Lebenstein-Biographie "The Gazebo" auf Englisch erschienen

HALTERN Eines der sicherlich dunkelsten und bewegendsten, aber auch gleichzeitig hoffnungsvollsten Kapitel Halterner Geschichte gibt es jetzt als Buch: Alexander Lebenstein hat seine Lebensgeschichte aufgeschrieben.

  • <p>Dieses Foto zeigt den sechsjährigen Alexander vor der Gartenlaube mit seinen Schwestern Rose (l.) und Alice (r.) sowie zwei Nachbarn.  Repro Kirschenbaum</p>

    <p>Dieses Foto zeigt den sechsjährigen Alexander vor der Gartenlaube mit seinen Schwestern Rose (l.) und Alice (r.) sowie zwei Nachbarn. Repro Kirschenbaum</p>

Gemeinsam mit dem Autor Don Levin veröffentlichte der Ehrenbürger der Stadt und Namensgeber der Realschule unter dem Titel "The Gazebo" (Die Gartenlaube) seine Autobiografie in den USA. Über zwei Jahre und in unzähligen Sitzungen erzählte der heute 81-Jährige dem Autor seine Odyssee von Haltern bis nach Richmond, Virginia, in den Vereinigten Staaten. Am 3. November 1927 in Haltern geboren, verlebte Lebenstein eine, wie er selbst sagt, geschützte Kindheit - bis zur Pogromnacht.

Pogromnacht in der Laube  

Diese Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 verbrachte er in der Gartenlaube seiner Familie, die an der Grabenstiege stand. Drei Tage lang mussten sich er und seine Familie dort vor der organisierten und gelenkten Zerstörung verstecken. Danach kamen sie in ein Halterner Judenhaus. Im Januar 1942 wurden sie schließlich nach Riga deportiert.   

    
Dort starb sein Vater. Seine Mutter wurde in einem Wald nahe Riga von den Nazis erschossen. Alexander Lebenstein überlebte dagegen mehrere Arbeitslager und das Konzentrationslager Stutthof. 1945 wurde er schließlich von den Russen befreit. Lebensteins Schwester, die bereits 1939 in die USA flüchten musste, riet ihm, auch in die Vereinigten Staaten zu kommen. 1947 erreichte er Richmond, Virginia. Er hatte mit Deutschland abgeschlossen und wollte nichts mehr damit zu tun haben - bis er Post von zwei Schülerinnen aus Haltern erhielt und 1995 das erste Mal wieder in seine Heimatstadt zurückkehrte.

Vom Opfer zum Botschafter für Versöhnung

Das Buch schildert die Wandlung Lebensteins von einem Opfer des Naziregimes zu einem Botschafter der Versöhnung und Lehrer für Toleranz. "Man muss es gelesen haben, um die Geschichte und vor allem den Menschen Alexander Lebenstein voll erfassen zu können", erklärt sein Freund Erwin Kirschenbaum, der das Buch bereits besitzt. Der Titel des Buches "Die Gartenlaube", da ist sich Erwin Kirschenbaum sicher, zeige, wie verwurzelt er noch immer mit Haltern sei. Auf der einen Seite ist die Laube Spielplatz, wo Lebenstein mit der Familie zusammen kam, auf der anderen ein Unterschlupf und Schutz vor Angst und Terror - ein Stück Kindheitserinnerung, das von den Nazis zerstört wurde.

Autor Don Levin

Autor Don Levin hat die Erzählungen Lebensteins in den 28 Kapiteln nicht in ein wissenschaftliches Korsett gezwängt. Vielmehr behält er den Erzählstil von Lebenstein bei und gibt somit sehr häufig genau das wortwörtlich wieder, was tausende von Halterner Schülern bereits so fasziniert hat. Begreifbar werden so die schrecklichen Ereignisse, die Lebenstein in seinem Leben zu ertragen hatte und die ihn für immer veränderten.

Er erinnere die Schüler immer daran, "dass sie die letzte Generation ist, die die Möglichkeit hat, einen Überlebenden des Holocaust zu treffen, und die historische Darstellung aus seinem Mund zu hören", sagt Alexander Lebenstein selbst im Vorwort seines Buches. Doch nun sei sein Leben "für immer auf Papier fest gehalten", begründet er den Schritt, eine Autobiografie zu schreiben. Alle Leser könnten nun Schlüsse aus diesem Horror ziehen und Toleranzgrundsätze lernen, die in der heutigen beunruhigenden Welt zum Einsatz kommen.


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