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Die vergangene Champions-League-Spielzeit des BVB war reich an Enttäuschungen. Mit neuem Trainer und neuem Personal stehen die Zeichen in dieser Saison auf Neuanfang.

Dortmund

, 17.09.2018 / Lesedauer: 5 min

Die Laune war mies, als Borussia Dortmunds Spieler mit starren Gesichtern den kleinen Flughafen in Salzburg betraten. Es war eine Mischung aus Fassungslosigkeit, Ratlosigkeit und großer Enttäuschung, die der Mannschaft und auch Michael Zorc die kurze Nacht verhagelt hatten. Die Analyse, meinte der BVB-Sportdirektor dann nach dem kurzen Rückflug nach Dortmund, sei nicht so einfach. „Aber wir müssen immer wieder feststellen, dass wir unser Niveau nicht erreichen.“

Radikale Neuausrichtung

Der BVB war ausgeschieden an diesem Tag im März 2018. Nicht in der Champions League. Aus der hatte man sich schon vor Weihnachten 2017 verabschieden müssen. Als historisch schlechtester Dritter war es nach einer indiskutablen Gruppenphase sogar noch weitergekommen, zwei mickrige Unentschieden gegen APOEL Nikosia aus Zypern reichten damals, um sich immerhin in die Europa League zu retten. Doch auch da bedeutete das Achtelfinale schon Endstation, auch dort setzte sich die international verkorkste Saison, wie sie die Borussia selten zuvor erlebt hatte, nahtlos fort.

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1:2 verloren daheim im Hinspiel, nur 0:0 im Rückspiel in der Mozart-Stadt: Das Ende aller Ambitionen und Hoffnungen dürfte am Ende der Startschuss gewesen sein, eine radikale Neuausrichtung der Strategie zu beschließen, die mit einem großen Umbau des Kaders im Sommer einherging.

„Eine sportlich recht ausgeglichene Gruppe“

Neues Personal, neue Kleider: Traditionell bedeutete die Einkleidung für die Dienstreisen auf internationalem Parkett für die Mannschaft eine erste Einstimmung auf das neue Jahr in der Königsklasse. Diesmal nahm Herrenausstatter Søren Fashion aus Hagen bei den BVB-Profis Maß, die Laune war glänzend, die Vorfreude ist bei allen groß. Ein halbes Jahr nach der Pleite von Salzburg erfolgt die Rückkehr in die Königsklasse mit aufgefrischtem Selbstvertrauen durch einen ordentlichen Saisonstart, aber auch gebotener Demut.

Brügge, Atletico Madrid und AS Monaco heißen die Gruppengegner der Borussia, das ist ambitioniert, bei der Auslosung hätte es die Dortmunder aber auch deutlich schlimmer treffen können. Eine „spannende, insgesamt sportlich recht ausgeglichene Gruppe“ sieht Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke, er sagt aber auch: „Wir haben den Anspruch, in der Champions League zu überwintern und gehen mit viel Optimismus in diese Partien gegen starke Gegner.“

Witsel soll die Mannschaft führen

Nach den massiven personellen Umwälzungen, dem erneuten Wechsel auf der Trainerbank und klaren Vorgaben, was die Erwartungen an den Kader angeht, gibt der BVB nach vier gespielten Pflichtspielen Anlass zu Optimismus. Dortmund hat mit großer Konsequenz auf die Erkenntnisse des unbefriedigenden letzten Jahres reagiert und vor allem die Schlüsselpositionen im defensiven Mittelfeld mit Spielern aufgerüstet, die für Charakterstärke, körperliche Präsenz und Führungsqualitäten stehen.

Der BVB will sich in einer ambitionierten Gruppe rehabilitieren

Der „Kompass“ im BVB-Spiel: Axel Witsel. © Cris Dahm

Der Königstransfer dieses Sommers heißt Axel Witsel, er ist der Kopf der hochgelobten belgischen Nationalmannschaft und soll der Kopf des neuen BVB im zentralen Mittelfeld werden. „Axel ist ein Spieler mit großer internationaler Erfahrung“, sagt Zorc, „er bringt alle Fähigkeiten mit, um das zentrale BVB-Mittelfeld zu prägen: taktisches Verständnis, Zweikampfstärke, Tempo, Kreativität und Mentalität.“

Innenverteidiger-Duo mit glänzenden Perspektiven

Mit den sieben Punkten in der Liga lässt sich glänzend nach Brügge reisen, wo am Dienstag die erste Partie in der Königsklasse ansteht. Auch im DFB-Pokal ist Dortmund weiter, wenn auch der Verlauf der Partie in Fürth und der der bisherigen Bundesliga-Spiele eine nähere Analyse verdient.

