Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Eintracht Frankfurt ist die große Überraschung dieser Bundesliga-Saison. Im Interview spricht Vorstand Fredi Bobic über das magische Sturm-Dreieck, die Leidenschaft der Fans und Parallelen zum BVB.

Dortmund

, 01.02.2019 / Lesedauer: 6 min

Am Samstag kommt der BVB. Wie gut sind Ihre Kontakte nach Dortmund noch?
Die sind noch sehr ordentlich (lacht). Man versteht sich, man schätzt sich. Das wird auch so bleiben. Es sind ja auch noch viele Leute aktiv, die schon zu meiner Spielerzeit da waren.


Es trifft die beste Offensive der Liga auf die drittbeste Offensive. Gibt’s Spektakel?

Man darf zumindest darauf hoffen. Beide Mannschaften spielen gut nach vorne - und das ist auch schön so, vor allem für die Fans. Gleichzeitig können sich Mannschaften in solchen Spielen auch immer ein Stück weit neutralisieren. Ich bin gespannt.


Was muss Eintracht Frankfurt auf den Platz bringen, wo ist der BVB sportlich verwundbar?

Ich glaube, dass jede Mannschaft in der Bundesliga verwundbar ist. Der BVB ist unheimlich spielstark und personell top besetzt. Borussia Dortmund hat sich im Sommer sehr gut verstärkt, aber ich schaue trotzdem weniger auf den Gegner, sondern darauf, was unsere Jungs machen - und die wissen, dass sie in allen Bereichen eine überragende Performance abliefern müssen, damit wir dem BVB Paroli bieten können.

Sie sprechen die Verstärkungen an. Sie haben auf dem Transfermarkt in den vergangenen Jahren ebenfalls ein sehr gutes Händchen bewiesen. Als ich am Samstag im Radio das Spiel Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt verfolgt habe, hat der Reporter ständig vom magischen Dreieck der Frankfurter gesprochen. Das liegt ja irgendwie auch nahe, wenn Fredi Bobic als Sportvorstand mit auf der Eintracht-Bank sitzt. Trotzdem: Ich bin Baujahr 1986. Für mich gibt es eigentlich nur ein magisches Dreieck. Für Sie auch?

Es gibt immer nur ein Original, das ist doch wohl klar (lacht). Aber dass die Vergleiche kommen, ist ganz normal. Ich bin sehr stolz darauf, dass wir drei Jungs vorne drin haben, die sich super verstehen und tollen Fußball spielen. Das passt einfach - und darum beneiden uns viele. Wir sind froh über die Entwicklung der Spieler und glücklich darüber, dass unsere Offensivabteilung nicht nur in der Bundesliga wahrgenommen wird. Für uns ist das ein großes Qualitätsmerkmal.


Aber intern werden die drei, Ante Rebic, Sebastien Haller und Luka Jovic, nicht magisches Dreieck genannt?

Nein (lacht). Und so treten die Jungs auch nicht auf. Im Gegenteil: Die drei wissen ganz genau, dass sie vorne nur so erfolgreich sein können, weil in der Defensive auch gut für sie gearbeitet wird. Es geht um den Teamgedanken, nicht um Dreiecke. Manche verteidigen, manche schießen Tore.


Rebic, Jovic und Haller haben 31 von 39 Toren der Eintracht in der Liga erzielt. Das ist schon irgendwie magisch - und vermutlich arbeitet der Rest der Mannschaft entsprechend gerne für die drei Knipser vom Dienst, oder?

Absolut, aber dafür sind die drei nun mal auch da. Wir hatten damals übrigens auch eine sehr gute Quote (lacht), aber 31 aus 39 ist natürlich schon sehr außergewöhnlich, klar. Wir haben nichts dagegen.


Von außen betrachtet erinnert der neue Erfolg in Frankfurt ein bisschen an den Aufschwung des BVB unter Jürgen Klopp. Powerfußball, fast ungewohnte Ruhe im Umfeld und ein besonderes Verhältnis zu den Fans. Hinkt der Vergleich oder fühlt es sich von innen betrachtet auch ein bisschen so an?

Es gibt schon Parallelen. Die Spielkultur, die wir gerne auf den Platz bringen möchten, die Nähe zu den Fans, die besondere Hingabe der Fans. Das ist schon speziell hier in der Region. Unser Stadion ist eigentlich immer ausverkauft, die Atmosphäre ist sensationell, genau wie in Dortmund auch. Wir sind auf einem guten Weg. Aber der Vergleich zum BVB hinkt insofern, dass es für uns in diesem großen Wettbewerb Profifußball noch schwieriger ist zu bestehen. Wir können nicht alle Spieler halten, wie wir sie gerne halten würden, weil der Abstand zu den Topklubs im Vergleich zu damals noch gewaltiger geworden ist. Wir sind ein gehobener Ausbildungsverein für die absoluten Topvereine. Nicht mehr für durchschnittliche Klubs, aber für die Topvereine schon.

