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Andreas Heiermann im Interview: „Der BVB hat große Ziele. Das bedeutet auch Veränderung“

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Der BVB treibt die Planungen für die kommende Saison intensiv voran. Gleichzeitig will er die aktuellen Ziele nicht aus der Augen verlieren. Ein schwieriger Spagat, sagt Andreas Heiermann.

Dortmund

, 09.02.2019 / Lesedauer: 6 min

Die 23:29-Niederlage gegen die SG BBM Bietigheim am Mittwoch hat es noch einmal verdeutlicht: Den Handballerinnen von Borussia Dortmund fehlt noch ein gutes Stück bis zur absoluten Bundesliga-Spitze. Doch der Verein arbeitet intensiv daran, den Anschluss zu schaffen. Im Sommer steht daher ein „gewaltiger Umbruch“ an, wie Abteilungsvorstand Andreas Heiermann im Interview mit Oliver Brand erklärt.

Herr Heiermann, Borussia Dortmund stellt gerade die Weichen für eine noch erfolgreichere Zukunft. Die Spielergeneration, mit der sich der Verein in der Bundesliga etabliert hat, könnte im Sommer zumindest in großen Teilen Abschied nehmen. Ist es eine der schwierigsten Phasen in Ihrer Zeit im Verein?

So konkret würde ich das vielleicht gar nicht sagen. Meine Zeit beim BVB kann man ganz gut in vier verschiedene Phasen einteilen.

Wie sehen diese aus?

Als ich hier vor zwölf Jahren angefangen habe, ging es erst mal darum, die Abteilung zu retten. Das war eine Herkulesaufgabe, die wir dank der Unterstützung des Vereins, allen voran von Dr. Reinhard Rauball, zum Glück auch geschafft haben. Das war die erste Phase. Die zweite und dritte waren der Aufstieg und das Schaffen von Voraussetzungen, sich in der ersten Liga auf Dauer zu etablieren.

Wenn Sie zurückblicken, wer war neben Reinhard Rauball noch wichtig für Sie?

Natürlich muss ich auf Trainerseite Gustl Wilke nennen, der mich auch als Mensch geprägt hat. Eine wirklich große Unterstützung war auch Ildiko Barna. Sie ist mit uns aufgestiegen, hat namhafte Spielerinnen zum Verein geholt. Spielerinnen wie Clara Woltering, Svenja Huber, Anne Müller oder Nadja Mansson, allesamt mehrfache Nationalspielerinnen, nach Dortmund zu holen, war damals schon eine große Nummer. Und das ist ja genau das Thema, das uns ja auch jetzt wieder trifft.

Sie spielen auf den Umbruch im Sommer an. Die Spielerinnen, die Sie gerade genannt haben, könnten dabei eine größere Rolle einnehmen und im kommenden Jahr nicht mehr beim BVB sein…

Das ist uns natürlich bewusst – und zwar nicht erst seit heute. Das ist die nächste Aufgabe, die vierte Phase, die wir nun angehen werden: Wir haben große Ziele. Und das bedeutet auch Veränderung.

Wir haben große Ziele. Und das bedeutet auch Veränderung.

Was heißt das für den Verein und die Spielerinnen?

Dass uns da eine große Aufgabe bevorsteht, über die man jetzt sprechen muss. Natürlich haben wir bereits Neuverpflichten getätigt, die ganz wichtig sind für die Zukunft. Und es werden ja auch noch weitere folgen. Aber wir haben trotz aller Planungen auch noch Aufgaben vor der Brust – und zwar in dieser Saison. Wir wollen uns für das internationale Geschäft qualifizieren.

Nadja Mansson hat sich gegen Halle-Neustadt schwer verletzt und wird wohl kein Spiel mehr machen in dieser Saison…
Das ist bitter und traurig. Für uns, vor allem aber für Nadja Mansson selbst. Ihre ganze Saison ist ja schon verkorkst. Auch bei ihr gilt, sollte sie in der kommenden Saison nicht mehr unser Trikot tragen, dass wir ihr einen vernünftigen Abschluss verschaffen wollen. Umso bitterer ist ihre Verletzung.

