Rechtsradikale Gewalt: Kneipe Hirsch-Q schon wieder von Neonazis überfallen

DORTMUND Die Angreifer waren wieder Neonazis, die Opfer waren wieder Gäste der Kneipe Hirsch-Q in der Innenstadt: In der Nacht zu Samstag ist die rechtsradikale Gewalt in Dortmund erneut aufgeflammt. Sechs Angreifer wurden festgenommen - sie hatten Waffen dabei.

  • Die Kneipe ist in der Vergangenheit mehrfach von Neonazis überfallen worden und musste zwischenzeitlich aus Sicherheitsgründen geschlossen werden.

    Die Kneipe ist in der Vergangenheit mehrfach von Neonazis überfallen worden und musste zwischenzeitlich aus Sicherheitsgründen geschlossen werden. Foto: Peter Bandermann (Archiv)

Nach Angaben der Polizei haben etwa zehn Personen des "rechten Spektrums" die Gaststätte HirschQ in der Brückstraße überfallen. Die Angreifer kamen in der Nacht zu Samstag um kurz nach 1 Uhr. Die Rechtsradikalen hätten sich vor dem Eingang der Gaststätte aufgestellt und die Gäste bedroht und provoziert. Daraufhin sei es zu körperlichen Auseinandersetzungen gekommen, bei der ein Angreifer eine leichte Verletzung davontrug. Informationen über weitere Verletzte lagen am Samstagmorgen zunächst nicht vor.

Schreckschusswaffe und Messer

Die alarmierte Polizei konnte weitere Angriffe verhindern und sechs mutmaßliche Täter festnehmen. Bei den Angreifern wurden eine geladene Gas- oder Schreckschusswaffe, Quarzhandschuhe sowie zwei Faustmesser sichergestellt. Die Staatsschutz-Abteilung der Polizei hat Ermittlungen aufgenommen. Die sechs festgenommenen Personen wurden nach Feststellung der Personalien wieder entlassen, da gegen sie "kein Haftgrund vorliegt", so die Polizei. Gegen sie wird weiter ermittelt.

Zeugen werden dringend gebeten, sich mit der Kriminalpolizei unter Tel. (0231) 132-7441 in Verbindung zu setzen.

Die Kneipe Hirsch-Q in der Nähe des Konzerthauses an der Brückstraße war schon mehrfach Ziel von Neonazi-Angriffen und musste zwischendurch aus Sicherheitsgründen geschlossen worden.

    

Brutaler Angriff im Dezember 2010 - Prozess ruht

Einer der brutalsten Angriffe ereignete sich am 12. Dezember 2010. Zehn Neonazis der "Skinheadfront Dorstfeld" hatten versucht, die Fensterfront und eine Tür einzutreten. Sie konnten einen Hirsch-Q-Besucher aus dem Eingang ziehen und traten mit Springerstiefeln auf den Kopf des wehrlos am Boden liegenden Opfers ein.

Einer der Angeklagten soll dreimal mit einem Messer auf den Gast eingestochen haben. Unter den Beschuldigten: Der bereits wegen Totschlags und zurzeit wegen gefährlicher Körperverletzung gegen ausländische Jugendliche angeklagte Sven K.

Zwei Jahre nach der Tat ruht der Prozess - weil das Landgericht überlastet ist.
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