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Medienhaus Lensing
THEMATheater in der Region
06.02.2012 13:20 Uhr
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"Der Mann, der die Welt aß": Protokoll, wie ein Leben vor die Wand fährt

CASTROP-RAUXEL Der Job ist futsch, das Geld geht aus. Der Vater gleitet in die Demenz, die Beziehung zu Frau und Kindern verunfallt zum Trauerspiel. Dem Mann ohne Namen steht das Wasser bis zum Hals.Von Kai-Uwe Brinkmann

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Bülent Ödil als Sohn (l.) mit Jürgen Mikol.  (Foto: Beushausen)

Wie fühlt es sich an, wenn das Leben zur Falle wird? Nis-Momme Stockmanns "Der Mann, der die Welt aß", am Sonntag am Westfälischen Landestheater gespielt, jagt seinen verzweifelten Helden durch einen Stresstest, an dessen Ende Kollaps oder Klinik stehen müssten. Oder Schlimmeres.

Stresstest für den Helden

Wie fühlt es sich an, wenn das Leben zur Falle wird? Nis-Momme Stockmanns „Der Mann, der die Welt aß“, am Sonntag am Westfälischen Landestheater gespielt, jagt seinen verzweifelten Helden durch einen Stresstest, an dessen Ende Kollaps oder Klinik stehen müssten. Oder Schlimmeres.

Wir erfahren es nicht. Was wir sehen, ist der Weg in die Katastrophe, nicht die Katastrophe selbst. Das Stück protokolliert, wie ein Leben vor die Wand fährt. Irritationen schaukeln sich zu Krisen hoch. Überall brennt es - nirgends Halt oder wenigstens Entspannung.

Große Kunst

Ein kluges, ein phänomenales Stück. Ausgefuchstes Psycho-Theater, das die großen Wehwehs unserer Zeit auflichtern lässt. Alzheimer, Depression, Vereinzelung, Ich-Fixierung, Kontaktgestörtheit. Wie jeder gute Autor fühlt Stockmann einer Gesellschaft auf den Zahn, schafft es aber, den Befund auf eine Familie zu projizieren. Ohne, dass es geschraubt wirkt, das ist die Kunst!

Der Druck, der auf diesem Sohn (ganz stark: Bülent Özdil) lastet, ist mit Händen zu greifen. Frau (prima: Julia Gutjahr) und Kinder hat er verlassen, kürzlich seinen Job geschmissen.

Party-Piste

Über die goldene Brücke, die die Chefin ihm baut, will der Dickkopf nicht gehen. Und jetzt noch sein "alter Herr" (rührend verloren: Jürgen Mikol), der Wirres quasselt und geistig abbaut. Der Bruder (Roni Merza) ist keine Hilfe, er ist auf der Party-Piste versackt. Vor allem Özdil und Gutjahr spielen quälend intensiv. Unser Mit-Leiden nimmt Zuflucht zu bitteren Lachern, wenn Tragik auf Groteskes trifft. Dramaturgisch fein dosiert.

Das Ensemble scheint von Regisseur Ralf Ebeling zur Hochleistung angestachelt, Hut ab! Ausstatter Jeremias Vondrlik hat eine schön funktionale Drei-Kammer-Bühne gebaut. Rechts und links laufen Videos der ewigen Telefonitis, noch eine Volkskrankheit. Ein großer Abend am WLT.

Termine: 21.-24.3., 10.-12.4., Karten: Tel. (023 05) 97 80 20.
www.westfaelisches-landestheater.de


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