Harald Schwaiger, Michael Kamp und Richard Saringer: Das Theaterstück "Kunst" im U-Turm

DORTMUND Ein Mann kauft sich ein „weißes Bild mit weißen Streifen“ für 200.000 Francs – und seine zwei Freunde rasten aus. So beginnt das Stück „Kunst“, das Harald Schwaiger, Michael Kamp und Richard Saringer im Kino im U aufführen – Premiere ist am 12. Januar. Wir haben mit ihnen gesprochen.

  • Serge (M., Harald Schwaiger) hat sich ein elend teures Gemälde gekauft und seine Freunde Yvan (l., Richard Saringer) und Marc (Michael Kamp) reagieren sehr unterschiedlich. "Kunst" ist das erste Stück der drei Schauspieler mit ihrem neuen Ensemble "Austropott" selbstständig gemacht haben.

    Serge (M., Harald Schwaiger) hat sich ein elend teures Gemälde gekauft und seine Freunde Yvan (l., Richard Saringer) und Marc (Michael Kamp) reagieren sehr unterschiedlich. "Kunst" ist das erste Stück der drei Schauspieler mit ihrem neuen Ensemble "Austropott" selbstständig gemacht haben. Foto: Tilman Abegg

In einer Probenpause bat Tilman Abegg die Schauspieler um ein paar ihrer Gedanken zum Stück.

Herr Schwaiger, Herr Kamp, Sie spielen das Stück „Kunst“ zum ersten Mal – haben Sie dabei schon etwas über Kunst gelernt?
Michael Kamp: Ich habe gelernt, andere Ansichten akzeptieren zu müssen. Ich war vorher schon ein bisschen eigensinnig. Das mit den anderen Ansichten trifft auch auf die Arbeit am Stück zu: Da haben wir viel diskutiert, wie wir es machen wollen.
Harald Schwaiger: Ich habe gelernt, dass Kunst ohne den Betrachter gar nicht existiert. In einem Kunstwerk kann ich immer nur das sehen, was mit mir persönlich zu tun hat. Das ist nicht nur bei Bildern so, sondern genauso auch bei Theaterstücken.

Man kann nur das sehen, was man kennt?
Schwaiger:
So in etwa. Ein Kunstwerk ist wie ein Spiegel. Das wird in dem Stück wunderbar formuliert.
    
Der Streit, ob etwas wie ein weißes Bild Kunst oder Quatsch ist, ist um die 100 Jahre alt. Kommt Ihre Inszenierung nicht etwas spät?
Schwaiger: Gar nicht. Das ist hochaktuell. Wenn man nur das sehen kann, was für einen selbst wichtig ist, heißt das auch, dass jeder etwas anderes in einem Werk sieht. Das betrifft elementare Fragen bei jeder Art von Kunst.
Kamp: Marc (Michael Kamps Rolle, Anm.d.Red.) sagt an einer Stelle über Kunst: Ich glaube nicht an das Gesetz der Überraschungen. Die Überraschung ist tot, kaum dass sie konzipiert ist.

Kompliziert formuliert...
Kamp:
Ja, ist auch schwer zu lernen (lacht). Aber ich vermute, in diesen Sätzen zeigt sich die Haltung der Autorin Yasmina Reza.

Im Stück streiten Sie sich nicht nur über Kunst...
Richard Saringer:
Nein, die Kunst ist im Stück eigentlich nur Nebenthema.
Schwaiger: Im Zentrum steht die Freundschaft und wie sie unter Druck gerät. Zum Beispiel meine Rolle, der Serge, fühlt sich extrem verletzt von Michaels Figur, die es nicht verstehen kann, warum Serge 200 000 Francs für ein weißes Bild bezahlt.
Saringer: Es geht um die Unfähigkeit von Beziehungen überhaupt. Das zeigt sich auch daran, worüber wir lachen können: Nämlich nur über Dinge, zu denen wir genug Distanz haben. So wie Hitler, der ein großer Charlie-Chaplin-Fan war, über dessen Hitler-Parodie in „Der große Diktator“ überhaupt nicht lachen konnte – im Gegenteil.

In einem Satz: Was ist Kunst?
Saringer:
Nichts, was auf dieser Welt je schön gewesen ist, ist aus einem rationalen Diskurs heraus entstanden.
Kamp: Kunst ist das, was mich dazu zwingt, mich von dem distanzieren zu können, was ich kenne. Anders gesagt: Kunst ist eine Möglichkeit, mich zu verändern.


Weitere Informationen:
  • Zwischen 1999 bis 2010 waren Harald Schwaiger, Richard Saringer und Michael Kamp im Ensemble des Schauspiels. Jetzt haben sie sich als das Ensemble „Austropott“ selbstständig gemacht
  • Souffleuse ist Gitta Kessler, die ebenfalls früher am Schauspiel gearbeitet hat. Bei „Kunst“ arbeitet sie ehrenamtlich
  • Premiere ist am 12. 1. im RWE-Kino im U, weitere Termine: 19.1., 23.2., 2.3.
  • Karten für 17,50 Euro (erm. 13,50) unter Tel. 0177/ 9 39 56 55
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Autor
Tilman Abegg
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    9. Januar 2013, 01:19 Uhr
    Aktualisiert:
    18. Dezember 2013, 11:32 Uhr