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Weidenfeller blickt auf beeindruckende Karriere zurück

rnBVB-Torhüter im Exklusiv-Interview

Nach 16 emotionalen Jahren bei Borussia Dortmund beendet Roman Weidenfeller seine Karriere. Im Exklusiv-Interview mit Dirk Krampe und Jürgen Koers spricht der 37-Jährige über seine Trainer, den BVB und findet für die heutige Spielergeneration auch mahnende Worte.

DORTMUND

, 15.05.2018 / Lesedauer: 9 min

Roman Weidenfeller kommt entspannt mit Fahrrad und Labrador-Mischling Charlie zum ausgemachten Treffpunkt am Phoenixsee. Borussia Dortmunds langjährige Nummer eins ist entspannt - und komplett mit sich im Reinen, wie er in dem einstündigen Gespräch verrät.


Der Abschied vom Profifußball ist gekommen. Welches Gefühl überwiegt, das von Wehmut, oder die Vorfreude auf das Neue, was da kommen wird?

Von beidem ist was dabei. Wehmut auf jeden Fall. Ich durfte mein Hobby zum Beruf machen. Das ist ein großes Privileg. Dazu noch das Glück, so lange bei solch einem großen Klub mit so vielen Fans spielen zu dürfen. Sie haben mich immer getragen, nicht nur in den goldenen Zeiten. Das ist einzigartig, das macht diesen Verein auch aus. Deshalb bin ich auch dankbar und stolz, so viele Jahre hier gespielt zu haben.


Es war eine Karriere ohne ganz große Verletzungen. Was für ein Glück ...

Ich bin ganz gut weggekommen, das stimmt. Da gab es mal die Geschichte mit meiner Schulter, und ganz früh mal was mit dem Knie. Aber ich habe auch viel dafür getan und sehr auf meinen Körper geachtet, damit ich jetzt noch so fit im Schuh stehe (lacht).


Also ist die Gefahr nicht so groß, dass Sie in zehn Jahren so laufen wie Ihr Torwarttrainer Teddy de Beer?

(lacht) Ich hoffe es nicht.

Weidenfeller blickt auf beeindruckende Karriere zurück

Roman Weidenfeller (r.) im Gespräch mit den BVB-Reportern Dirk Krampe (l.) und Jürgen Koers. © Groeger


Sebastian Kehl hat zunächst eine Weltreise gemacht, Christoph Metzelder ist quasi sofort beruflich weiter durchgestartet. Die beiden sind Freunde von Ihnen. Haben Sie sich mit Ihnen ausgetauscht, wie Ihr Ausstieg aus dem Profifußball laufen könnte?

Zwischendurch haben wir uns immer mal wieder darüber ausgetauscht. Es geht ja nach meiner Spielerkarriere als BVB-Botschafter für mich schon im Juni weiter. Urlaub wird es also nicht ganz so viel geben, wie angenommen, allerdings eine Weltreise hätte ich mir zum jetzigen Zeitpunkt ohnehin nicht vorstellen können. Wir haben einen kleinen Sohn zu Hause, den würde ich nicht so lange allein lassen wollen. Und die Familie musste in den Jahren ohnehin schon oft zurückstecken. Ich freue mich darauf, ab jetzt viel Zeit mit meiner Familie zu verbringen, und natürlich auf die neue Aufgabe.


Sebastian Kehl hat den bewussten Abstand auch von Dortmund gesucht, um nicht Anfang Juli, wenn Trainingsbeginn ist, sofort wieder daran erinnert zu werden …

Ich weiß, was er damit bezweckt hat und sehe das ähnlich. Die Gedanken werden kommen, wenn die Mannschaft wieder trainiert und ich erstmals nicht mehr dabei bin.


Warum ist jetzt der richtige Zeitpunkt? Sie wollten ja eigentlich bis 40 spielen …

Das ist auf dem heutigen Niveau sehr schwierig. Giggi Buffon spielt noch, und Petr Cech. Sonst niemand aus meiner Generation, oder? Es hat jetzt ein Generationenwechsel stattgefunden, von daher will ich den Weg auch frei machen.


Wenn Sie zurückblicken, in welchen Bereichen hat sich am meisten verändert?

Eigentlich auf allen Ebenen. Das Torwartspiel, seitdem die Rückpass-Regel gilt. Das Spiel, das insgesamt noch einmal viel schneller geworden ist. Die taktischen Anforderungen an alle Spieler. Aber auch das Leben um den Sport herum, Stichwort Social Media. Ich war früher nie ein Freund davon, private Details preis zu geben. Heute kommt man kaum noch darum herum. Da ich es inzwischen gelernt habe und ein offener Mensch bin, findet man mittlerweile auch einiges über Roman Weidenfeller.