Die ein oder andere, die schon seit Jahren dabei ist, wird sicherlich von sich aus beim BVB aufhören. Andere vielleicht nicht. Wie schwierig ist der Spagat zwischen Zukunft und Gegenwart?

Es ist eine große Herausforderung. Ich versuche mich, in die Lage der Betroffenen zu versetzen. Wie fühlt sich eine Spielerin, die jahrelang von anderen Vereinen begehrt war und tolle Angebote hatte, sich aber trotzdem immer für Borussia Dortmund entschieden hat, wenn man ihr nun sagt: Wir planen nicht mehr mit dir?

Wie fühlt sie sich?

Das ist ein schwieriges Thema. Uns ist auf jeden Fall wichtig, die Gefühle der jeweiligen Spielerin zu respektieren. Deswegen bin ich auch der Meinung, dass man ihnen selbst die Möglichkeit geben muss, ihre Zukunftsplanungen nach außen hin zu kommunizieren. Der große Spagat ist ja der, dass man trotz eines möglichen Karriereendes oder Weggangs weiter Topleistungen bringen muss. Das ist die große Aufgabe für die Spielerinnen, aber auch für uns, sich das bewusst zu machen.

Der große Spagat ist ja der, dass man trotz eines möglichen Karriereendes oder Weggangs weiter Topleistungen bringen muss.

Wie kann man das gewährleisten?

Heute blicken die Spielerinnen vielleicht noch eher auf ihre erfolgreiche Karriere, die sie hatten. Aber gehen wir mal zehn Jahre weiter, dann werden sie auch an den Karriere-Abschluss denken. Daher ist es umso wichtiger, ihnen jetzt einen guten Abschluss zu verschaffen. Sowohl in der Kommunikation, aber auch im sportlichen Bereich – sie entscheiden, ob er erfolgreich endet oder vielleicht im Mittelmaß. Die Aufgabe, das zu moderieren, haben wir im Vorstand mit Andreas Bartels und mir, und diese Aufgabe hat der Trainer.

Haben Sie die Befürchtung, Spielerinnen könnten sich angesichts dieser Situation hängen lassen?
Nein. Ich nehme da mal zwei Spielerinnen heraus, ohne damit zu sagen, dass sie in der nächsten Saison nicht noch bei uns spielen. Clara Woltering und Anne Müller. Die beiden sind so professionell, denen wird man niemals unterstellen können, die würden nicht immer alles geben. Aber die Psyche spielt ja auch mit. Es geht nicht immer nur darum, was man will. Die letzten fünf, zehn Prozent, die über den Erfolg entscheiden, spielen sich im Innern ab, das ist intuitiv.

Auch wenn Sie lieber über die Gegenwart reden und nicht über die Zukunft: Derzeit ist die Rede von sieben, acht Spielerinnen, die neu dazu kommen könnten…

Diese Zahl will ich gar nicht kommentieren. Aber der Umbruch wird gewaltig. Wichtig ist auch hier, dass wir die richtige Ansprache bei unseren derzeitigen Spielerinnen finden und sie spüren, dass wir großen Respekt vor ihnen haben. Und den haben wir.

Sind schon Spielerinnen auf Sie zugekommen und haben von sich aus gesagt, sie wollen nicht weitermachen?

Wir sind schon relativ weit in unseren Planungen. Natürlich haben wir bereits mit allen Gespräche geführt. Wir werden da von uns aus aber nicht an die Öffentlichkeit gehen und die Inhalte kundtun. Was ich sagen kann, ist, dass unsere Planungen nicht allein mit dem Alter der Spielerinnen zu tun haben.

Inwiefern?

Wir im Verein sind ganz klar übereingekommen, künftig nur noch Zwei-Jahres-Verträge abzuschließen, um nachhaltig planen zu können.

In Bogna Sobiech, Merel Freriks und Aleksandra Zych haben Sie bereits drei Spielerinnen verpflichtet. Eine Linksaußen, eine Kreisläuferin und eine Linkshänderin für den rechten Rückraum. Lassen sich Rückschlüsse auf mögliche Abgänge ziehen?

