Gruß aus Bochum: Eine Partie am 12. 12. 12

BOCHUM Fast auf den Tag genau vor 100 Jahren – am 12. Dezember 1912 – wurde eine besonders schöne Postkarte des Stadtparks von Bochum nach Emden geschickt. Anlässlich der morgen erneut bevorstehenden „dreifachen Zwölf“ schauen wir, wie sich das Umfeld der historischen Ansicht verändert hat.

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  • Diese Stadtpark-Karte wurde am 12. Dezember 1912 von Bochum nach Emden versandt.

    Diese Stadtpark-Karte wurde am 12. Dezember 1912 von Bochum nach Emden versandt. Repro: Frank Dengler

  • So präsentiert sich die Ansicht vom 12. 12. 1912 im Dezember 2012 - also fast exakt 100 Jahre später.

    So präsentiert sich die Ansicht vom 12. 12. 1912 im Dezember 2012 - also fast exakt 100 Jahre später. Foto: Frank Dengler

  • Der Eingangsbereich um 1910 mit Zäunen um Park und Teich. Im Hintergrund sieht man die Kurfürstenstraße.

    Der Eingangsbereich um 1910 mit Zäunen um Park und Teich. Im Hintergrund sieht man die Kurfürstenstraße. Repro: Frank Dengler

  • Bis heute ist der Eingangsbereich durch die Umgestaltung von 1935 geprägt.

    Bis heute ist der Eingangsbereich durch die Umgestaltung von 1935 geprägt. Foto: Frank Dengler

Die Karte mit einer farbigen Druckgrafik auf braunem Karton zeigt den Blick vom Eingangbereich des Stadtparks über den alten Teich Richtung Cäcilienstraße (heute Klinikstraße). Links der Fontäne ist im Hintergrund der Turm der 1911 eingeweihten Lutherkirche zu sehen. Die stilisierte Darstellungsweise in verschiedenen Grün- und Brauntönen gibt die Vegetation wohl deutlich üppiger wieder, als sie damals war. Diese Art der Gestaltung sprengt den Rahmen der noch um 1900 üblichen, mehr oder weniger detailgetreuen Lithografie-Ansichtskarten.

Jugendstil-Tor von 1900

Das Motiv von 1912 zeugt von einer freieren und künstlerischeren Auffassung des leider unbekannten Grafikers. Ein Merkmal im Vordergrund, die niedrige Umzäunung des Teiches, findet sich auf der zweiten Karte mit einem Foto aus der gleichen Zeit wieder. Beim Vergleich mit der Grafik lässt sich sogar der Baum neben dem Gitter wieder erkennen. Ansonsten führt der Blick des Fotografen in eine andere Richtung.

Im Hintergrund sind das Jugendstil-Tor von 1900 und ein Gebäude an der Ecke von Kurfürsten- und Bergstraße zu sehen. Darüber hinaus verrät das Foto auch ein wenig über die zeitgenössischen Verhältnisse: Die Zäune und das Tor zeigen, dass der Park nicht jederzeit und nicht an allen Stellen zugänglich war.

Ein Betreten des Rasens oder des Ufers wäre damals völlig undenkbar gewesen – außer an speziell dafür vorgesehenen Plätzen. Tatsächlich gab es an der linken Teichseite eine Plattform mit Geländer, von der aus Wasservögel gefüttert werden durften. Offiziell stand der Park während der Öffnungszeiten der gesamten Bevölkerung zur Verfügung, in der Praxis dürfte es wohl nur an Sonn- und Feiertagen zur Begegnung zwischen Bürgertum und Arbeiterschaft gekommen sein. Wochentags werden die meisten Arbeiter nach langer Schicht kaum Ausflüge ins Grüne im Sinn gehabt haben.

Stahlskulptur statt Kriegerdenkmal

Eine Ausnahme bildeten Kinder- und Dienstmädchen, die den Nachwuchs ihrer Herrschaften in den Park führten – wie es anscheinend auch bei der Gruppe mit Kinderwagen auf dem Foto der Fall war. Beide historischen Ansichten zeigen die Eingangszone des Stadtparks, wie sie zwischen 1900 und 1935 aussah. Dann ließen die Nationalsozialisten im Rahmen ihrer Pläne für ihre „Gauhauptstadt Westfalen-Süd“ Teile des Stadtparks umgestalten. Auf eine „Entgitterungsaktion“ folgte die Aufstellung eines monumentalen Kriegerdenkmals (siehe Folge 39 unserer Serie im Internet). Der vordere Bereich des Teiches erhielt statt eines abgerundeten Ufers eine rechteckige Einfassung aus Bruchsteinmauerwerk.
    
Auf dem Foto aus dem Frühjahr ist dieser Parkteil nach wie vor von der Umgestaltung des Jahres 1935 geprägt. Als modernes Element und vielleicht Gegengewicht kam 2006 eine moderne Stahlskulptur des italienischen Künstlers Giuseppe Spagnulo hinzu (rechts). Ihr Titel „La Grande Ruota Ferro Spezzato“ bedeutet „das zerstückelte große eiserne Rad“. Dahinter hat sich das Eckhaus mit nur geringen Änderungen erhalten.

Spitzhelm im Krieg zerstört

Die Perspektive der Karte vom 12. 12. 1912 lässt sich auf der aktuellen Aufnahme leicht wieder erkennen. Bei annähernd gleicher Form des hinteren Teichbereichs fehlt nur die Kirchturmspitze der Lutherkirche. Bei genauem Hinsehen ist der Turm im Hintergrund zu entdecken. Sein hoher Spitzhelm wurde im Krieg zerstört und durch ein flaches Zeltdach ersetzt.
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