Fast 20 Jahre Profifußball bedeuten auch, dass man sich als Mensch in der Zeit weiterentwickelt. Sie waren und sind sehr ehrgeizig, aber Sie haben auch deutlich an Lockerheit gewonnen ...

(lacht) Freut mich, dass Sie das so sehen. Empfinde ich auch so. Der Ehrgeiz gehört dazu, er hat mich dahin gebracht, wo ich jetzt bin. Ich war sicher nicht der mit dem größten Talent. Man hat es auch gesehen, wie die Fans mich verabschiedet haben. Das war für mich eine große Wertschätzung und auch eine Honorierung für das, was ich über die Jahre geleistet habe. Auf der anderen Seite bin ich sicher gelassener geworden. Die Erfolge mit dem BVB, auch mit der Nationalmannschaft, das hat mich schon zur Ruhe kommen lassen. Nicht zuletzt die Familie, ich bin drei Jahre verheiratet. In meinem Leben hat sich dadurch auch einiges verändert.

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Die besten Bilder aus der Karriere des Roman Weidenfeller

25.04.2018
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Die besten Bilder aus der Karriere des Roman Weidenfeller.© picture alliance / dpa
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Ihr erster Profi-Trainer war Otto Rehhagel. Wie war er für einen so jungen Spieler wie Sie?

Ich habe ihn auch eingeladen zu meinem Abschiedsspiel, das kann ich verraten. Er war immer sehr nett zu mir, wir haben immer noch Kontakt. Kennengelernt habe ich ihn auf der Geschäftsstelle des 1. FC Kaiserslautern, wo ich meine Ausbildung zum Bürokaufmann gemacht habe. Er kam mit seiner Frau Beate zum Kartenservice und stellte mich seiner Frau vor. „Hier ist unser junges Torwart-Talent, das demnächst zu den Profis kommt“, hat er zu ihr gesagt. Das war schon eine große Ehre für mich. (lacht) Da gibt es noch eine nette Anekdote.


Wir sind gespannt ...

Als ich dann im Training dabei war, hat er mir vor meinem ersten Trainingselfmeter gegen Michael Schönberg Mut zugesprochen und eine kleine Prämie ausgelobt. Was soll ich sagen, ich habe den Elfmeter mit Anfängerglück gehalten und die Prämie abgestaubt. Das sind schöne Episoden einer Karriere, die man nicht vergisst.


So viele Trainer hatten sie ja gar nicht, weil Jürgen Klopp so lange in Dortmund war. Von wem haben sie am meisten mitgenommen?

Man nimmt von jedem etwas mit, am meisten geprägt haben mich natürlich meine Torwarttrainer. Gerry Ehrmann vor allem, unter dem ich ja bis nach oben gekommen bin. Aber natürlich auch Teddy de Beer. Ich habe in der vergangenen Woche noch mit Bert van Marwijk telefoniert, das war sehr schön. Jeder hatte seine eigene Philosophie, hat sich daran orientiert, was überhaupt mit der Mannschaft möglich war. Man kann den Kader 2003 ja nicht mit dem heutigen vergleichen. Es gab mit allen Trainer gute Anekdoten.


Wer war der beste Fußballer, mit dem sie spielen durften?

Ich würde sagen, in Dortmund war es Thomas Rosicky. Er war ein exzellenter Fußballer.


Wer hatte den härtesten Schuss?

(überlegt lange) Maximilian Philipp. Seine Schüsse sind schwer festzuhalten. (lacht)


Können Sie sich noch an den ersten Tag in der BVB-Kabine erinnern?

Sehr gut sogar. Die Torhüter trugen damals noch Trainingsoveralls, ich hab mir einen geschnappt, der bei mir im Spind hing, aber es war der von Jens Lehman. Ich musste ihn sofort wieder ausziehen. (lacht) Es war insgesamt eine Riesenumstellung, vom kleinen 1. FC Kaiserslautern zum Großklub Borussia Dortmund zu wechseln.

Mit Spielern wie Wörns, Reuter, Amoroso, Kehl. Wie demütig ist Roman Weidenfeller beim ersten Training in die Kabine gegangen?

Sehr demütig (lacht). Auch wenn ich früher schon eine große Klappe gehabt habe und mir einige Sprüche vielleicht hätte sparen können. Aber ich war immer ehrlich, und wenn ich so zurückblicke, würde ich an meiner Karriere auch nicht viel ändern wollen.


Was hätten die oben genannten mit Ihnen gemacht, wenn Sie einen Wechsel hätten erstreiken wollen?

(lacht) Ehrlich gesagt war es damals auch nicht leicht, Kaiserslautern zu verlassen. Die hatten mich fußballerisch ausgebildet, ich hatte ein sehr enges Verhältnis zu Gerry Ehrmann und zur Vereinsführung. Aber ich war ablösefrei und habe da schon sehr früh mit offenen Karten gespielt. Es war damals ein sehr schwerer Schritt für mich, aber die Gier nach Titeln, die war damals schon sehr groß bei mir.


