Neonazis vor Landgericht: Hirsch-Q-Überfall: Anklage ist ungewöhnlich detailliert

DORTMUND Es war wie immer: Kaum betritt der Neonazi Sven K. einen Gerichtssaal stellt er eine demonstrative Gelassenheit zur Schau. Seit Donnerstag muss sich der vorbestrafte Totschläger wegen eines brutalen Überfalls auf den linken Szene-Treff „Hirsch-Q“ an der Brückstraße vor dem Dortmunder Landgericht verantworten.

  • Jan K.

    Jan K. Foto: Peter Bandermann

Neben Sven K. sitzen neun weitere Mitglieder der Skinheadfront Dorstfeld. Zweieinhalb Jahre nach der Attacke ist die Staatsanwaltschaft davon überzeugt, den einzelnen Beteiligten ihre jeweiligen Tatbeiträge exakt nachweisen zu können.
    
Ungewöhnlich detailliert ist in der Anklageschrift aufgeführt, welcher der Angeklagte dreimal und welcher sechsmal vor die Scheiben der Gaststätte getreten haben soll. Wer später angeblich den auf die Straße gezerrten Gast trat, wer ihn schlug, und wer es war, der den schon am Boden liegenden Mann mit einem Messer am rechten Oberarm und am Oberschenkel verletzte.

Für die Richter wird es nicht leicht werden, das konfuse Geschehen vom frühen Morgen des 12. Dezember 2010 zu durchschauen. Der Angriff dauerte nur wenige Minuten, auf beiden Seiten war jede Menge Adrenalin im Spiel.

"Keine Angaben"

Auf Mithilfe der Angeklagten dürfen die Richter dabei wohl nicht hoffen. Als der Vorsitzende Ulf Pennig die beiden Brüder Sven und Jan K. fragte, ob im weiteren Prozessverlauf mit Angaben zu rechnen sei, ließen beide über ihre Verteidiger kundtun: „Keine Angaben.“ Und die zahlreichen Freunde auf den Zuschauerbänken feixten.
Zum Zeitpunkt des Überfalls war Sven K. gerade erst wenige Wochen wieder in Freiheit. Fünf seiner sieben Jahre Jugendhaft hatte er verbüßt, als er entlassen wurde. 2005 hatte er im U-Bahnhof Kampstraße einen Punk erstochen. Ein politisches Motiv erkannten die Richter seinerzeit nicht.

Auch, als K. ein Jahr später auf dem Weihnachtsmarkt auf zwei türkischstämmige Jugendliche einprügelte, wollten die Richter nichts davon wissen, dass hier ein Neonazi aus Hass auf Ausländer gehandelt haben soll. K. habe zwar eine verfestigte ausländerfeindliche Gesinnung, Auslöser für die Schläge sei jedoch seine Erregung über einen Streit mit seiner Frau gewesen, hieß es damals.
 
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