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Die Niederlage aus dem Hinspiel schmerzt noch. Am Sonntag würde Leverkusen gerne Revanche nehmen. Kevin Volland spricht im Interview über Peter Bosz, Einschlafmusik und Qualität.

von Tobias Jöhren

Leverkusen

, 22.02.2019 / Lesedauer: 5 min

Ich habe gelesen, Sie haben schon zu Hoffenheimer Zeiten angefangen, Gitarre zu spielen. Wie läuft’s als Musiker so?

Ordentlich (lacht). Mittlerweile bin ich bereit für Lagerfeuer-Abende. Als Ausgleich ist es super, auch wenn ich ein bisschen mehr üben sollte. Manchmal sitz ich abends auf dem Sofa und spiele meine Liedchen.



Reicht’s, um Ihre elfmonatige Tochter Emilia abends in den Schlaf zu klimpern?

Na ja. Es geht so. Aber sie schaut schon immer rüber. Ich weiß noch nicht, ob das gut oder schlecht ist (lacht). Aber Novemver Rain von Guns n‘ Roses kann sie schon auswendig. Fehlt eigentlich nur noch, dass sie anfängt zu klettern und zu rechnen (lacht).

Wo sind Sie denn abgeklärter? Am Wickeltisch oder vor dem Tor?

(lacht) Vor dem Tor, das steht fest. Am Wickeltisch hätte ich gerne die Routine meiner Frau. Wenn ich auf dem Platz so schnell wäre, wäre ich weltklasse.

„Im Hinspiel haben wir ein richtig gutes Spiel gemacht, die erste Hälfte war vermutlich sogar die beste in der ganzen Hinrunde.“
Kevin Volland

Sprechen wir über Sport. Vier Siege in Serie in der Bundesliga, aber raus aus dem DFB-Pokal und der Europa League. Bayer Leverkusen zeigt zwei Gesichter. Haben Sie dafür eine Erklärung?

Das ist schwierig. Wir haben in der Liga wirklich sehr gute Spiele absolviert. Auch gegen Gladbach zum Rückrundenstart, obwohl wir das Spiel 0:1 verloren haben. Gegen Heidenheim im Pokal sind wir an einer Pflichtaufgabe gescheitert und in der Europa League haben wir gegen einen Gegner verloren, der zwar nicht den großen Namen hat, aber durchaus große Qualität. Trotzdem war es natürlich machbar– und jetzt ärgern wir uns schon sehr.



Sie haben vor der Saison gesagt, dass Bayer mal ein großes Spiel gut tun würde, ein Finale, dem alle entgegenfiebern. Dieses Spiel wird es in dieser Saison nicht geben. Wie tief sitzt der Frust?

Tief, klar. Ich habe ja nicht von einem Titel geredet, da bin ich immer vorsichtig, aber so ein großes Spiel wäre für den Verein top gewesen. Im Pokal wäre viel möglich gewesen, in der Europa League wird es ab dem Achtel- oder spätestens Viertelfinale richtig attraktiv. Und deswegen ist es extrem bitter. Natürlich ist es schwer nachzuvollziehen, dass wir in der Bundesliga so gut drauf sind und es dann nicht in die Pokalspiele transportiert bekommen. In der Hinrunde war es genau umgekehrt.



Von außen betrachtet wirkt es manchmal so, als fehle es Bayer Leverkusen in den entscheidenden Momenten zu oft an dem gewissen Etwas. Glück, Gier, die letzten Prozentpunkte Leistung. Täuscht der Eindruck?

Die Gier ist es nicht, auf keinen Fall. Wir haben jetzt gegen Krasnodar zweimal nicht unsere Top-Leistung auf den Platz gebracht. Trotzdem hatten wir genug Möglichkeiten, um die Spiele in unsere Richtung zu lenken – und das hätten wir schaffen müssen.



Zumindest in der Liga läuft’s bei Bayer. Was klappt jetzt besser als in der Hinrunde?

Wir sind unberechenbarer geworden. Wir setzen die Gegner unter Stress, wenn wir unsere Spielweise durchdrücken. Und wir haben auch die Qualität, tief stehende Gegner müde zu spielen. Wir spielen jetzt offensiver und mutiger als in der Hinrunde. Aber es müssen alle mitmachen. Wenn sich ein oder zwei Spieler ausklinken, dann wird es schwierig, weil zu große Lücken entstehen. Deswegen müssen sich alle an den Plan halten. Das haben wir in der Liga bislang gut hinbekommen.