Es fällt auf, dass der BVB anders als in der Vergangenheit deutlich rationaler agiert auf dem Rasen. Die Sicherung der Defensive hat sich Lucien Favre auf seiner To-do-Liste als einen der ersten Punkte notiert, seine Handschrift ist in diesem Bereich schon deutlich erkennbar. Es ist schwerer geworden, gegen Borussia Dortmund Tore zu erzielen, das neue Innenverteidiger-Duo Manuel Akanji und Abdou Diallo zahlte das in sie gesetzte Vertrauen schon zurück und besitzt glänzende Perspektiven. Flankiert werden die beiden von zwei altgedienten Spielern, die unter Favre neu aufblühen. Das gilt links vor allem für Marcel Schmelzer, der ohne Binde am Arm und nach einer verletzungsfreien Vorbereitung mit einer starken Frühform in die Spiele in der Champions League geht.

Eine „neue Idee vom Fußball“

Die stabile Defensive ist die Basis, sie erlaubt auch, dass sich Borussia Dortmund offensiv im schon laufenden Wettbewerb in Ruhe weiterentwickeln und finden kann. Das ist allerdings auch nötig. Wer den begeisternden, inspirierten Offensiv-Fußball der Jahre unter Jürgen Klopp und auch Thomas Tuchel geliebt hat, den mag momentan ein wenig Wehmut beschleichen. Denn noch hakt es im Spiel nach vorne deutlich, noch greifen die Rader längst nicht alle ineinander. Schmelzer sieht das nicht anders. „Es läuft noch nicht so rund, wie wir uns das wünschen“, meinte der 30-Jährige nach dem 3:1 gegen Frankfurt am vergangenen Freitag. Aber Schmelzer sieht positive Entwicklungen: „Wir haben eine neue Idee vom Fußball. Und wir können diese phasenweise schon jetzt umsetzen.“

Mit Minimalismus und großer Effizienz vor dem Tor hat der BVB seine sieben Zähler eingefahren. Auch gegen Frankfurt reichten fünf Schüsse aufs Tor für drei Treffer, geht es nach Lucien Favre, darf dies gern so weitergehen. Auch wenn der Schweizer anmahnt, „dass wir uns weiter verbessern müssen“.

„Keinen Gegner unterschätzen“

Schaut man auf die Dortmunder Gruppe in der Champions League, ist das Erreichen des Achtelfinals eine realistische Erwartung an die neue Mannschaft der Borussia. Atletico dürfte das Maß aller Dinge sein, „eine sehr erfahrene und gut organisierte Mannschaft“, wie auch Favre findet.

Der BVB will sich in einer ambitionierten Gruppe rehabilitieren

Geht voran: Dortmunds neuer Kapitän Marco Reus. © Cris Dahm

Brügge gilt gemeinhin als der zu schlagende Kontrahent, auch wenn Sportdirektor Zorc beim Blick auf die Tabelle in Belgien Wachsamkeit anmahnt: „Sie stehen schon wieder oben, und unterschätzen sollte man ohnehin keinen Gegner. Wir reisen dorthin, um mit einem guten Ergebnis zu starten.“ Bei allem Lob für den ersten Kontrahenten dürfte allerdings Monaco der Gegner sein, mit dem sich die Borussia ums Weiterkommen streiten dürfte. „Wir haben“, sagt der neue Kapitän Marco Reus, „die Qualität und das Potenzial, diese Hürde zu nehmen.“

Für unwürdige Auftritte rehabilitieren

Die Sinne müssen geschärft sein. Gleich zu Beginn, wenn es am Dienstag gegen einen Gegner mit vielen unbekannten Namen geht. Bei allen, die in der vergangenen Saison schon das Dortmunder Trikot trugen, sollte die besondere Motivation ohnehin gegeben sein.

Der Stachel der Enttäuschung saß ziemlich tief nach einer frustrierenden Europapokal-Saison. Es geht für den BVB auch ein Stück weit darum, sich für die zum Teil unwürdigen Auftritte zu rehabilitieren.

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