Hohe Dunkelziffer: Vandalismus und Diebstahl auf Friedhöfen ist ein Problem

BOCHUM Diebstahl und Vandalismus sind Alltag – selbst auf Friedhöfen. Pflanzen werden beschädigt und gestohlen, Grablichter abgesägt und als Altmetall zu Geld gemacht. „Das ist eigentlich immer ein Thema“, sagt Friedhofsgärtner Rainer Eggemann. Gerade Angehörige trifft diese Art von Kriminalität hart.

  • Friedhofsgärtner Rainer Eggemann mit den Überresten eines Diebstahls. Die Täter sägten von einem Stein eine metallene Laterne ab.

    Friedhofsgärtner Rainer Eggemann mit den Überresten eines Diebstahls. Die Täter sägten von einem Stein eine metallene Laterne ab. Foto: Ritscher

„Vor allem zu den Bepflanzungszeiten werden Blumen geklaut“, so Eggemann, der sich unter anderem um Gräber auf dem evangelischen Friedhof an der Westenfelder Straße kümmert. Wenn die Gräber zu Jahreszeitenbeginn neu gestaltet werden, werden alleine dort von 10 bis 20 Gräbern Pflanzen gestohlen: „Manchmal sind es einzelne Pflanzen, aber viermal im Jahr werden auch jeweils etwa drei Gräber komplett leergeräumt.“ Auch Blumensträuße sind bei Dieben beliebt: „Die werden gerade an Feiertagen wie etwa am Muttertag gestohlen“, sagt Eggemann.

"Wut hoch drei"

Neben Pflanzen haben es Kriminelle auf ganz andere Dinge abgesehen. „Sie stehlen auch Grablichter oder andere Gegenstände aus Metall“, so Eggemann. Viele Leute würden deswegen nur noch einfache und preiswerte Blechlaternen kaufen. Auch der Absatz von Gestecken geht zurück. Wenn so eins geklaut wird, seien schnell mal 35 Euro weg.

Es geht nicht nur ums Geld. „Ich ärger mich doch, wenn ich sehe, dass was vom Grab gestohlen wurde. Das ist Wut hoch drei“, sagt Angelika G., die sich auf dem Westenfelder Friedhof um Gräber Angehöriger kümmert. Sie versteht die Diebe nicht: „Dass sich Angehörige ärgern, ist eine Sache. Aber die Diebe überschreiten eine Grenze und nehmen von den Toten was.“ Nicht selten. „Man hört sehr oft auf Friedhöfen, dass was gestohlen wurde.“ Die Stadt sieht das anders, dort seien in letzter Zeit weder Vandalismus noch Diebstähle gemeldet worden, hieß es von der Pressestelle.

Ermittlungen schwierig

Bei der Polizei ist es ähnlich: „Diebstähle auf Friedhöfen kommen sehr selten vor“, sagt Polizeisprecher Guido Meng. Aber auch er weiß: „Wenn es dazu kommt, dann ist das für die Angehörigen dramatisch.“ Viel tun könne die Polizei nicht: „Wir sind darauf angewiesen, dass Angehörige und Zeugen uns sofort informieren. Wenn jemandem etwas Verdächtiges auffällt, dann sollte er sofort die 110 anrufen.“ Die Ermittlung von Tätern gestalte sich im Nachhinein als schwierig: „Außer verwüsteteten Gräbern finden wir meist nichts.“

Wie viele Diebstähle auf Friedhöfen stattfinden, kann die Polizei nicht angeben: „Wir erfassen das statistisch so nicht.“ Aber Meng räumt ein: „Ich gehe davon aus, dass viele Taten nicht angezeigt werden und die Dunkelziffer sehr hoch ist.“ Der Polizeisprecher weiß, warum Friedhöfe bei Dieben beliebt sind: „Metall wird überall da gestohlen, wo für Diebe kein Entdeckungsrisiko besteht.“ Friedhöfe böten sich an. Nachts herrsche kein Publikumsverkehr und sie hätten viele Nischen und Ecken.

Verstärkt an Autobahnen

Auch Martina Dreier von der Friedhofsgärtnerei Ralf Dreier weiß, dass Friedhöfe bei Kriminellen beliebt sind: „Diebstähle gibt es leider mehr als genug. Vor Weihnachten fing das an. Durchgehend bis Ostern wurde immer wieder was gestohlen.“ Besonders beliebt: Kupferschalen und -vasen. „Es werden zudem komplette Schalen und Sträuße oder einzelne Pflanzen aus Beeten gestohlen.“

Frank Plöger von der Genossenschaft der Friedhofsgärtner kennt das Problem ebenfalls: „Aber bei uns kommt kaum was an. Betroffene wenden sich meistens an den Träger des Friedhofs oder den zuständigen Gärtner.“ Trotzdem weiß Plöger, welche Friedhöfe von großen Metalldiebstählen besonders betroffen ist: „Die finden verstärkt an Autobahnen statt, also dort, wo Täter schnell wegkommen.“ Aufgezogen sei das „bandenmäßig“: „Die kommen mit einem LKW und nehmen keine Rücksicht darauf, ob das ein Friedhof ist und gerade erst eine Beisetzung stattgefunden hat.“
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