Fehlt Ihnen bei der heutigen jungen Generation ein Stück Respekt, den Sie damals selbst mitgebracht haben?

Ich weiß, worauf Sie anspielen. Ich denke, es fehlt bei manchen ein Stück Demut. Borussia Dortmund ist ein großer Verein, der europäisch viel Strahlkraft hat, der einem beste Perspektiven bietet. Da sollte man erwarten können, dass Wechselwünsche der Spieler zumindest intern besprochen werden. Für mich ist das eine Form von Anstand, Wünsche offen zu besprechen und seinen Wechsel nicht zu erstreiken. Das ist aus meiner Sicht schlechter Stil.


Worin liegt diese Entwicklung begründet?

Vielleicht sind einige noch nicht in der Realität angekommen, vielleicht werden sie vom Umfeld beeinflusst. Das kann ich nur schwer beurteilen. Auch ich hatte als junger Spieler Phasen, wo ich abzuheben drohte. Da liegt es dann auch an der Familie, einen wieder einzufangen. Ich hatte das Glück, solche Menschen um mich herum zu haben.


Versuchen Sie als der erfahrenste Spieler im Kader, den jungen Spielern als Ratgeber zur Verfügung zu stehen?

Na klar. Die Frage ist, ob sie bereit dazu sind, meine Tipps anzunehmen. Ich selbst hatte das Glück, solche Spieler um mich zu haben und war dankbar für ihre Ratschläge.

Weidenfeller blickt auf beeindruckende Karriere zurück

Emotionaler Abschied: Roman Weidenfeller absolvierte in Hoffenheim sein 453. Spiel für den BVB. © imago


Was hat damals für den BVB gesprochen? Lehmann war Nationaltorhüter, hatte gerade seinen Vertrag verlängert …

Matthias Sammer und Michael Zorc haben sich extrem um mich bemüht. Ich hatte auch auf Sicht das Gefühl, dass ich irgendwann zwischen die Pfosten komme. Und ein Wechsel von Jens stand auch immer wieder mal im Raum. Mich hat allerdings der Verein, das Stadion und das Umfeld extrem gereizt. Was will man mehr als Fußballer, als in einem solchen Stadion zu spielen.


Sie wurden sportlich die Nummer eins, als die wirtschaftliche Krise ihrem Höhepunkt entgegensteuerte. Wie unvorbereitet hat das die Spieler damals getroffen?

Total. Wir wussten von gar nichts. Im ersten Jahr ging es noch. Es wurde dann immer klarer, dass es eine Schieflage gab, als wir auf Gehalt und Prämien verzichten mussten.


Gab es da Gedanken, den Verein zu wechseln?

Nein, ich habe eher die Chance gesehen, dass man etwas Neues aufbauen kann. Das war zwischendurch natürlich auch mal schwierig, aber letztlich habe ich Recht behalten. Ich musste schnell lernen, Hürden zu umschiffen und mit Schwierigkeiten umzugehen. Das hat meiner Entwicklung sicher nicht geschadet.


Jürgen Klopp hat dann den BVB aus dem Dornröschenschlaf geweckt ...

Absolut. Er war genau der richtige Mann. Er hat die Mannschaft und den Verein geprägt. Wir haben gesehen, was mit Mentalität und Tugenden möglich ist. Wir haben richtig malocht, es gab nicht einen Tag zum Durchschnaufen. Jeder wusste, wer das letzte Wort hatte. Selbst der unzufriedene Zuschauer während des Spiels hinter der Trainerbank. Ich kann mich sehr gut noch an die Bilder erinnern, wie er sich zur Tribüne umdrehte. Danach war dann Ruhe (lacht).


Von Klopp stammte über Sie auch der Satz: „Er gibt manchmal ein schreckliches Bild ab, wenn man ihn morgens sieht. Ab und zu müssen wir uns den auch schön saufen!“

(lacht) Ja, das Interview mit Arnd Zeigler. Das war nach einem 4:0 in Hannover, wir waren auf dem Weg zur Meisterschaft. Er wollte für ein bisschen Spaß sorgen.


Waren Sie eingeweiht?

Nein, aber ich wusste, wie er es meinte. Es war kein Problem, Wir waren beide Alphatiere, aber wir hatten immer einen offenen Austausch und haben alles dem Erfolg untergeordnet.


War er der größte Motivator in Ihrer Karriere?

Nach Gerry und Teddy, ja. Den bedingungslosen Ehrgeiz und Willen habe ich von Gerry Ehrmann beigebracht bekommen. Der hat die Bälle gefühlt bis zum Erbrechen aufs Tor geschossen, und meine Stärke im Eins-gegen-Eins war die Folge täglichen Trainings. Davon lebe ich bis heute.


