Interview: Michael Weiand erläutert Ziele der Alexander-Lebenstein-Stiftung

HALTERN Die Realschule erbte von Alexander Lebenstein 30 000 Dollar, um ihr Programm gegen Rassismus und Intoleranz fortzusetzen. Angelegt ist das Geld in einer Stiftung. Zu welchem Zweck? Schulleiter und Stiftungs-Beirat Michael Weiand steht Rede und Antwort.

  • Schulleiter Michael Weiand.

    Schulleiter Michael Weiand. Foto: Elke Rüdiger

Hatte Alexander Lebenstein seinen Nachlass an die Bedingung geknüpft, eine Stiftung zu gründen?
Nein, Alexander Lebenstein hat in seinem Testament festgelegt, dass unsere Schule zweckgebunden 30 000 Dollar erbt. Die Verfügungsgewalt wies er mir zu. Ich war total überrascht. In dem Brief seines Sohnes David an mich heißt es u.a.: In Übereinstimmung mit den Wünschen meines Vater akzeptieren Sie bitte dieses großzügige Vermächtnis. Es war der liebevollste Wunsch meines Vaters, dass dieses Geld – das Ergebnis von vielen Stunden des Leidens, des Bluts, des Schweißes und der Tränen – dazu verwendet wird, um die Realschule und ihre gute Arbeit weiterhin zu unterstützen. In einem kleinen Team haben wir dann überlegt: Wie gehen wir mit dem Geld um?

Zu welchen Ergebnissen kam das Team?
Zunächst einigten wir uns darauf, einen Katalog mit Kriterien festzulegen und diesen durch die Schulkonferenz beschließen zu lassen. Wir spürten eine unglaubliche Verantwortung. Dann kam die Anregung der Bürgerstiftung Halterner für Halterner, das Erbe in einer Stiftung anzulegen. Beate Mertmann und Gerd Koop boten die Ausarbeitung einer Satzung sowie die kostenlose Verwaltung der neuen Stiftung an. In unseren Gremien stieß diese Idee auf breite Zustimmung, der Konsens war mir sehr wichtig.

Für einen Namensfonds benötigt man 25 000 Euro Stiftungskapital, reichte das Erbe?
Der Dollarkurs stand im letzten Jahr schlecht, wir hatten nicht genügend Geld. Aber es gab sofort Zustiftungen, damit wir die Alexander-Lebenstein-Stiftung ins Leben rufen konnten. Am 25. November 2010 fand die Vertragsunterzeichnung statt. Das war eines der unglaublichsten Ereignisse im Schuljahr 2010/11.

Aus welchen Personen setzt sich der Beirat zusammen?
Ich bin auf Lebenszeit Mitglied, außerdem gehört der Schulleiter als ständiges Mitglied dem Beirat an, eine dritte Person kann dazu kommen. Diese Person ist bis jetzt nicht benannt. Das könnte sich ändern, wenn Frank Cremer im Sommer als neuer Schulleiter meine Stelle übernimmt.

Welche Zwecke verfolgt die Stiftung?
Die Stiftung verfolgt mehrere Ziele, unter anderem die Durchführung von Projekten und Initiativen, die zur Überwindung von Diskriminierung und Rassismus beitragen. Außerdem fördert sie wiederkehrende Projekttage zum Erinnern an den Holocaust und trägt Initiativen, die zur Verständigung aller Menschen und Kulturen beitragen. Die Stiftung möchte insgesamt das Bewusstsein für Toleranz und gegenseitige Achtung ein Leben lang bewahren helfen. Damit verfolgen wir die Zielsetzung von Alexander Lebenstein.

Was wird, wenn die Schullandschaft sich verändert und es die Realschule möglicherweise nicht mehr gibt?
Dann bleibt der Name Alexander Lebenstein zumindest in der Stiftung ewig präsent. Dieser Name darf nicht in Vergessenheit geraten. Über seinen Namen werden wir immer wieder an die Gräuel der Geschichte erinnert. Geschichte bleibt durch die Stiftung lebendig, selbst über lange zeitliche Perioden hinweg.

Sie sind sehr gerührt, wenn Sie von Alexander Lebenstein sprechen. Was hat er Ihnen bedeutet?
Wir haben uns als Freunde verstanden, besonders seit der Verleihung der Ehrenbürgerschaft an Alex. Das letzte Telefongespräch kurz vor seinem Tod hat er mit mir geführt, bereits in dem Bewusstsein, dass er sterben würde. Wir hatten ein unglaublich offenes Verhältnis.

Alexander Lebenstein genoss viele Sympathien in Haltern. Deshalb wären sicherlich Bürger auch gern bereit, die Stiftung zu unterstützen. Wie können sie sich einbringen?

Zustiftungen und eine ideelle Begleitung sind immer herzlich willkommen, eine aktive Teilhabe ist nur durch den Besuch unserer Projekte oder Aktionen möglich. Dem Holocaust-Gedenkmarsch beispielsweise schließen sich immer mehr Bürger an, während sie uns am Anfang nur kritisch, versteckt hinter Gardinen, beäugt haben. Im Übrigen ist jederzeit nach Absprache mit uns ein Besuch des Waggons möglich. Wir berichten auch immer gern von unserer Arbeit gegen das Vergessen. Generell sage ich: Mir ist lieber, viele Bürger geben kleine Spenden als wenige Bürger große Spenden.

Wozu wird die Alexander-Lebenstein-Stiftung beitragen?
Es wird kein Schüler die Realschule verlassen, ohne zu wissen, welche Gräueltaten im „Dritten Reich“ geschehen sind. 
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