Ausbruch aus JVA Bochum: Justizministerium: "Das hätte auch woanders passieren können"

BOCHUM Der aus der JVA Bochum getürmte Häftling ist weiter auf der Flucht. Die Fahndung nach dem 25-Jährigen, der in der Justizvollzugsanstalt in Untersuchungshaft saß und am Donnerstag mit einem Trick entkam, läuft auf Hochtouren. Das Justizministerium nimmt derweil die Bochumer JVA in Schutz.

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  • Aus der JVA Bochum soll am Donnerstag ein Häftling entflohen sein. Die Suchmaßnahmen der Polizei laufen auf Hochtouren.

    Aus der JVA Bochum soll am Donnerstag ein Häftling entflohen sein. Die Suchmaßnahmen der Polizei laufen auf Hochtouren. Foto: John

  • Angelo Duric (25) ist aus der JVA entkommen.

    Angelo Duric (25) ist aus der JVA entkommen. Foto: Polizei Bochum

Der 25-jährige Mann, der wegen des Verdachts auf Bandendiebstahl in Untersuchungshaft saß, ist am Donnerstagmittag aus der JVA geflohen. Der Mann hat das Gefängnis offenbar mit einer Besuchergruppe verlassen. Dies dürfte eigentlich nicht passieren, da jeder Besucher eine Kontrollmarke erhält, die an den Ausweis gekoppelt und beim Verlassen der JVA vorzuzeigen ist. Noch ist nicht ganz klar, wie der 25-Jährige sich mit Kontrollmarke aus der JVA schmuggeln konnte.

Kutschaty: Ein Ausbruch ist einer zuviel

Auch das NRW-Justizministerium äußerte sich am Freitag zu der sogenannten "Trickentweichung" des U-Häftlings. Pressesprecher Detlev Feige nahm dabei die JVA in Bochum in Schutz: "Man muss ganz klar sagen: Das hat nichts mit Bochum zu tun. Das war Zufall. Klar, ist man jetzt schnell dabei zu sagen: Schon wieder Bochum. Aber das hätte auch in anderen JVAs passieren können." Aus diesem Grund seien auch die anderen Justizvollzugsanstalten in der Region informiert worden, damit sie für vergleichbare Ausbruchsversuche sensibilisiert sind.

NRW-Justizminister Thomas Kutschaty sei auf dem Laufenden: "Er ist derzeit im Bundesrat, aber natürlich immer im Thema", sagt Feige. "Der Minister sagt ganz klar: So etwas darf nicht passieren. Ein Ausbruch ist einer zuviel." Zu Konsequenzen wollte Feige sich aber nicht äußern. "Abwarten" heißt es dazu im Justizministerium: "War es ein dienstrechtliches Vergehen? War es menschliches Versagen? Das werden die Ermittlungen zeigen." 

"Die Gruppe war schon weg"

Diese fokussieren sich derzeit stark auf die Besuchergruppen, die zum Zeitpunkt des Ausbruchs in der JVA waren: "Wir haben die Personalien dieser Gruppen. Es war ja so, dass derjenige, der keine Marke hatte, gesagt hat, die habe einer aus der vorherigen Gruppe mitgenommen. Der Pförtner ist dann schnell hinterher, aber die Gruppe war schon weg", erklärt Feige den Vorfall noch einmal.

Bereits am Donnerstag hatte sich Karin Lammel, die stellvertretende Leiterin der JVA Bochum, zu dem Vorfall geäußert. Sie bestätigt, dass gegen 12.30 Uhr ein 25-jähriger JVA-Häftling durch einen Trick geflohen ist. "Der Mann hat am Mittag in der JVA Besuch bekommen", erklärt Karin Lammel. Jeder JVA-Besucher erhält eine Kontrollmarke, für die an der Pforte ein Ausweispapier hinterlegt werden muss. "Wir wissen nicht, wie es passieren konnte, aber der Häftling ist in den Besitz einer solchen Kontrollmarke gekommen und konnte beim Ausgang an der Pforte auch ein Ausweispapier vorlegen, das zu dieser Kontrollmarke passte", so Lammel. 

Kein "Austausch"

Auch der Besucher des 25-jährigen Häftlings hat die JVA verlassen, es hat also kein "Austausch" stattgefunden. Dass der Gefangene fehlt, sei unmittelbar nach Ende der Besuchszeit aufgefallen. Seitdem laufen die Fahndungsmaßnahmen der Polizei auf Hochtouren. "Ich gehe aufgrund seiner Delikte nicht davon aus, dass der Mann gefährlich ist", sagt Karin Lammel. Der Mann saß wegen des Verdachts auf Bandendiebstahl in der JVA ein, es gab außerdem einen Auslieferungshaftbefehl in die Niederlande wegen Einbruchsdiebstahls. 
    
Die stellvertretende Anstaltsleiterin äußerte sich auch zu der Ausbruchsserie aus den Jahren 2011 und 2012, die diese erneute Flucht aus der JVA besonders brisant macht. "Selbstverständlich waren wir in den vergangenen Monaten sehr aktiv und haben die Bedingungen, die uns durch die Expertenkommission auferlegt wurden, streng aufgearbeitet. Eine solche Trick-Entweichung ist aber für uns etwas völlig Neues und steht sicher nicht im Zusammenhang mit etwaigen Sicherheitsmängeln in der JVA Bochum", so Lammel.

Erste Meldung: Um 13.33 Uhr erreichte die Polizei Bochum die Nachricht aus der JVA, dass ein 25-jähriger Häftling, der wegen Bandendiebstahls einsitzt, nicht auffindbar sei. "Seitdem laufen im Umfeld der JVA intensive Fahndungsmaßnahmen", erklärt ein Polizeisprecher. Aber auch innerhalb der Anstalt werde gesucht - der Polizeisprecher erinnert an den Fall einer vermeintlichen Flucht aus dem Jahr 2011, bei der sich später herausstellte, dass der Gefangene sich auf dem Dachboden der JVA versteckte.

Besonders pikant: Nach einer Serie von Ausbrüchen war die JVA Bochum in den Jahren 2011 und 2012 vermehrt in die Schlagzeilen geraten. NRW-Justizminister Thomas Kutschaty hatte den Leiter der Haftanstalt, Friedhelm Ritter von Meißner, im Februar 2012 suspendiert. Zehn Monate lang übernahm Uwe Nelle-Cornelsen die kommissarische Leitung der Anstalt, seit dem 2. Januar leitet Thomas König die JVA Bochum.
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