Fußball-EM
Public Viewing in der Region
Wo zwischen Ruhrgebiet und Münsterland die Spiele über die Leinwand flimmern. mehr...
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Hamburg (dpa) Kleopatra war anders. Nicht die große Buhle, sondern eine kluge Staatsfrau von hoher Bildung. Nicht die Schlange vom Nil, sondern eine begnadete Selbstdarstellerin bis in den selbst gewählten Tod hinein. Haben sie und ihre beiden treuesten Dienerinnen sich wirklich durch den Biss einer Kobra vergiftet?
Undatierter Stich der ägyptischen Königin Kleopatra VII., genannt die Große.
Das macht sich gut, da die Kobra das heilige Tier der Göttin Isis war und Kleopatra sich für deren Verkörperung auf Erden hielt: Isis stirbt durch Isis und geht so in die Ewigkeit ein, ein schönes Bild. Nur leider völlig falsch, so eifrig Kleopatras Ärzte diese Version nach ihrem Tod auch verbreiten sollten.
Kleopatra-Biograf Christoph Schäfer kam rasch zu einem anderen Schluss: Es kann kein Schlangenbiss gewesen sein. Ein solcher Tod wäre zu unsicher, zu lange und zu qualvoll gewesen. Außerdem hätte das Gift im Tod Kleopatras Schönheit zerstört. Es muss anderes im Spiel gewesen sein.
Hierüber hielt der Althistoriker im Hamburger Übersee-Club einen Vortrag, und zwei Besucher hörten besonders fasziniert zu: TV- Archäologin Gisela Graichen und Hasso Scholz, Pharmakologe, Toxikologe und Graichen-Berater bei vielen früheren Projekten. «Mich hat besonders der Gedanke überzeugt, es könnten unmöglich gleich drei Frauen zugleich an Schlangenbissen gestorben sein», sagt Scholz.
Gisela Graichen war wiederum von einem anderen Aspekt beeindruckt: «Man sieht an diesem populären Beispiel, dass gezielte Desinformation der Öffentlichkeit nicht erst eine Erfindung der Moderne war.» Die Idee zu einem Film war geboren. Am 30. Juni wird er im ZDF in der Reihe «Abenteuer Wissen» (22.15 Uhr) gezeigt: «Kleopatras Tod. Wie starb die letzte Pharaonin wirklich?»
Gisela Graichen schrieb das Drehbuch, Christoph Schäfer brach mit dem Filmteam in Kleopatras einstige Metropole Alexandria auf und besuchte in Frankfurt den bekannten Toxikologen Dietrich Mebs. Sein Schluss: Ägyptens Königin hat allem Anschein nach sich und ihre Dienerinnen in einen Opium-Schlaf versenkt. Dazu nahmen die drei Frauen einen Gifttrank aus Schierling und Eisenhut zu sich. Nicht durch Injektion, wie Schäfer noch in seinem Buch vermutet hatte. Davon ist er inzwischen wieder abgerückt: «Injektionsnadeln für solche Dosierungen gab es damals noch nicht» (Gisela Graichen).
Das letzte Kapitel der Kleopatra-Geschichte muss also neu geschrieben werden. Und manche Anekdote auch. So die von Fritzi Massary, der Super-Diva der 20er Jahre. Der war die Rolle der Kleopatra angeboten worden, aber sie lehnte ab. Weil sie einen unfreiwilligen Lacherfolg fürchtete, wenn sie sich in der letzten Szene die Schlange an den etwas schwer geratenen Busen drücken würde.
Darüber muss auch Hasso Scholz herzlich lachen: «Gerade der Busen mit allem Gewebe ist der am wenigsten geeignete Körperteil, um sich durch einen Schlangenbiss zu töten.»

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