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Der BVB verliert ein weiteres Gesicht: Anne Müller beendet ihre Karriere nach der Saison

rnBVB-Handball-Frauen

Nach Borussia Dortmunds Torhüterin Clara Woltering beendet auch Anne Müller ihre aktive Handballkarriere nach dieser Saison. Einige der Gründe für den Abschied klingen dabei überraschend.

Dortmund

, 20.03.2019 / Lesedauer: 4 min

Zwischen den Zeilen hatte sie es ja eigentlich schon Anfang des Jahres verraten. Sie sei in ihrer langen Karriere immer von großen Verletzungen verschont geblieben, sagte Anne Müller noch im Januar und fügte an: „Da sollte man das Glück vielleicht auch nicht überstrapazieren.“ Von einem endgültigen Abschied sprach die 35-Jährige damals in der Öffentlichkeit zwar noch nicht. Doch es dürfte längst klar gewesen sein, was Müller jetzt auch offiziell bestätigte: „Im Sommer ist Schluss, ich höre auf.“

Nach Torhüterin Clara Woltering (36) beendet damit die zweite Spielerin von Borussia Dortmund ihre Karriere, die das Gesicht des Handball-Bundesligisten in den vergangenen Jahren zu einem großen Teil mitgeprägt hat. Der Gedanke an ein Karriereende habe sich schon seit Längerem in ihrem Kopf breitgemacht, sagte Müller. Anfang dieser Saison fing das an, „damals war das alles noch ziemlich emotional für mich“. Heute, mit etwas Abstand, fühle es sich dagegen gut an, wenn „ich darüber spreche“.

Heiermann: „Eine absolute Vorzeigesportlerin“

„Anne Müller ist eine absolute Vorzeigesportlerin. Sie spielt ihre letzte Saison, ist aus meiner Sicht aber immer noch eine der besten Kreisläuferinnen in Deutschland“, betonte BVB-Abteilungsvorstand Andreas Heiermann, der es Müller wie zuvor auch Woltering selbst überließ, ihren Abschied kundzutun.

Heiermanns Vorstandskollege Andreas Bartels nannte Müller „eine herausragende Sportlerin und tolle Persönlichkeit“. Er wünsche sich, „dass sie entweder auf Vereins- oder Verbandsebene in welcher Funktion auch immer dem deutschen Damenhandball erhalten bleibt“.

Acht Bundesliga-Spiele wird die Kreisläuferin, sofern sie verletzungsfrei bleibt, noch für Borussia Dortmund auf der Platte stehen. Anschließend, und das ist einer der Gründe für ihre Entscheidung, will sich die frühere Nationalspielerin auf ihr künftiges Berufsleben konzentrieren. Müller arbeitet als Web-Entwicklerin. Derzeit an drei Tagen pro Woche, demnächst in Vollzeit. „Ich werde im Sommer 36, da verschieben sich die Prioritäten und man schaut eben mehr auf die Dinge, die für den Rest meines Lebens wichtig sind.“

Müller fehlen Motivation und Spaß am Handball

Körperlich fühlt sich gebürtige Bochumerin den Herausforderungen des Profisports trotz fast 20 Jahren Handballs nach wie vor gewachsen, auch wenn ihr das Training nach einem Arbeitstag mittlerweile etwas schwerer falle. „Ich bin fit“, sagte Müller.

Allerdings, und das überrascht ob ihrer langjährigen Verbundenheit zum Handball dann doch ein wenig, seien ihr die Motivation und der Spaß mit der Zeit mehr und mehr abhandengekommen. Weil die Gegner meist dieselben sind. Weil sich Trainingsinhalte trotz unterschiedlicher Trainer wiederholen. „Alles wiederholt sich irgendwie.“ Und die langen Auswärtsfahrten, ja, darauf würde sie auch nur allzu gern verzichten.

Die Zeit heute sei eben eine andere als noch mit Mitte 20, sagte Müller, die „natürlich bis zum Ende alles geben“ will. „Damals hattest du andere Ziele, wolltest unbedingt in der Nationalmannschaft oder in der Champions League spielen. Das habe ich erreicht.“ 171 Länderspiele hat sie für die deutsche Nationalmannschaft absolviert, dabei 226 Tore geworfen.

Dreifache Pokalsiegerin

Mit Bayer Leverkusen gewann Müller zweimal den DHB-Pokal (2002 und 2010), 2014 wiederholte sie diesen Erfolg mit dem HC Leipzig. Ein Jahr später wechselte sie zum BVB – wie auch Clara Woltering.

Die Wege der Torhüterin und von Müller verliefen lange parallel. Zunächst in Leverkusen, wo beide fast ein Jahrzehnt nebeneinander auf der Platte standen, in der Nationalmannschaft und nun beim BVB. Müllers und ihr Ziel sei es ganz am Anfang gewesen, gemeinsam im Verein zu spielen, sagte Woltering mal. „Und wenn wir jetzt sogar zusammen aufhören, haben wir eigentlich alles geschafft.“ Auch Müller bezeichnet es als „schöne Sache“. Im Spaß habe man darüber gesprochen, „dass Clara mich verabschiedet und ich sie. Aber wahrscheinlich werde ich gar kein Wort mehr rausbringen.“

Einen großen Wunsch habe sie noch für ihr letztes Spiel, wenn der BVB am 18. Mai den SV Union Halle-Neustadt empfängt, sagte Müller. „Die Halle in Herdecke, in der wir gerade spielen, ist zwar nett. Aber mir fehlt einfach Wellinghofen.“ Sie kennt die Halle, seit sie 16 ist. „Dort aufzuhören, wo ich angefangen habe, wäre für mich der perfekte Abschluss.“ Nach Stadt-Angaben soll sie nach den Osterferien wieder öffnen. Einem würdigen Abschluss stünde demnach nichts im Wege.

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