Gruß aus Bochum: Junger Platz mit langer Tradition

BOCHUM Dem Namen nach ist der Tana-Schanzara-Platz gegenüber dem Schauspielhaus zurzeit der jüngste Platz in Bochum, erhielt er seinen Namen doch erst im Juli 2010. An seiner Stelle befand sich jedoch bereits seit mehr als 100 Jahren ein traditionsreicher Vorgänger – der „Westfalenplatz“.

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  • Eine Postkarte von 1914  zeigt die Königsallee inklusive Apollotheater.

    Eine Postkarte von 1914 zeigt die Königsallee inklusive Apollotheater. Repro: Dengler

  • Die gleiche Ansicht heute.

    Die gleiche Ansicht heute. Foto: Dengler

  • Die Postkarte von 1908 zeigt den Westfalenplatz mit Blick auf die Westfälische Straße - und Marktstände im Vordergrund.

    Die Postkarte von 1908 zeigt den Westfalenplatz mit Blick auf die Westfälische Straße - und Marktstände im Vordergrund. Repro: Dengler

  • So sieht der Platz heute aus.

    So sieht der Platz heute aus. Foto: Dengler

  • Der Blick über den Platz in Richtung Jäger- und Clemensstraße auf einer Postkarte von 1915.

    Der Blick über den Platz in Richtung Jäger- und Clemensstraße auf einer Postkarte von 1915. Repro: Dengler

  • Dieses Stück der Königsallee war früher die Jägerstraße, hinten links sieht man die Clemensstraße.

    Dieses Stück der Königsallee war früher die Jägerstraße, hinten links sieht man die Clemensstraße. Foto: Dengler

Bei der Erschließung des Ehrenfelds durch den Bauunternehmer Clemens Erlemann (1865-1937) gehörte der Westfalenplatz mit den umliegenden Straßen zu den frühesten baulichen Maßnahmen. Er wurde ab 1904 mit dreieckigem Grundriss in der Verlängerung der Westfälischen Straße angelegt. Diese, und damit auch der neue Platz, verdankte ihren Namen der benachbarten Eisenhütte „Westfalia“ an der heutigen Hermannshöhe (siehe Folge 38 unserer Serie im Internet). Die beiden anderen Platzseiten wurden von der nach Erlemann benannten Clemensstraße und der Jägerstraße gebildet.

Das neue Wohnviertel

Letztere ist heute ein Teilstück der Königsallee – zwischen Schauspielhaus-Kreuzung und Bahnunterführung. Der Westfalenplatz sollte als Marktplatz für das neue Wohnviertel dienen. Tatsächlich sind auf der Ansichtskarte von 1908 am unteren Bildrand Marktstände zu erkennen. Abgesehen von den frisch gepflanzten Bäumchen ist die Platzfläche nicht weiter gestaltet und noch ungepflastert. Anhand der aufwendigen Gebäudefassaden – auf dieser Karte entlang der Westfälischen Straße – lässt sich jedoch schon erahnen, dass dem Westfalenplatz eine städtebaulich repräsentative Rolle im Ehrenfeld zugedacht war.
    
Die um 1914 entstandene Karte zeigt links einen bereits deutlich aufgewerteten Platz mit bepflanzten Beeten, einem Laubengang und niedriger Umzäunung. Die Perspektive ist diejenige, welche sich heute noch am leichtesten nachvollziehen lässt. Der Blick führt stadtauswärts die Jägerstraße entlang in die Königsallee. Im Hintergrund ist in der Mitte das Apollotheater zu sehen, das bis 1915 zum Stadttheater umgebaut wurde und an dessen Stelle sich heute das Schauspielhaus befindet.

Bei Wiederaufbau verkleinert

Auf dem Westfalenplatz soll es auch eine „öffentliche Bedürfnisanstalt“ und einen Wartepavillon für die Straßenbahn gegeben haben, und einige Partien wurden mit einer Bruchsteinmauer eingefasst, wie die Karte von 1915 mit der Jägerstraße zeigt. Das Gebäude vorne links steht ungefähr an der heutigen Ecke von Königsallee und Oskar-Hoffmann-Straße, rechts biegt ein Straßenbahnwagen in die Clemensstraße ein.

Im Zweiten Weltkrieg wurde der Westfalenplatz mit den umgebenden Häusern größtenteils zerstört. Der anschließende Wiederaufbau brachte umfassende städtebauliche Änderungen mit sich, namentlich die Neugestaltung der Kreuzung von Königsallee, Oskar-Hoffmann-Straße und „neuer“ Hattinger Straße. Dabei wurde der Platz deutlich verkleinert und erhielt einen rechteckigen Grundriss. Durch die Errichtung eines Wohnhauses mit Tiefgarage in den 1970er Jahren reduzierte sich die freie Platzfläche noch weiter.

Umtoste Grünfläche

Somit war vom Westfalenplatz nur noch eine kleine, vom Verkehrslärm der Schauspielhaus-Kreuzung umtoste Grünfläche geblieben, als er schließlich im Jahr 2010 seinen Namen verlor. Als „Tana-Schanzara-Platz“ wartet er noch immer auf eine städtebauliche Aufwertung, die ihm den Platzcharakter zurückgeben könnte. Vielleicht wird dies nach Abschluss der aktuellen Baumaßnahmen an der Oskar-Hoffmann-Straße geschehen?

Die Umbenennung des Westfalenplatzes erfolgte im Juli 2010 in Gedenken an die beliebte Schauspielerin Tana Schanzara (1925-2008). Von 1956 bis zu ihrem Tode war sie mehr als 50 Jahre lang Ensemblemitglied des Schauspielhauses und landesweit eine der bekanntesten Repräsentantinnen des Ruhrgebiets. Eine durch Spenden finanzierte Skulptur der auf einer Bank sitzenden Tana wurde allerdings nicht auf „ihrem“ Platz aufgestellt, sondern direkt am Schauspielhaus auf dem Hans-Schalla-Platz.
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