Die Tendenz bei der ein oder anderen Spielerin dürfte allen bewusst sein. Klar ist aber zu diesem Zeitpunkt erstmal: Die Verträge von Anne Müller, Nadja Mansson, Clara Woltering, Svenja Huber, Mira Emberovics, Johanna Stockschläder und Harma van Kreij laufen im Sommer aus. Bei Linda Mack muss man abwarten, wie es für sie nach ihrer dritten schweren Verletzung weitergeht, genauso bei Virag Vaszari.

Harma van Kreij dürfte von der Qualität und der Altersstruktur her gut in die neue Mannschaft passen. Wie steht es um ihre Zukunft?

Wir sind da in Gesprächen. Aber die Situation gestaltet sich derzeit etwas schwierig, weil Harma einen Ein-Jahres-Vertrag bevorzugt. Aber wir haben klipp und klar gesagt: Wir machen nur noch Verträge für zwei Jahre. Entweder lasse ich mich auf das Projekt Borussia Dortmund ein, oder ich tue es nicht. Natürlich würden wir uns wahnsinnig freuen, wenn Harma bleibt. Sie hat sich überragend entwickelt bei uns.

Natürlich würden wir uns wahnsinnig freuen, wenn Harma bleibt. Sie hat sich überragend entwickelt bei uns.

Wie sieht es bei Johanna Stockschläder aus?

Johanna ist sicherlich im Moment ein Fragezeichen, da müssen wir abwarten. Entschieden ist aber noch nichts. Wir werden uns in Ruhe mit ihr zusammensetzen. Da hat natürlich auch der Trainer ein gewichtiges Wort. Die Rahmenbedingungen setzen aber wir. Und die heißen klipp und klar: zwei Jahre.

Wir sind die Vorstellungen des Trainers?

Die Wünsche des Trainers sind nicht ambitionierter als die des Vereins. Wir wollen, nachdem wir uns in der Liga etabliert haben, im nächsten Jahr unter die ersten Drei und gegen jeden gewinnen können.

Kann man solche starken Charaktere wie eine Clara Woltering oder Anne Müller als Beispiel, die ja enorm wichtig für eine Mannschaft sind, überhaupt ersetzen?

Es wird eine neue Hierarchie geben. Charaktere wie Clara Woltering oder Anne Müller zu ersetzen, wird natürlich schwierig. Aber die Qualität zu ersetzen, wird ja genauso schwierig. Noch einmal: Wir reden zu viel über die Zukunft. Wir müssen auf diese Saison schauen, da haben wir zuletzt zweimal Unentschieden gespielt und gegen Bietigheim verloren. Da fehlen uns zwei Punkte. Da müssen wir hinterfragen, warum das so ist. Wir wollen in der kommenden Saison international spielen.

Wie wichtig war die Verlängerung mit Alina Grijseels?

Das war ein Meilenstein. Alina Grijseels ist eine außergewöhnliche Spielerin, die von allen Topklubs umworben wird. Uns hilft es auch bei der Verpflichtung von potenziellen Neuzugängen. Im Grunde sind wir das schon weiter, als alle ahnen können. Wir haben ihr versprochen, dass wir mit ihr als wichtigstem Baustein wirklich mal Deutscher Meister werden wollen.

Wir haben Alina Grijseels versprochen, dass wir mit ihr als wichtigstem Baustein wirklich mal Deutscher Meister werden wollen.

Alina Grijseels hat die sehr guten Gespräche mit Andreas Bartels betont, die zur Verlängerungen geführt haben. Wie genau sieht Aufgabenteilung im Vorstand aus?

Die Aufgabenteilung ist die, dass ich der Vorstand bin und Andreas Bartels mein Stellvertreter. Ich bin vielleicht mehr im Jugendbereich involviert, er aktuell bei Verhandlungen. Natürlich sprechen wir uns in allen Dingen ab. Und ich bin froh, dass er mit so viel Arbeit abnimmt. Weil ich bei ihm weiß, dass ich mich auf ihn verlassen kann.

So wie jetzt bei der Verlängerung mit Alina Grijseels und den Neuverpflichtungen…

Ich habe Andreas Bartels mal gesagt, dass ich im Falle einer Deutschen Meisterschaft zurücktreten werde. Vielleicht gibt es deswegen gerade so Gas, damit dieses Ziel schneller erreicht wird (lacht). Aber es ist eben so, dass er einen sehr guten Draht zu Alina Grijseels hat.

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