Gruß aus Bochum: Industrie und Idylle im Ruhrtal

BOCHUM Während der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts siedelte sich der Großteil der Bochumer Industrie – vor allem die Bergwerke – im Norden der Stadt an. Im Gegensatz dazu entwickelte sich Dahlhausen zu einem der wenigen industriellen Vororte im Süden.

« »
1 von 4
  • Ansichtskarte mt vier Motiven aus Dahlhausen, wie es um 1955 aussah.

    Ansichtskarte mt vier Motiven aus Dahlhausen, wie es um 1955 aussah. Repro: Frank Dengler

  • Über dem Ruhrufer stand hier bis 1972 die Zeche "Dahlhauser Tiefbau".

    Über dem Ruhrufer stand hier bis 1972 die Zeche "Dahlhauser Tiefbau". Foto: Frank Dengler

  • Der Blick vom Horkenstein ins Ruhrtal wäre heute im Sommer nicht mehr erlebbar.

    Der Blick vom Horkenstein ins Ruhrtal wäre heute im Sommer nicht mehr erlebbar. Foto: Frank Dengler

  • Von außen wirkt der alte Bahnhof schöer als 1955, doch leider steht er leer.

    Von außen wirkt der alte Bahnhof schöer als 1955, doch leider steht er leer. Foto: Frank Dengler

Das Gesicht der bereits im Jahr 803 urkundlich erwähnten Ortschaft begann sich seit den 1860er Jahren massiv zu verändern. Hierfür waren drei Faktoren ausschlaggebend: der Beginn des modernen Bergbaus auf der Zeche „Vereinigte Dahlhauser Tiefbau“ 1860, der Anschluss des Ortes an die seit 1863 im Ausbau befindliche Ruhrtalbahn und die Gründung der Fabrik „für feuerfeste Erzeugnisse“ Dr.-C.-Otto 1872. In der Folge entstanden in Dahlhausen zahlreiche Arbeiterquartiere, und die Bevölkerung, die im Jahr 1818 noch aus 387 Personen bestanden hatte, stieg bis 1921 auf 13.000.

Rangierbahnhof mit 36 Gleisen

Ganz unterschiedliche Eindrücke aus Dahlhausen vermittelt die Vierbild-Ansichtskarte aus der Zeit um 1955. Neben einer Ortsansicht mit den Schornsteinen von Dr.-C.-Otto im Hintergrund ist der Bahnhof abgebildet. Es handelt sich um das dritte Stationsgebäude nach einem Provisorium von 1870 und einem 1875 errichteten Nachfolger und wurde zwischen 1913 und 1916 im so genannten „Bergischen Heimatstil“ errichtet.
    
Diente der Bahnhof auch dem Personenverkehr, lag der eigentliche wirtschaftliche Schwerpunkt im Transport von Kohle und anderer Güter. So entwickelte sich bis in die 1950er Jahre in Dahlhausen ein großer Rangierbahnhof mit 36 Gleisen. Hier wurden bis zu 2200 Waggons täglich abgefertigt. Hinzu kam ein eigenes Bahn-Betriebswerk (heute Standort des Eisenbahnmuseums). Der Personenbahnhof blieb bis 1979 in Betrieb, heute befindet sich hinter dem Gebäude ein Haltepunkt der S3 (Oberhausen-Hattingen). Das Gebäude selbst wurde Mitte der 1990er Jahre denkmalgerecht renoviert und erhielt eine Gastronomie. Nach einem Brand 2000 wiederhergestellt, sieht der Bahnhof heute schmucker aus als auf der Ansichtskarte, doch steht er seit Jahren leer, nachdem sich auch eine kulturelle Nutzung dort nicht dauerhaft etablieren ließ.

Idyllischer Blick ins Ruhrtal

Links unten auf der Karte ist die am Ufer der Ruhr gelegene Zeche Vereinigte Dahlhauser Tiefbau zu sehen. Obwohl sie schon über umfangreiche Tagesanlagen verfügte, hatte sie zum Zeitpunkt der Aufnahme noch nicht ihren letzten Ausbauzustand erreicht. Das Fördergerüst über Schacht 2 wurde 1959 nämlich durch eine Turmfördermaschine ersetzt, die mehr als doppelt so hoch war. Heute, 40 Jahre nach dem Abbruch der letzten Zechengebäude, erinnert nur noch eine Infotafel des Bergbauwanderwegs an der Kurve der Lewacker Straße an die einst imposante Anlage.

Das vierte Foto auf der Karte wurde von der Terrasse des Ausflugslokals Horkenstein aufgenommen (siehe Folge 70 unserer Serie im Internet) und zeigt einen idyllischen Blick ins Ruhrtal. Diese Aussicht mit der Pontonbrücke im Hintergrund kann noch immer nachvollzogen werden – allerdings nur zwischen Spätherbst und März, wenn das Laub der inzwischen gewachsenen Bäume nicht die Sicht verdeckt. Ein Ausflug zu den Motiven der Ansichtskarte bietet sich bei schönem Wetter dieser Tage geradezu an.

Das durch Konsolidation einiger älterer Stollenzechen entstandene Bergwerk „Vereinigte Dahlhauser Tiefbau“ begann 1858-60 mit dem industriellen Bergbau. Gefördert wurden nicht Fett-, sondern Mager- und Esskohlen – es handelte sich also um eine typische „Hausbrandzeche“. 1881 wurde hier die erste funktionierende Brikettfabrik des Ruhrgebiets eingerichtet. Ein zweiter Schacht nahm vor 100 Jahren den Betrieb auf. Die höchste Förderung lag im Jahr 1929 bei 480 000 Tonnen Kohle mit einer Belegschaft von 1471 Mann. Die Stilllegung erfolgte 1965, doch wurde Schacht 2 noch bis 1972 von der Zeche Carl Funke in Essen-Heisingen zur Seilfahrt benutzt.
KOMMENTARE

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

?

KOMMENTAR HINZUFÜGEN

Überschrift (max. 70 Zeichen)
Meine Meinung (Noch  Zeichen verfügbar.)
Benutzername
Passwort
Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschließen.
Um sich registrieren zu können, müssen Sie uns mindestens einen Benutzernamen, ein Passwort und Ihre E-Mail-Adresse mitteilen.

gewünschter Benutzername

gewünschtes Passwort

Wiederholung Passwort

E-Mail

Abonummer

Ich bin damit einverstanden, künftig über Neuigkeiten informiert zu werden

Ich habe die AGB gelesen und stimme diesen zu.

Ich habe die Datenschutzerklärung gelesen und stimme dieser zu.

Sicherheitsfrage
Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wie viel ist 60 : 3?