für mich immer einen besonderen emotionalen Stellenwert, weil ich schon als 15-Jähriger zum Verein gekommen bin und hier das erste Mal Bundesliga spielen durfte. Das erste Spiel gegen Bochum im Ruhrstadion, damals mit Bayer Leverkusen, war extrem schwer für mich. Das hat sich durchgezogen bis in die Dortmunder Zeit. Spiele gegen Bochum waren für mich immer sehr emotional.
Wie eng ist heute die Bindung zum VfL Bochum?
Kree: Ich gehe immer gerne ins Stadion. Das ist ein bisschen, als wenn man nach Hause kommt. Es gibt auch noch Kontakt zu einigen Jungs. Beim Weihnachtstreffen kommen immer 20, 30 Ehemalige zusammen: Ata Lameck, Jupp Tenhagen, sogar Hermann Gerland kommt aus München. Zudem spiele ich ab und an in der Traditionsmannschaft.
Gibt es diese Kontakte auch zum BVB?
Kree: Da ich in Dortmund wohne und beim BVB noch bis 1998 gespielt habe, gibt es hier sogar noch mehr Kontakte. Es ist nicht so, dass man jede Woche miteinander telefoniert. Dafür bin ich auch beruflich zu sehr eingespannt. Aber ich gehe auch hier regelmäßig zu den Spielen ins Stadion.
Wagen Sie einen Tipp für das Derby am Samstag?
Kree: Da ich zu beiden Klubs noch eine emotionale Bindung habe, wünsche ich mir generell, das es der BVB in dieser Saison in die Europa League schafft und der VfL nichts mit dem Abstieg zu tun hat. Und für das Derby tippe ich auf ein schönes 2:2-Unentschieden! Ich werde selbst im Stadion sein, da wären doch vier Tore doch eine schöne Sache.