Neonazis in Dortmund: Polizei: Rechtsextreme sind oft Mehrfach-Kriminelle

DORTMUND Einbruch, Diebstahl, Brandstiftung und Drogenhandel – Neonazis in Dortmund sind kriminell aktiver als bislang angenommen. Derweil gab es von prominenter Stelle Lob für das Dortmunder Engagement gegen den Rechtsextremismus.

  • Der durchschnittliche Neonazi fällt durch mehr als politisch motivierte Verbrechen auf.

    Der durchschnittliche Neonazi fällt durch mehr als politisch motivierte Verbrechen auf. Foto: Dieter Menne

Im vergangenen Jahr gingen 68 von 310 Straftaten im Neonazi-Milieu auf das Konto von nur sieben Rechtsextremisten. Die Zahl der Straftaten ist zwischen 2011 und 2012 um nur einen Fall auf 310 angestiegen.

Doch seit die Anfang des vergangenen Jahres gegründete Sonderermittlungsgruppe die von Rechtsextremisten begangenen Straftaten neu sortiert, steht fest: Der inzwischen verbotene „Nationale Widerstand Dortmund“ ist ein eigenartiges kriminelles Milieu. Die Polizei spricht von „Intensivtätern“.

Propaganda-Delikte dominieren

Volksverhetzung, Hakenkreuze, der Hitlergruß und Körperverletzung – das Bild vom einschlägig vorbestraften Neonazi muss überarbeitet werden. Die Polizei konnte den Intensivtätern in Dortmund auch Sachbeschädigung, Nötigung, Bedrohung, Beleidigung, Widerstand, Landfriedensbruch und – in nur einem Fall – sogar Drogenhandel nachweisen.

Mit 190 Fällen dominieren Propaganda-Delikte wie Hakenkreuz-Schmierereien die Statistik. 2011 waren es 21 Fälle weniger.

"Back Up" betreut in Dortmund 50 Gewalt-Opfer
 
Die Zahl der Gewalttaten (2012: 25) ist zwar deutlich kleiner, doch solche Delikte haben schlimmere Folgen für die Opfer. Claudia Luzar von der Opferberatungsstelle „Back Up“ deutet eine hohe Dunkelziffer an: „Uns sind weitere Fälle bekannt, die aus Angst nicht angezeigt worden sind.“

Back Up betreut zurzeit 50 Opfer in Dortmund. Auch diese Zahl ist gestiegen. 

Lob von der Bundesregierung

„Wir sind mit ausführlichen Informationen ausgestattet worden. Hier wird gründlich analysiert“, sagte Ex-Bundesminister Wolfgang Tiefensee als Vorsitzender des Vereins "Gegen Vergessen – Für Demokratie" auf einer Konferenz im Rathaus im Video-Interview mit unserer Redaktion (siehe Video links neben diesem Text).
    
Ausdrücklich erwähnte er die Repressionen „gegen bestimmte Tendenzen“. „Davon können sich viele eine Scheibe abschneiden“, lautet auch das Fazit des Menschenrechtsbeauftragten der Bundesregierung, Markus Löning, zum Engagement in Dortmund.

Hilfe in Dortmund

  • Das Landeskriminalamt zählte im vergangenen Jahr 3024 Straftaten aus dem Bereich „politisch motivierte Kriminalität Rechts“ (darunter 192 Gewalttaten).
  • „Back Up“ unterstützt Opfer rechtsextremistischer Gewalt seit 2011 in Dortmund. Die Berater begleiten die Opfer vor Gericht und bei der Polizei. Kontakt: Tel. (0231) 53 20 09 40.




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