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Berlin (dpa) Badehose trägt James Bond nicht mehr, Muskeln hat er immer noch. Daniel Craig hat in «Casino Royale» die Rolle des berühmten Agenten revolutioniert, jetzt kommt seine zweite Mission in die Kinos.
James Bond (Daniel Craig) und die Agentin Fields (Gemma Arterton)
Auf technischen Spielkram, den richtigen Drink und Miss Moneypenny verzichtet dieser Bond. Craig hat mit seinen stahlblauen Augen auch nicht mehr den Verführercharme eines britischen Gentleman, sondern ist ein kantiges Muskelpaket im Kampf gegen das Böse. «Ein Quantum Trost», der am Mittwochabend in London Weltpremiere feierte und am 3. November in Berlin Deutschlandpremiere hat, knüpft an den Vorgänger an und beginnt inhaltlich dort, wo «Casino Royale» vor zwei Jahren aufhörte. Bond will diesmal herausfinden, wer hinter dem Verrat an seiner großen Liebe Vesper steckt.
Dies nimmt der gebürtige deutsche Regisseur Marc Forster («Monster's Ball») als Ausgangspunkt, um 007 um die halbe Welt zu schicken. Der Agent kämpft in «Bond 22» einmal mehr an unterschiedlichsten Schauplätzen weltweit - mal in Italien, mal in Haiti, dann wiederum in Bolivien oder bei einem Opernabend in Bregenz, für den Regisseur Forster 1000 Statisten in Abendkleidung steckte. Selbst wenn «Ein Quantum Trost» dabei mit gerade einmal 103 Minuten der kürzeste Bond-Film aller Zeiten ist, so ist die Geschichte im Detail doch recht komplex.
Nach einigen Verwicklungen kommt Bond dem rücksichtslosen Geschäftsmann Dominic Greene (Mathieu Almaric) auf die Spur. Greene engagiert sich zwar nach außen für den Umweltschutz. In Wahrheit jedoch ist er treibende Kraft der Organisation «Quantum» und betreibt im Geheimen damit schmutzige Geschäfte. Er will die Natur Boliviens aus dem Gleichgewicht bringen, eine Dürre erzeugen und so viel Geld in die eigenen Taschen spülen lassen.
Mathieu Almaric, der zuletzt als fast vollständig gelähmter Journalist und Lebemann in «Schmetterling und Taucherglocke» zu sehen war, trumpft dabei als Bonds ebenbürtiger Gegenpart auf. Dieser Widersacher ist ein unberechenbarer Geschäftsmann auf globalem Parkett und erwartungsgemäß nicht leicht zu greifen. Zu geschickt wickelt er mit Hilfe seines Assistenten Elvis (gespielt vom Wahl- Berliner Anatole Taubman) immer mehr Mitspieler um seine Finger, so dass seine Ziele und Geschäfte erst nur schwer zu durchschauen sind. In gewisser Weise wird «Ein Quantum Trost» so zum Spiegel der Unsicherheiten unserer Zeit, in der die Grenzen zwischen Gut und Böse längst nicht mehr so klar verlaufen wie während des Kalten Krieges.
Auch mit seinen inneren Konflikten erinnert Bond mehr an moderne Filmhelden wie etwa kürzlich Batman in «The Dark Knight». Der Verlust seiner Liebe Vesper nagt an 007 und treibt ihn fast manisch voran, so dass er sich irgendwann sogar den Anweisungen seiner Chefin M. (Judi Dench) widersetzt und den Mörder Vespers auf eigene Faust jagt. Unterstützt wird er dabei von dem neuen Bond-Girl Camille (Olga Kurylenko), die ebenfalls nach persönlicher Rache sinnt.
Bis zum Showdown in der Flammenhölle bietet «Ein Quantum Trost» aber natürlich zahlreiche, extrem schnell geschnittene Actionszenen. Ob Bond in schwindelerregender Höhe von Dach zu Dach springt, mit einem kleinen Fischerboot atemberaubende Stunts vollführt oder gleich in der Eröffnungssequenz über enge, kurvige Straßen am Berghang rast - stets wirken diese Verfolgungen authentisch und handgemacht und lassen Craigs Körpereinsatz sowie seine Verletzungen während des Drehs erahnen. Dabei wirkt «Ein Quantum Trost» zwar streckenweise etwas zu glatt poliert, dem Vergnügen als rasantes, cleveres und zeitgemäßes Actiondrama steht das aber nicht im Weg.

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