Fredi Bobic im Interview: Man weiß wieder, wer Eintracht Frankfurt ist

Die Frankfurter Chefetage (v.l.): Vorstand Fredi Bobic, Trainer Adi Hütter und Sportdirektor Bruno Hübner. © imago

Nimmt man sich als Sport-Vorstand von Eintracht Frankfurt einen Klub wie den BVB als Vorbild? Oder wird das der Sache nicht gerecht?

Jeder Verein muss seine eigene DNA entwickeln - und der muss er auch treu bleiben. Das versuchen wir hier. Wir sind seit zweieinhalb Jahren auf dem Vormarsch, weil wir gute Arbeit geleistet haben. Wir sind auch Risiken eingegangen, aber wir sind für unseren Mut belohnt worden. Wir wachsen, aber wir wachsen natürlich nicht so schnell wie andere. Deshalb ist es auch wichtig, dass wir die richtige Balance zwischen Anspruchsdenken und Realität bewahren. Darum geht’s. Und wenn am Ende mehr dabei rumkommt, als man eigentlich hätte erwarten dürfen, dann ist es umso schöner.


Wie würden Sie also den Frankfurter Weg beschreiben?

Er war erst einmal ganz einfach. Wir hatten wenig Geld, aber viel Fantasie. Wir haben versucht, die richtigen Werte in den Verein und die Mannschaft zu implementieren. Das ist uns gut gelungen. Und von dieser Basis aus wollen wir die europäischen Plätze angreifen. Vor allem aber wollen wir diesen Weg unbeirrt weiter gehen in den nächsten Jahren, auch, falls mal schwierigere Phasen kommen sollten. Wir haben viel zu tun und nachzuholen, auch in puncto Infrastruktur. Das erinnert mich an meine Zeit in Dortmund, als wir noch an der Strobelallee trainiert und uns im Container umgezogen haben. Ungefähr an diesem Punkt sind wir. Deswegen müssen wir versuchen, sehr viele Dinge in sehr kurzer Zeit umzusetzen und zu verbessern.


Dann müssen wir noch über die Europa League sprechen: 18 Punkte aus sechs Spielen und gefühlt nur Heimspiele. Erzählen Sie mal, wie sich europäischer Fußball mit Eintracht Frankfurt anfühlt und was es so besonders macht?

Die Hessen reisen gerne, wir haben ja auch einen sehr großen Flughafen hier (lacht).


Das klingt plausibel, aber sehr bescheiden.

Die Bereitschaft und die Liebe dafür, mit Eintracht Frankfurt durch Europa zu ziehen, ist sensationell. Es ist egal wo und egal gegen wen, das Stadion ist voll. Entweder unser eigenes oder das des Gegners. Unsere Fans zelebrieren den Europapokal - so etwas habe ich in der Form noch nicht erlebt. Allein für das Spiel gegen Donezk in Charkiw in der Zwischenrunde der Europa League, für das wir nur 2000 Karten bekommen haben, hätten wir 10.000 Tickets verkaufen können. Das ist ja der Wahnsinn. Nach Charkiw. Da muss man erstmal hinkommen. Das ist wirklich nicht einfach.


Dieses Verhältnis mit den Fans. Das klingt nach viel Fußballromantik in ziemlich fußballunromantischen Zeiten. Wie viel Einfluss hat das auf Vertragsgespräche, auf Neuverpflichtungen, wie viel Einfluss haben die Fans?

Das hat schon eine richtige Wucht. Das kann natürlich auch Probleme bereiten, aber das ist bei Traditionsvereinen einfach besonders. Die Leidenschaft ist außergewöhnlich. Und in jüngster Zeit hat uns das unheimlich geholfen, alleine die Auftritte in Europa. Man weiß wieder, wer Eintracht Frankfurt ist - und wie geil es ist, hier zu spielen. Das ist ein riesiges Pfund für uns, auch wenn die restlichen Rahmenbedingungen natürlich trotzdem stimmen müssen.

Fredi Bobic im Interview: Man weiß wieder, wer Eintracht Frankfurt ist

Ein wichtiger Faktor in Frankfurt: die Eintracht-Fans. © imago

Abschließend: Sie als ehemaliger BVB-Profi, sind Sie überrascht, wie schnell der BVB nach einer komplizierten vergangenen Saison die Kurve bekommen hat?

Ja. Schon. Sie haben einen sehr guten Trainer geholt, haben auf dem Transfermarkt tolle Spieler verpflichtet, in Sebastian Kehl und Matthias Sammer zwei Leute installiert, die ich sehr schätze. Aber dass sich so schnell eine so große Chance auf die Meisterschaft ergeben würde für den BVB, damit habe ich trotzdem nicht gerechnet. Ich würde mich freuen, wenn sie Meister werden. Natürlich dürfen sie aber trotzdem am Samstag sehr gerne drei Punkte hier liegen lassen.


Und was sagt Ihr Bauchgefühl, wozu reicht’s am Ende für den BVB?

Ich denke, dass die Champions League noch eine wichtige Rolle einnehmen wird. Es wird anstrengend. Aber wenn der BVB es wie in der Hinrunde schafft, größere Schwächephasen zu vermeiden, dann werden sie es durchziehen.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt