Zeltfestival Ruhr: Kreisch-Konzert für Panda-Rapper Cro

BOCHUM/WITTEN Ein Königreich für Ohrstöpsel. Nicht, weil die Musik von Rapper Cro die Gehörgänge gequält hätte, sondern weil die Kreischorgien der jungen Mädels und Frauen vor der Bühne in regelmäßigen Abständen die Trommelfälle (über-)strapaziert haben. Es war laut - und pandabärig gut.

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  • Der volksnahe Panda: Cro spielt mit seinem Publikum - und das Publikum spielt mit.

    Der volksnahe Panda: Cro spielt mit seinem Publikum - und das Publikum spielt mit. Foto: Enrico Karolczak / ZFR

  • Der Typ mit der Maske: Cro feiert im ärmellosen T-Shirt auf der ZFR-Bühne.

    Der Typ mit der Maske: Cro feiert im ärmellosen T-Shirt auf der ZFR-Bühne. Foto: Enrico Karolczak / ZFR

Der Mann mit der Panda-Maske hat beim Zeltfestival Ruhr amtlich abgeliefert – und die Zuschauer im Sparkassen-Zelt feierten den selbst ernannten King of Raop wie einen König. Ihren König.

Cro kam auf die Bühne. Kreischalarm. Cro sagte „Hallo“. Kreischalarm. Er trank einen Schluck Wasser. Kreischalarm. Vorne standen die Mädels – und in vielen Fällen warteten die Eltern im Hintergrund auf ihren Nachwuchs. Aber auch die ältere Generation konnte sich dem Charme des Pandas nicht entziehen.

Das Spiel mit dem Publikum

Die Eltern nickten mit dem Kopf, wackelten mit den Knien oder tanzten – manche hoben sogar ihre Arme. Ganz so, wie Cro es sich von seinen Zuhörern gewünscht hatte. Der 20-Jährige spielte mit dem Publikum – und das Publikum spielte mit.
 
    
Dafür, dass es die erste große Headliner-Show des Shootingstars war, wirkte er erstaunlich abgezockt. Er weiß, welche Knöpfe er drücken muss, um gewünschte Reaktionen zu bekommen. Cro flirtete mit den Mädels in der ersten Reihe, verteilte Komplimente – dass die Kreischfraktion nicht der Reihe nach in Ohnmacht gefallen ist, ist eigentlich ein Wunder. Auch das wohl glücklichste Mädchen des Abends hatte sich ihre Aufregung kaum anmerken lassen.

Die Mädels am Ventilator

Maike wurde auf die Bühne geholt, um ein Foto von Cro und seiner Band zu machen. Vorher gab‘s noch eine Umarmung vom Panda – und dann das Mini-Shooting. Zwei weitere Zuschauerinnen durften sich während der Show vor dem Ventilator auf der Bühne abkühlen. „Wenn euch zu kalt wird, müsst ihr Bescheid sagen. Wenn ihr krank werdet, krieg ich Ärger mit meiner Mama“, sagte der Panda. Das Duo war hartnäckig, überglücklich – und augenscheinlich kälteresistent.

Bis Cro nach rund 40 Minuten von der Bühne verschwand, blieben auch die beiden Fans vor dem Ventilator stehen. 40 Minuten? Das war dem Publikum zu kurz – außerdem hatte Cro einige seiner großen Songs noch gar nicht gespielt. Knapp 4200 Zuschauer im ausverkauften Hauptzelt forderten eine Zugabe. Lautstark. Und mit Nachdruck.

Das Beste zum Schluss
 
Der Mann mit der Maske ließ kurz auf sich warten, schickte dann seinen DJ vor – und kam dann selbst zurück ins Scheinwerferlicht. Und wie. Mit „King of Raop“ und „Easy“ hatte er sich das Beste für den Schluss aufbewahrt. Und weil er sich bei „King of Raop“ einmal verhaspelte, startete er das Lied erneut – und ließ einfach seine Fans singen. Arbeitsteilung der anderen Art.
 
Dem Panda gefiel‘s. Den mitsingenden Zuschauern ebenfalls. Lautstärkentechnisch hat es eh keinen Unterschied gemacht. Auch die Zuschauer-Stimmen waren laut und klar – die Akustik im Zelt ließ keine Wünsche offen. Insgesamt stand Cro etwas mehr als eine Stunde auf der Bühne.

"... dass du mich geil findest"
 
Er verteilte Wasser und Handtücher („Die werden blöderweise immer von der Gage abgezogen. Wieder einen Abend umsonst gespielt“) – und bekommt ein Kompliment. Als er sein Publikum bat, sich etwas Schönes vorzustellen und ein junges Mädchen im Publikum fragte, was sie sich vorgestellt habe, antwortete dieses: „Ich hab mir vorgestellt, dass du mich total geil findest.“ Eine ehrliche Ansage. Immerhin.

Ob die Eltern des Mädchens ihren Wunsch mitgehört haben und dabei eventuell kollabiert sind, ist nicht überliefert. Cro hat sich gefreut – und wirkte aller Professionalität zum Trotz kurzfristig verlegen.

Unnötige Extra-Wurst
 
Wenig nachvollziehbar war indes, dass das Management des Künstlers kurzfristig alle Fotografen vom Konzert ausgeschlossen hatte. Etwa drei Stunden vor der Show wurde mitgeteilt, dass keine Fotos von externen (Presse-)Fotografen angefertigt werden dürfen. Lediglich die vom Management freigegebenen Bilder durften im Nachgang der Show benutzt werden. Ob solche Extra-Würste tatsächlich von Nöten sind, darf bezweifelt werden. Immerhin profitiert auch der Künstler selbst von der Arbeit der Fotografen und der Presse vor Ort.
 
Dafür wurden während des Konzerts tausende Handyfotos gemacht und Videos gedreht, die schon wenig später im Internet kursierten. Konsequenterweise hätte Cros Management auch alle Handys einkassieren lassen müssen – so bleibt ein fader Beigeschmack. Auch wenn das Konzert richtig gut war.
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