Dortmunder Szene: Zahlreiche Aussteiger nach Nazi-Verboten

DORTMUND/DÜSSELDORF Nach dem Verbot des rechtsextremen „Nationalen Widerstands“ Dortmund und weiterer Nazi-Kameradschaften in Hamm, Köln, Aachen und Wuppertal durch NRW-Innenminister Ralf Jäger ist die Zahl der Aussteiger aus der Szene im vergangenen Jahr stark angestiegen.

  • Im August 2012 hatte NRW-Innenminister Ralf Jäger die Gruppe "Nationaler Widerstand" verboten. Deshalb wurden anschließend auch mehrere Neonazi-Demonstrationen in Dortmund untersagt.

    Im August 2012 hatte NRW-Innenminister Ralf Jäger die Gruppe "Nationaler Widerstand" verboten. Deshalb wurden anschließend auch mehrere Neonazi-Demonstrationen in Dortmund untersagt. Foto: Dieter Menne

Der Verfassungsschutz betreut zur Zeit 40 junge Männer und Frauen, die dem Druck der gewalttätigen Kameradschaften entkommen konnten. 2011 waren es etwa 20.

Enge Betreuung durch Verfassungsschutz
 
„Etliche Neonazis wollen aus der Szene aussteigen, weil die Zukunftsperspektiven für sie nicht gerade rosig sind“, so der Pressesprecher des Innenministeriums, Ludger Harmeier, am Sonntag auf Anfrage. Die meisten Aussteiger hätten zuvor eine Haftstrafe abgesessen.
    
Die enge Betreuung durch Mitarbeiter des Verfassungsschutzes sei ihre einzige Perspektive. Der organisierte Ausstieg sei langwierig. Harmeier: „Wir müssen die Aussteiger vor der Szene schützen und individuell analysieren, welche Hilfe sinnvoll ist.“ Dazu können ein Wohnortwechsel oder Ausbildungs- und Arbeitsplatz-Angebot gehören. Der Ausstieg ist nicht ungefährlich: Ein Ex-Mitglied der Naziszene ist in einer NRW-Stadt zusammengeschlagen worden.
 
Über die Zahl der betroffenen Dortmunder konnte das Ministerium am Sonntag keine genauen Angaben machen. Der Dortmunder Fachhochschule-Professor für Politikwissenschften, Dr. Dierk Borstel, sagte, dass die Zahl 40 NRW-weit „überraschend und erfreulich hoch“ sei.
KOMMENTARE

Die Diskussion wurde geschlossen.