Bartels-Schule: Bei den Torball-Meisterschaften waren die Schüler mit den Ohren am Ball

APLERBECK Augen hinter dicken Augenbinden, ein Glöckchen im Ball. In der Bartels-Schule fanden die Landesmeisterschaften im Torball statt. Eine Sportart, die nicht nur blinde Schüler anzieht.

  • Die Schüler verteidigen ihr Tor mit vollem Körpereinsatz.

    Die Schüler verteidigen ihr Tor mit vollem Körpereinsatz. Foto: Risto

Obwohl 150 Schüler in der Halle sind, herrscht absolute Stille. Nico ist hochkonzentriert. Seine Augen sind hinter einer blickdichten Brille verborgen. Seine Ohren lauschen dem Klingeln, er folgt ihm mit jeder Bewegung seines Körpers. Das Geräusch ist tückisch, schleicht hin und her. Links, rechts, wieder links - dann rast es plötzlich auf ihn zu.

Nico wirft sich der Länge nach hin, das Klingeln prallt an seinen Fuß und von da harmlos ins Aus. Lauter Jubel brandet auf. Abgewehrt!

Klassenfahrt-Atmosphäre

Nico spielt Torball, schon seit zwei Jahren. Heute ist ein besonderer Tag für den 15-Jährigen und seine Mitspieler Ersel und Ramazan. Die Drei treten als Team bei der Landestorballmeisterschaft der Förderschulen Sehen in der Martin-Bartels-Schule an. Die Konkurrenz ist groß, die Anspannung ebenso, doch die Stimmung in der Halle ist eher Klassenfahrt als Sportarena. Alle haben in den letzten Tagen neue Freunde gefunden, die Gegner von vorhin sind jetzt schon Fans.

  Für die Lehrer bedeutet die Meisterschaft, die zum ersten Mal in Dortmund ausgetragen wird, vor allem erheblichen Organisationsaufwand. Das Turnier läuft über zwei Tage, 150 Schülerinnen und Schüler aus ganz Nordrhein-Westfalen müssen untergebracht, bekocht und unterhalten werden. Die Schule hat dem Turnier darum eine ganze Projektwoche gewidmet.

„Das war ein Riesenspaß“

„Zum Glück haben wir hier ein ganz tolles Kollegium. Alle haben sich eingebracht, organisiert, geschleppt, gekocht, das war eine großartige Gemeinschaftsleistung“ freut sich Schulleiterin Ulrike Witte. Auch Klassenlehrer Markus Berson ist erschöpft, aber glücklich. „Das war ein Riesenspaß, trotz der monatelangen Vorbereitung. Dieser Sport ist ein Aushängeschild der Blinden- und Sehbehindertenbildung.“

Gerade hat er das letzte Spiel gepfiffen, jetzt steht die Siegerehrung an. Für Nico, Ersel und Ramazan hat es nicht für ganz oben gereicht, aber fast. Stolz zeigen sie den Pokal für den dritten Platz in ihrer Altersgruppe herum. „Das waren zwei tolle Tage“, sagt Ramazan, „wir hatten viele Erfolge, ein paar Mal haben wir halt leider verloren.“ Nur Nico ist nicht ganz zufrieden: „Da wäre mehr drin gewesen“, sagt er. Bestimmt im nächsten Jahr.
Torball ist eine Mannschaftssportart, die vor allem von blinden und sehbehinderten Menschen gespielt wird. Ein Spiel dauert zwei mal fünf Minuten. Der Ball ist mit Glöckchen gefüllt, alle Spieler tragen blickdichte Brillen, die Ortung des Balls bei Angriff und Abwehr erfolgt allein durch das Gehör. Drei Spieler pro Seite spielen auf einem 16 mal 7 Meter großen Spielfeld, die Tore nehmen die ganze Spielfeldbreite ein. Die Mannschaften versuchen abwechselnd, den Ball ins gegnerische Tor zu werfen, ohne dabei die drei über das Spielfeld gespannten Leinen zu berühren. In Dortmund gibt es zwei erfolgreiche Torball-Vereine: Den ISC Victoria Kirchderne und den Blinden und Sehbehinderten Sportverein Dortmund (BSSV).
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Autor
Eike Risto
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    8. März 2012, 17:12 Uhr
    Aktualisiert:
    8. März 2012, 17:48 Uhr
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