Wann war Ihnen klar, dass Sie Ihre Karriere in Dortmund beenden?

Sehr schnell. Wir fühlen uns hier sehr wohl, wir haben ein Haus gebaut, ich habe Borussia viel zu verdanken.

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Der letzte Auftritt von Roman Weidenfeller im Signal Iduna Park

05.05.2018
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Der letzte Auftritt von Roman Weidenfeller im Signal Iduna Park.© Guido Kirchner
Der letzte Auftritt von Roman Weidenfeller im Signal Iduna Park.© imago/Eibner
Der letzte Auftritt von Roman Weidenfeller im Signal Iduna Park.© imago/Thomas Bielefeld
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Der letzte Auftritt von Roman Weidenfeller im Signal Iduna Park.© imago/Thomas Bielefeld
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Der letzte Auftritt von Roman Weidenfeller im Signal Iduna Park.© imago/Eibner
Der letzte Auftritt von Roman Weidenfeller im Signal Iduna Park.© imago/Jan Huebner

Wie war das, als der BVB Roman Bürki verpflichtet hatte?

Das war eine normale sportliche Entscheidung. Thomas Tuchel wollte bei seinem Start eine neue Mannschaft formen. Dazu gehörte ein Generationswechsel mit neuem Gesicht im Tor. Klar war das nicht immer alles positiv und ich hatte die ein oder andere Nacht, in der ich nicht gut geschlafen habe. Letztendlich konnte ich an der Entscheidung nichts ändern, auch wenn ich mein Ego zurückfahren musste. Ich habe mir dann gedacht, jetzt spielst du halt den Part, den viele Jahre andere für dich gespielt haben. Wie ein Mitch Langerak. Irgendwann kommt eben der Tag, wo man ins zweite Glied rückt. So wie zur Zeit, wenn ich den Weg für die nächste Generation frei mache.


Was bleibt als das prägende Erlebnis Ihrer Karriere hängen?

Die Meisterschaften sicherlich, das Double, aber auch das Finale in Wembley. Auch wenn wir es verloren haben.


Warum kam es nicht in Frage, weiter auf dem Platz zu stehen?

Ich will erst einmal Abstand gewinnen. Raus aus dem Hamsterrad. Ähnlich wie bei Kehli. Ob ich mich dann in meiner Freizeit vielleicht ab und zu um die Torhüter im Jugendbereich kümmere, steht auf einem anderen Blatt. Da hätte ich sogar Lust zu. Erst einmal aber möchte ich abschalten.


Wie wichtig war Ihnen, dass Sie sich noch Ihren Nationalmannschafstraum erfüllen konnten?

Dafür bin ich sehr dankbar, das war eine unglaubliche Wertschätzung. Vor allem auch, in Wembley, wo ich meine größte Niederlage einstecken musste und dann mein Debüt zu feiern. Ich habe mich im Freudentaumel danach gleich bei Jogi bedankt und verabschiedet. (lacht) Er hat mich ein bisschen schräg angeschaut und gemeint, so weit seien wir noch nicht. Es war ein tolles Erlebnis, ich bin dem DFB sehr dankbar. Auch Jogi und Andi Köpke, Wir haben uns dann bei der WM erst so richtig kennengelernt, jetzt weiß jeder den anderen richtig einzuschätzen. Wir haben heute noch Kontakt.


Der BVB hat es mit Ach und Krach in die Champions League geschafft. Was ist schief gelaufen in diesem Jahr?

Das Mainz-Spiel war das schlechte Spiegelbild der gesamten Saison. Leider konnten unsere Fans in dieser Spielzeit zu keinem Zeitpunkt entspannt zu uns ins Stadion kommen. Es gab schon Jahre, wenn es da mal schlecht lief, ging der Gegner mit einem Tor in Führung, aber dann schoss der BVB eben drei. Deswegen kann ich den Unmut der Fans auch verstehen. Es ist schade, dass wir es verpasst haben, gegen Mainz die CL-Qualifikation klar zu machen und mit den Fans ein versöhnliches Ende zu feiern.


Es ist auch vor allem für Sie blöd gelaufen…

Es war ja auch anders geplant. Ich habe es aus sportlicher Sicht total verstanden, dass unser Trainer offensive Spieler gewechselt hat. Ich sehe das total loyal. Ich bin der Backup von Roman Bürki und versuche ihm den Rücken frei zu halten. Dass niemand Angst hätte haben müssen, wenn ich im Tor gestanden hätte, das ist klar. Mir war es allerdings auch wichtig, dass mein Abschied nicht stärker bewertet wird als die sportliche Situation.


Anmerkung der Redaktion: Das Interview wurde am Tag vor dem Saisonfinale gegen Hoffenheim geführt.

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