Welche Rolle spielt der Trainerwechsel, welche Rolle spielt Peter Bosz?

Eine große natürlich. Er stellt uns super ein. Er spricht sehr viel über Details, zeigt uns viele Videos, spricht vor allem über Lösungen und Möglichkeiten und weniger über Fehler. Ich glaube, dass wir uns so gut weiterentwickeln können.



In Dortmund ging’s mit Bosz sehr gut los – und dann sehr schnell zu Ende. Was spricht dafür, dass Bosz‘ Halbwertszeit in Leverkusen größer ist als beim BVB?

Wir trainieren hier immer gut, sind lernfähig, egal, wer unser Trainer ist. Ich kenne die Hintergründe für den Einbruch in Dortmund nicht, aber bei uns wird es das nicht geben. Da bin ich mir ganz sicher.



In Dortmund gab es deutliche Kritik daran, dass Bosz zu selten und zu wenig intensiv trainieren lasse. Die Mannschaft sei nicht fit genug gewesen, hieß es. Wie ist Ihr Eindruck in dieser Hinsicht nach knapp zwei Monaten Bosz bei Bayer?

Wir sind topfit. Das zeigen auch alle Laufwerte in den Spielen. Und zu wenig Training haben wir auf keinen Fall (lacht). Es ist sehr anstrengend. Natürlich dosiert der Trainer die Belastung, aber auch die Reservisten absolvieren gutes Ausgleichstraining. Da kann sich niemand beschweren.



Am Sonntag wartet das Duell mit dem Spitzenreiter. In der Hinrunde hat Bayer eine 2:0-Führung gegen den BVB verspielt, in der vergangenen Saison hat Bayer beim 0:4 in Dortmund sogar die Champions League verspielt. Rachegelüste?

Das ist nicht das richtige Wort. Aber es waren zwei sehr bittere Spiele. Im Hinspiel haben wir ein richtig gutes Spiel gemacht, die erste Hälfte war vermutlich sogar die beste in der ganzen Hinrunde. Ich hoffe, dass wir daraus gelernt haben. Wir müssen 90 Minuten beißen. Danach kommen keine Englischen Wochen mehr, das haben wir uns selbst eingebrockt. Deswegen müssen wir am Sonntag noch einmal über die Schmerzgrenze hinausgehen. Danach können wir dann ein bisschen durchschnaufen, um an den Spieltagen in der Bundesliga wieder Vollgas zu geben.

Kevin Volland vor dem Spiel gegen den BVB: „Wir sind unberechenbarer geworden“

Im Hinspiel siegte der BVB in Leverkusen durch zwei späte Tore von Paco Alcacer mit 4:2. © imago

War dieses 2:4 für Bayer ein Knackpunkt-Spiel und einer der Gründe für die enttäuschende Hinrunde?

Ja, ich glaube schon. Wir wussten ja selber nicht, warum wir dieses Spiel verloren haben. Danach haben wir uns noch schwerer getan, auch wenn wir zwischendurch noch gute Spiele gemacht haben.



Wie wichtig war dann der Sieg gegen die Bayern für den Kopf und das Wissen, dass man mit der offensiven Spielweise auch gegen Spitzenmannschaften erfolgreich sein kann?

Der Sieg hat uns Schwung gegeben. Wir haben dieses Erfolgserlebnis gebraucht, gerade, weil wir ja auch ein anderes System spielen als in der Hinrunde. Das war schon wertvoll für die Birne – und zumindest in der Bundesliga haben wir danach ja auch einen guten Lauf hingelegt.



Mit welchem Gefühl geht es jetzt nach Dortmund?

Seit dem Krasnodar-Spiel geht es auch um Wiedergutmachung. Dortmund hingegen darf nicht mehr viel liegen lassen und wir wollen auch weiter unsere Punkte sammeln. Es wird schwierig, auch wenn der BVB aktuell vielleicht ein bisschen schwächelt. Die Qualität der Dortmunder ist einfach enorm.

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